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[REZENSION] Beate Teresa Hanika: »Rotkäppchen muss weinen«


Beate Teresa Hanika
Rotkäppchen muss weinen

Fischer, 1. Auflage 2009
Hardcover
222 Seiten
ISBN: 978-3-596-85336-2

Die dreizehnjährige Malvina hat es nicht leicht: Ihr Vater hört nicht zu, ihre Mutter leidet unter Dauermigräne. Ihr großer Bruder, mit dem sie sonst über alles redete, kommt nur noch am Wochenende nach Hause und ihre große Schwester nervt. Außerdem soll die alte Villa abgerissen werden, die Malvina einst mit ihrer Freundin Lizzy tapfer verteidigte, und zu allem Überfluss ist sie gerade dabei, sich in Klatsche zu verlieben, obwohl sie Lizzy versprochen hat, sich nie auf einen der Jungs aus der Siedlung einzulassen. Doch am schlimmsten sind die Besuche bei ihrem Großvater. Denn da will Malvina am liebsten nie wieder hin. Doch niemand hört ihr zu …

»Rotkäppchen muss weinen« ist mal wieder ein Buch, das schon recht lange in meinem Bücherregal ein ungelesenes Dasein fristete. Irgendwann hatte ich das – mit 222 Seiten recht dünne – Hardcover aus der Leseexempar-Kiste gefischt und die ersten Seiten für gut befunden. Beim letzten Besuch bei meinen Eltern zog ich das Buch dann wieder aus dem Regal und ich habe es nicht bereut. Denn auch die restlichen Seiten haben nicht enttäuscht.

Die Geschichte wird von Malvina selbst erzählt und beginnt zwei Wochen vor ihrem vierzehnten Geburtstag. Der ist wichtig für Malvina, denn mit vierzehn – so hat sie sich vorgenommen – wird sie einen Freund haben, auf Partys gehen und immer ihre Meinung sagen. Außerdem wird sie so laut schreien können, dass alle Angst vor ihr bekommen und davonlaufen, wenn sie es so will. Alle. Auch ihr Opa.

Zu Beginn muss man sich an den Erzählstil erst einmal gewöhnen. Wörtliche Rede wird von Malvina indirekt wiedergegeben, Anführungszeichen sucht man vergeblich. Die kurzen, einfachen Sätze und die allgemeine Wortwahl erinnerten mich auch eher an ein jüngeres Mädchen von vielleicht neun oder zehn Jahren, nicht an einen dreizehnjährigen Teenager.
Hat man sich aber einmal eingelesen, taucht man sehr schnell in die Geschichte ein und fühlt mit Malvina mit.

Dabei entsteht eine sehr beklemmende, anrührende Atmosphäre: Malvina muss nach dem Klavierunterricht immer in der Wohnung des Großvaters warten, bis sie abgeholt wird. Man erfährt sehr schnell, dass das Mädchen sich dort unwohl fühlt und lieber ihre beste Freundin Lizzy mitbringt, um nicht allein zu sein. Doch Lizzy ist gerade mit ihrer Mutter im Urlaub …
Erst nach und nach erfährt man, was in dieser Wohnung in der Vergangenheit geschehen ist, denn Malvina hat diese Dinge nach dem Tod der Großmutter aus ihrem Gedächtnis verdrängt. Denn auf ihren Schultern lastet ein verhängnisvolles Versprechen.

Halt findet das Mädchen bei Frau Bitschek, einer Nachbarin des Großvaters. Sie ahnt, was hinter der Wohnungstür vorgeht, und versucht Malvina auf ihre Art beizustehen.
Auch »Klatsche«, einer der Jungen aus der Neubausiedlung, wird für Malvina zur wichtigen Stütze. Die ganze Zeit über möchte sie sich ihm anvertrauen, doch von ihrer eigenen Familie, die lieber die Augen vor den Geschehnissen verschließt, entmutigt, wagt Malvina auch ihm gegenüber nichts zu sagen.

Auch das Ende des Romans konnte mich überzeugen, wenn es auch ein wenig plötzlich kommt. Von mir aus hätte das Buch gerne noch ein paar Seiten mehr haben können.

Fazit

Beate Teresa Hanika ist es gelungen, Malvinas Situation und ihre Not sehr einfühlsam und sensibel zu schildern, sodass man beim Lesen lebendige Bilder vor Augen hat, ohne dass die Dinge direkt ausgesprochen werden.
Malvinas Geschichte ist eine, die Mut macht und hoffen lässt und dazu aufruft, Wahrheiten offen auszusprechen – auch wenn es schwerfällt.

2 Kommentare

  1. Das Buch hört sich wirklich schön an – da tut es mir doch glatt leid, dass es schon so lange auf meiner Wunschliste und nicht endlich in meinem Bücherregal steht. Nur was die indirekte Rede angeht mache ich mir ein wenig Sorgen, weil ich nicht weiß, ob es so meins ist. Ich erinnere mich nur an ein einziges Buch, bei dem die verwendet wurde und da hat es auch einiges gedauert, bis ich mich daran gewöhnt habe…

    Aber das Buch werde ich wohl dank deiner Rezension nicht mehr allzu lange auf der Wunschliste stehen lassen. 😉

    Ganz liebe Grüße!

  2. Das Buch ist auch wirklich schön. Das Einzige, was mich gestört hat, war das plötzliche Ende. Da hätte man ruhig noch ein bisschen ausbauen können, ich hätte gerne noch ein paar Seiten mehr davon gelesen.

    An den Schreibstil hab ich mich eigentlich recht schnell gewöhnt. Malvina erzählt eben von sich. Wenn man sich da ein bisschen reindenkt, dann wirkt das eigentlich schon wieder logisch. Aber das kommt wahrscheinlich auf das persönliche Empfinden an. Ich kann über solche Sachen eigentlich ganz gut hinwegsehen, wenn es passt und gut gemacht ist. 😉

    Und ich freue mich, wenn dir meine Rezension bei der Entscheidung hilft, hihi. Hoffentlich findest du das Buch dann auch gut. 🙂

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