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[REZENSION] Jakob Arjouni: »Der heilige Eddy«


Jakob Arjouni
Der heilige Eddy

Diogenes
1. Auflage, August 2010
Taschenbuch
Seiten: 245
ISBN: 978-3-257-24017-7

Inhalt

Was für ein dummer Zufall: Ausgerechnet vor Eddys Wohnungstür gerät der derzeit meistgehasste Mann Berlins ins Stolpern – Imbissbuden-Millionär und Heuschreckenkapitalist Horst König. Das Letzte, was Eddy – ein sympathischer Trickbetrüger, der sich mit dem Ausnehmen betuchter Leute ein Leben als Musiker samt bürgerlicher Fassade im linksalternativen Kreuzberg finanziert – gebrauchen kann, ist die Aufmerksamkeit der Polizei. So wenig wie die von Königs Bodyguards, die draußen auf ihren Chef warten.
Zwar weiß sich Eddy zunächst zu helfen, doch dann gerät die Geschichte außer Kontrolle. Der Fall Horst König wird zum Berliner Medienereignis und dessen Familie zum Freiwild für Boulevardjournalisten, während der vermeintliche Mörder von Presse und Bevölkerung zum Volkshelden aufgespielt wird.
Eddy plagt das schlechte Gewissen, und gerne würde er sämtliche Missverständnisse aufklären. Am liebsten gegenüber Königs schöner und exzentrischer Tochter Romy.

Meine Meinung

»Der heilige Eddy« ist wiedermal ein Buch, das ich zu Buchhändlerzeiten aus der Leseexemplar-Kiste gefischt und dann vergessen hatte. Aber da das Buch mit 246 Seiten sehr dünn ist, hatte ich es mir nun doch einfach mal vorgenommen.

Obwohl mich das Buch mit seinem locker-humorvollen Schreibstil und dem sympathischen Protagonisten überzeugen konnte, war die Kürze am Ende ein großer Minuspunkt.
Bis zu der Stelle, als Eddy die Leiche von Horst König auf äußerst kreative Weise an den Bodyguards vorbeischafft und entsorgt, habe ich das Buch mit großer Begeisterung gelesen. Die Kapitel lesen sich schnell und flüssig und die eine oder andere Idee oder Erinnerung von Eddy hat mich schmunzeln lassen.

Leider wird der durchweg positive Eindruck des Buches dadurch zerstört, dass der Rest der Geschichte viel zu schnell und zu grob erzählt wird. Die Beziehung, die sich zwischen Eddy und Romy – die unter falschem Namen im selben Haus wohnt – entwickelt, wird kaum erklärt. Die beiden treffen sich nicht ganz zufällig auf der Trauerfeier für Romys Vater, verabreden sich und landen zusammen im Bett. Danach ist die Beziehung einfach plötzlich da, von einem Kapitel zum nächsten, ohne weitere Beschreibung oder Erklärung.
Auch Eddys Entschluss, die Missverständnisse aufzuklären und Romy darüber in Kenntnis zu setzen, kommt sehr plötzlich und Romys Reaktion war für mich nur schwer nachvollziehbar. Was aber auch daran liegt, dass die Figur Romy kaum charakterisiert wird, sodass ich keine Verbindung zu ihr aufbauen konnte. Dafür war schlichtweg keine Zeit.

Das Ende ist schließlich dann zwar unterhaltsam, lässt aber sehr viel offen. Mir gab der Roman das Gefühl, als hätte der Autor eine gute Idee für den Anfang gehabt und hätte das Ganze dann so schnell wie möglich zum Ende bringen wollen. Die meisten Handlungspunkte im zweiten Teil werden nur kurz angerissen, bevor Eddy zum nächsten übergeht. So bleibt kaum Zeit, sich als Leser wirklich in die Geschehnisse hineinzuversetzen und die Geschichte mitzuverfolgen.

Fazit

Ein kurzweiliger Roman mit spannendem sowie humorvollem Anfang, bei dem zum Ende hin aber leider viel Potenzial verschenkt wurde.

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