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[REZENSION] Herman Koch: »Angerichtet«


Herman Koch
Angerichtet

Originaltitel: Het Diner
Kiepenheuer & Witsch
1. Auflage, 2010
Hardcover
Seiten: 309
ISBN: 978-3-462-04582-6

Ein Abend im Sternerestaurant. Zwei Elternpaare. Eine lebenswichtige Entscheidung.

Zwei Ehepaare – zwei Brüder und ihre Frauen – haben sich zum Essen in einem Spitzenrestaurant verabredet. Sie sprechen über Filme und Urlaubspläne und vermeiden zunächst das eigentliche Thema: die Zukunft ihrer Söhne Michel und Rick.
Die beiden Fünfzehnjährigen haben etwas getan, das ihr Leben für immer ruinieren kann.
Paul Lohmann will das Beste für seinen Sohn. Und ist bereit, dafür weit zu gehen. Sehr weit. Auch die anderen am Tisch haben ihre eigenen, geheimen Pläne zur Lösung des Problems.
Während des Essens brechen die Emotionen auf, schwelende Konflikte zwischen den Brüdern entladen sich, und auf einmal steht eine Entscheidung im Raum, die drei der vier mit aller Macht verhindern wollen.

»Angerichtet« ist mal wieder ein Buch, das eine Kollegin in der Buchhandlung gut fand und das ich mir deshalb irgendwann aus der Leseex-Kiste gefischt habe, bevor es im Papiercontainer landen konnte.
Ich hatte bei Titel und Klappentext zugegebenermaßen keine allzu hohen Erwartungen an das Buch, wurde aber beim Lesen sehr positiv überrascht.

Besonders an dem Buch ist, dass der gesamte Roman beim Abendessen im Restaurant stattfindet. Von der ersten bis zur letzten der 309 Seiten sitzen die Protagonisten im Restaurant, unterbrochen von diversen Rückblenden und Erinnerungen des Ich-Erzählers Paul Lohmann.
Dabei wird dem Leser die Geschichte auch tatsächlich aufgetischt wie ein Fünf-Gänge-Menü: Der Roman ist in sechs Teile gegliedert, von Aperitif bis Trinkgeld. Und genau so entwickelt sich nicht nur das beschriebene Abendessen, sondern auch die erzählte Geschichte.
Die Sprache liest sich dabei sehr locker und die meistens recht kurzen Kapitel haben das Buch für mich zu einem idealen Vor-dem-Einschlafen-Roman gemacht. Gleichzeitig konnte ich das Buch aber kaum zur Seite legen, weil man an jeder Stelle wissen will, wie es weitergeht.

Paul Lohmann ist der Vater von Michel, der sich im Ruhestand befindende Geschichtslehrer, der Medikamente gegen seine Aggressionen schluckt, der unbekannte Bruder des berühmten, mit besten Aussichten für den Posten des Ministerpräsidenten kandidierenden Landespolitikers Serge Lohmann.
Aber Paul ist auch der sympathische Ich-Erzähler, der den Leser durch den Abend führt und mit seinen Hintergrundkommentaren unterhält. So bekommt man Einblick in die Vergangenheit des Spitzenpolitikers, der früher am Esstisch eine ganze Familienflasche Cola leeren konnte. Man erfährt, warum Paul nicht mehr unterrichtet und was seine Frau Claire so besonders macht.
Aber auch, was die Söhne Michel und Rick getan haben.

Da der Leser erst nach und nach erfährt, was die Eltern am Tisch längst wissen, entwickelt sich der Roman – der sich eigentlich, wie gesagt, ausschließlich bei einem Fünf-Gänge-Menü abspielt – zu einem spannenden Familiendrama.
Dabei geht es weniger darum, was aus den beiden Jungen wird und wie es mit ihnen weitergeht. Viel mehr stellt sich die Frage: Wie weit darf Elternliebe gehen? Und was dürfen Eltern tun, um ihre Kinder zu schützen?

Der Leser lernt nach und nach alle beteiligten Personen näher kennen und ist immer wieder gezwungen, seine Einschätzung ihrer Motive zu überdenken. Denn jeder von ihnen hat seine eigenen Abgründe und Hintergedanken und spätestens am Ende ist klar, dass keiner der Beteiligten unschuldig ist.

Fazit

»Angerichtet« ist ein etwas anderer Roman, der aufwühlt und zum Nachdenken auffordert und der den Leser selbst dazu anhält, sich ein Urteil zu bilden und zu entscheiden, was richtig und was falsch ist.

5 Kommentare

  1. Hi Moena!

    Zuerst möchte ich dir danken für deine überaus lieben Glückwünsche auf meinem Blog. Habe mich sehr über deine Anteilnahme gefreut! 🙂

    Das Bild zum Buch angerichtet hast du ja echt genial gemacht! Wobei es ja eigentlich nahe liegt. Schöne Rezi!

    LG

  2. Huhu!

    Na da muss man doch einfach beglückwünschen, oder? 🙂

    Das Bild zum Buch war tatsächlich naheliegend. Und mein Geschirr fand ich so passend dazu. 😀

  3. Über das Buch habe ich schon so viel Gutes gehört! Deine Rezension bestätigt das mal wieder 🙂 Ich sollte es mir bald unbedingt mal zulegen.
    Lg,
    Sarah

  4. Es ist auf jeden Fall mal was anderes, finde ich. Nicht so wahnsinnig actionreich, aber trotzdem spannend, weil man einfach wissen will, was passiert (ist).
    Auf jeden Fall lesenswert! 🙂

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