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[REZENSION] Katie Kacvinsky: »Die Rebellion der Maddie Freeman«


Katie Kacvinsky
Die Rebellion der Maddie Freeman

Originaltitel: Awaken
Boje
1. Auflage, Dezember 2011
Hardcover
Seiten: 366
ISBN: 978-3-414-82300-7

Inhalt

Die siebzehnjährige Madeline Freeman lebt ihr Leben wie alle anderen in der modernen Technikwelt: Sie besucht die Digital School, Verabredungen mit Freunden finden online statt und Einkäufe erledigt man nur noch per Mausklick am Computer. Für Maddie ist das alles Normalität.
Bis sie Justin kennenlernt. Für ihn zählt nur das reale Leben abseits von Computerbildschirmen und sozialen Netzwerken. Gemeinsam mit seinen Freunden organisiert er den Widerstand gegen das System der Digital School, deren Direktor ausgerechnet Maddies Vater ist.
Maddie verliebt sich Hals über Kopf in den zurückhaltenden Jungen, doch sie hat Zweifel. Für wen soll sie sich entscheiden: Für ihre große Liebe oder ihre Familie?
Und wird sie jemals mehr für Justin sein, als nur ein Mittel zum Zweck?

Meine Meinung

Da mir der Titel vor einiger Zeit empfohlen wurde und die Geschichte recht interessant klang, kaufte ich mir das Buch spontan bei einem Büchereinkaufsbummel in Berlin. Ohne die Empfehlung hätte ich das Buch vermutlich nicht in die Hand genommen, da mich weder Titel noch Cover besonders ansprechen. Beides finde ich auch nicht wirklich passend zur Geschichte und der Titel ist doch etwas zu sperrig geraten, um gut zu sein. Auch die Gestaltung der Kapitelanfänge gefällt mir nicht besonders.
Von der Geschichte selbst hatte ich mir eine interessante Dystopie versprochen, mit Spannung und einer fesselnden Handlung um ein doch recht aktuelles Thema. Doch von dem Potenzial wurde leider sehr viel verschenkt.

Dabei stecken in der Geschichte einige interessante Denkansätze. Die Digital School, deren Unterricht nicht mehr in Schulen, sondern ausschließlich am PC stattfindet. Das völlig abgeschottete Leben der Menschen, die außerhalb des Internets kaum noch miteinander umgehen können und wollen. Die Protestbewegung, die sich gegen diese Umstände zusammenschließt.
Doch mit jeder Seite gewann ich mehr und mehr den Eindruck, dass die Autorin alles nur anreißt und dabei nichts wirklich zuende erzählt. Man lernt zwar Maddies Vergangenheit kennen – meist in Form von Tagebucheinträgen –, aber den Hintergründen fehlt es an Tiefe, sodass ich Maddies Handlungen oft nicht logisch nachvollziehen konnte. Zudem hatte ich an vielen Stellen das Gefühl, dass hier stark übertrieben wird und zwar auf eine Art, die ein Buch nicht besser, sondern albern wirken lässt.
Auch habe ich ein wenig die Spannung vermisst. Die meiste Zeit plätschert die Geschichte so dahin, ohne Tempo aufzunehmen, was vor allem daran liegt, dass nicht wirklich viel passiert.
Auch die zahlreichen Tippfehler, die in der zweiten Auflage fast auf jeder zweiten Seite zu finden sind, haben mich beim Lesen auf Dauer genervt, sodass ich mich irgendwann fragte, ob der Lektor hier gepennt hat.

Am meisten gestört hat mich Maddies Schwärmerei für Justin, die den größten Teil des Buches einnimmt. Ständig denkt sie darüber nach, wie toll er doch ist, wie mutig und geheimnisvoll und wie sich die Atmosphäre im Raum verändert, sobald er auch nur einen Fuß hinein setzt. Ansonsten lässt sich über den Charakter von Maddie auch nicht viel mehr sagen. Sie ist verwöhnt und unselbstständig und obwohl sie im Titel zur Leitfigur der Rebellion gemacht wird, weiß sie eigentlich die meiste Zeit nicht einmal, ob sie sich den Widerständlern anschließen soll oder nicht. Denn mit fünfzehn hat sie sich bereits einmal gegen ihren Vater und die Digital School aufgelehnt und damit beinahe ihre Familie zerstört. Seitdem steht sie unter strenger Beobachtung. Trotz dem, dass Maddie Hauptfigur und Ich-Erzählerin des Romans ist, blieb ich doch die ganze Zeit über sehr auf Distanz zu ihr. Ich konnte weder wirklich mitfühlen, noch Mitleid empfinden. Die meiste Zeit fand ich sie und ihre Gedanken nur pubertär und oberflächlich.
Die Figur von Justin ist ebenso platt wie klischeehaft. Er wird als mutiger und selbstloser Held dargestellt, der seine eigenen Interessen zurückstellt, um anderen zu helfen. Doch im Grunde genommen erfährt man von seinem »Job« nicht viel mehr, als dass er ständig unterwegs ist und die Rekrutierung neuer Widerständler organisiert. Äußerlich ist er natürlich der stille, mysteriöse Typ, auf den alle Mädchen fliegen. Doch Maddie ist die Einzige, die er so nah an sich heran lässt, dass sie den weichen Kern hinter seiner Schale sehen kann. Für meinen Geschmack kommt er zu oft mit altklugen Weisheiten daher, um glaubwürdig zu sein.

