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[REZENSION] Valérie Zenatti: »Leihst du mir deinen Blick«

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Valérie Zenatti
Leihst du mir deinen Blick?


Originaltitel: Une bouteille dans la mer de Gaza
dtv
3. Auflage, 2008
Taschenbuch
Seiten: 191
ISBN: 978-3-423-78223-4

»Wir leben in Zeiten der Finsternis, der Trauer und des Schreckens. Die Angst ist wieder da.«

Tal ist siebzehn. Sie lebt im jüdischen Teil Jerusalems. Selbstmordanschläge gehören in dieser Stadt zum traurigen Alltag. Und doch ist Tal zutiefst erschüttert, als eine Bombe in einem Café ganz in der Nähe ihres Hauses explodiert. Warum nur findet der Hass zwischen Israel und Palästina kein Ende?
Tal quälen Gedanken und Fragen, denn auch wenn das Attentat ihren Körper unbeschadet gelassen hat, in ihrem Kopf »ist alles in tausend Scherben zersplittert«. Und obwohl sie weiß, dass es sinnlos ist, schreibt sie einen langen Brief – über sich, ihre Hoffnungen und Träume – und steckt ihn in eine Flasche. Ihr Bruder, der im Gazastreifen stationiert ist, soll die Flaschenpost dort ins Meer werfen. Und tatsächlich – nach langem Warten bekommt sie eine E-Mail vom zwanzigjährigen »Gazaman«, der im Gazastreifen – »auf der anderen Seite« – lebt.
Zwischen den beiden entsteht ein reger E-Mail-Kontakt und sogar so etwas wie Freundschaft. Und beide lernen, die Welt durch die Augen des anderen zu sehen.

Wie erklärt man Kindern und Jugendlichen den Nahost-Konflikt? Wie lassen sich die Standpunkte beider Parteien so darstellen, dass sie für uns verständlich werden?
Es ist ein Thema, das wir hierzulande maximal aus den Medien kennen. Doch für die Jugendlichen in Jerusalem ist es Realität. Valérie Zenatti gibt mit ihrem Roman Einblick in das Alltagsleben beider Seiten und erzählt dabei eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt – nicht nur über die Probleme im Nahen Osten, sondern auch über das eigene Leben und den Tod.
Ihr flüssiger Schreibstil und die wechselseitigen E-Mails machen es nicht nur jugendlichen Lesern leicht, sich in die Situation einzufühlen und durch die Augen der beiden Protagonisten zu sehen, was für uns sonst so unvorstellbar ist.

»Leihst du mir deinen Blick« ist auch gut als Unterrichtslektüre geeignet.

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