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[REZENSION] Janne Teller: »Nichts – Was im Leben wichtig ist«

Janne Teller
Nichts – Was im Leben wichtig ist

Originaltitel: Intet
Hanser
1. Auflage, Juli 2010
Broschiert
Seiten: 139
ISBN: 978- 3-446-23596-0

»Nichts bedeutet irgendwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendwas zu tun.«

Mit diesen Worten verlässt Pierre am Tag nach den Sommerferien den Unterricht und lässt seine Klassenkameraden nachdenklich zurück.
Die Jugendlichen wollen ihm beweisen, dass es sehr wohl Dinge im Leben gibt, die Bedeutung haben und so beginnen sie damit, für sie und andere wichtige Sachen zusammenzutragen.
Doch was so harmlos mit alten Fotos und einem Paar grüner Sandalen beginnt, entwickelt sich bald zu einem bösen Rachespiel. Gerda muss sich von ihrem geliebten Hamster trennen, Lis ihre Adoptionsurkunde abliefern. Auch der Sarg des kleinen Emil und eine Jesusstatue landen auf dem »Berg der Bedeutung«. Das alles bleibt geheim, bis Sofie ihre Unschuld und Johan seinen Zeigefinger opfern müssen …

»Nichts« ist ein Roman, der gerade durch seine Einfachheit umso erschreckender wirkt. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht einer Dreizehnjährigen, wobei der Text beinahe oberflächlich und gefühllos daherkommt. Die Jugendlichen verstricken sich mehr und mehr in ihr perverses Spiel und verlieren dabei ihre ursprüngliche Intention aus den Augen. Es zählt nur noch eins: Dem Nächsten zu nehmen, was ihm am wichtigsten ist.

Der Roman will nicht die Frage nach dem Sinn des Lebens klären. Vielmehr nimmt er den Leser mit auf eine Gedankenreise und regt dazu an, das eigene Leben zu überdenken und Werte abzuwägen.
In diesem Roman ist der Leser selbst gefragt, denn die teilnahmslos wirkende Ich-Erzählerin gibt keine stellvertretenden Gefühle vor, kein Entsetzen, keine Wertungen. Man sieht, was man sehen bzw. hineinlesen will.

Am Ende lässt Janne Teller den Leser mit einer Frage allein: Wo hört das »Nichts« auf und wo beginnt der Sinn – und umgekehrt.

2 Kommentare

  1. Hey,
    es ist zwar schon eine Weile her, aber hast du dich beim Lesen auch gefragt, wie man eigentlich auf die Idee kommt, das zu tun, was die Kinder tun? Ich meine, da ist zwar dieser Junge im Baum, doch eigentlich könnte man den ja auch schlichtweg ignorieren…

    Gespannt auf eine Antwort und mit freundlichen Grüßen,
    Seitenfetzer

    • Hallo und erstmal willkommen hier auf meinem Blog! 🙂
      Ja, einen ähnlichen Gedanken hatte ich beim Lesen auch. Beides: »Warum ignorieren sie ihn nicht einfach?« und »Warum fällt ihnen gerade so was ein?«. Die meisten Jugendlichen im »realen Leben« würden ihm wahrscheinlich einfach den Vogel zeigen statt irgendwas zu unternehmen. 😉

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