Zum Schluss bleibt man als Leser mit vielen offenen Fragen zurück, denn aufgelöst wird kaum etwas. Auch das Ende ist nicht wirklich zufriedenstellend, so als hätte man die Geschichte einfach mittendrin abgebrochen, um einen zweiten Band anhängen zu können.
Das, was erzählt wird, ist zum Teil dafür sehr weit hergeholt. Die Geschichte spielt im Jahr 2060, also in relativ naher Zukunft. Laut der Autorin werden wir in fünfzig Jahren also Autos besitzen, die im einen Moment auf der Straße und im nächsten übers oder gar unter Wasser fahren können. Ebenso unsinnig fand ich die Begründung, warum das System der Digital School im Jahr 2049 eingeführt wurde und die Tatsache, dass es innerhalb von elf Jahren das komplette Sozialverhalten, sowohl von Kindern als auch der Erwachsenen, vollkommen umkrempeln konnte.

Ein Pluspunkt ist, dass mich das Buch trotz allem nicht gelangweilt hat. Der Schreibstil ist einfach und passt zu Maddies Charakter, auch wenn er mich nicht besonders anspricht. Ab und zu gibt es den einen oder anderen guten Dialog oder Gedankengang. Dadurch liest sich das Buch flüssig und relativ schnell weg.

Fazit

»Die Rebellion der Maddie Freeman« ist ein Buch, das man durchaus lesen kann, wenn man auf kurzweilige Unterhaltung aus ist und dabei nicht zu viele Ansprüche stellt. Allerdings ist es bei Weitem kein Buch, dass man unbedingt gelesen haben muss.

12 Kommentare

  1. Mhm, hört sich ja nicht mehr so toll an, wie es anfangs noch klang. Die meisten Meinungen, die ich in letzter Zeit zu dem Buch gelesen habe, waren jetzt nicht so prickelnd. Ich werde bestimmt irgendwann mal zu dem Buch greifen, rein aus Neugier, aber jetzt weiß ich wenigstens, dass ich damit noch warten kann. Danke für die ausführliche und aufklärende Rezension!

    Ganz liebe Grüße!

  2. Also, man kann das Buch durchaus lesen. Für kurzweilige Unterhaltung ist es okay. Aber vom Hocker gehauen hat es mich wirklich nicht, da hatte ich mehr von der Geschichte erwartet.

    Lieben Gute-Nacht-Gruß! 🙂

  3. Na ja, man kann's schon lesen. Man darf nur keine zu hohen Erwartungen haben. Verglichen mit den dämlichen Dämonen war es um Welten besser. 😉

  4. Oh wie schön, ich habe einen neuen Blog entdeckt-neu für mich 🙂 Habe mich gleich als Leserin eingetragen. Was für eine geniale Idee Eier zu vergeben ^^…irgendwie kriege ich gerade tierisch Lust ein Ei zu essen 😉

    Von Maddie Freeman hab ich bisher echt nur schlechtes gelesen, werde mir das Buch nicht antun..

    LG
    —————————————————–
    http://www.ThrillerOnline.de
    Jeden Montag neuer Lesestoff

  5. Wie schön, eine neue Leserin! 🙂

    Ja, die Eier … 😀 Das war irgendwie der einzige halbwegs kreative Blogtitel, der mir einfallen wollte. Anfangs fand ich ihn ja ziemlich doof, und irgendwann dann so doof, dass er schon wieder gut war. Da bot sich die Eier-Bewertung dann einfach so schön an. 😀

    Das Buch würde ich auch wirklich nicht weiterempfehlen. Man kann es lesen, ja, aber es ist absolut kein "must read".

  6. Das Buch steht schon seit einer Weile auf meiner Wunschliste. Aber je mehr Rezensionen ich lese, umso mehr zweifle ich daran ob ich es lesen werde. Die Thematik gefällt mir, aber ich glaube inzwischen dank der Rezensionen dass mir die Umsetzung nicht gefallen wird. Mal schauen, SUb und Wunschliste sind groß genug also eilt die Entscheidung nicht 🙂
    Liebe Grüße,
    Jai

  7. Die Umsetzung ist wirklich nicht sehr gelungen. Eigentlich geht es mehr darum, wie toll Justin ist, als um das eigentliche Thema.
    Wenn man auf Teenie-Liebesromane steht und ansonsten keinen Anspruch daran stellt, ist es natürlich schon wieder ein gutes Buch. 😉
    Bei dem Buch kommt es wohl auch ein bisschen darauf an, was man erwartet. Meine Erwartungen waren definitiv zu hoch. 😀

  8. Aha! Hab sie gefunden 🙂
    Normalerweise lese ich keine Rezis, wenn ich das Buch noch lese oder lesen will, aber da ich ans Abbrechen denke …
    Mir geht die Heldin ziemlich auf'n Keks und dass neben ihrer Schwärmerei für kaum etwas anderes an Handlung Platz ist, stört mich ebenfalls. Außerdem ist sie doch recht naiv und na ja.
    Ich finde leider auch nicht, dass es sich sonderlich flüssig wegliest, es stockt dauernd, aber das kann auch wieder an mir liegen 😉
    Vielleicht raffe ich mich noch auf und lese es zuende, aber das sieht momentan nicht danach aus.

  9. Sehr gut. Findet man sich also sogar durch bei mir. 😀

    Mir ging Maddie auch ziemlich schnell und danach dann durchgehend auf den Keks. Man hätte den Titel in "Die naiven Schwärmereien der Maddie Freeman" ändern sollen, dann hätte der Titel immerhin den Inhalt getroffen.

    Was das flüssige Lesen angeht: Also ich hatte das Buch zumindest ziemlich schnell durch und da das wohl kaum an der grandiosen Spannung lag (*hust*), hab ich es dem einfachen Schreibstil zugeschoben. Mir kam er zu der Zeit zumindest flüssig vor. 😉

    Zum Thema zu Ende lesen: Viel besser wird's nicht. Leider.

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