Allgemein, Rezensionen, vier Eier
Kommentare 6

[REZENSION] Janne Teller: »Krieg – Stell dir vor, er wäre hier«


Janne Teller
Krieg – Stell dir vor, er wäre hier

Originaltitel: Hvis der var krig i Norden
Hanser
1. Auflage, März 2011
Taschenbuch
Seiten: 59
ISBN: 978-3-446-23689-9

Inhalt
Stell dir vor, es wäre Krieg, hier bei uns. In deinem Heimatland. Stell dir vor, du müsstest hungern, frieren und jeden Tag mit der Angst vor dem nächsten Angriff leben. Stell dir vor, du müsstest fliehen, zusammen mit deiner Familie, und in einem anderen Land Zuflucht suchen. In einem Land, das dir fremd ist, das eine andere Sprache spricht und in dem du als Mensch dritter Klasse behandelt wirst, weil schon längst niemand mehr neue Flüchtlinge aufnehmen will.

Stell dir vor, es wäre Krieg.
Wohin würdest du gehen?
Was würdest du tun?
Meine Meinung
Dieses kleine Büchlein fiel mir eher zufällig in der Buchhandlung in die Hände. Ich hatte zwar schon etwas darüber gehört, aber eigentlich nicht geplant, es zu kaufen oder zu lesen.
Aber da lag das Buch nun mal im Regal und es ist auch wirklich interessant gemacht: in Form eines kleinen Passes und innen reich illustriert mit Zeichnungen von Helle Vibeke Jensen. Und da es nur 50 Seiten hat, war es dann auch sehr schnell ausgelesen.

Das Buch ist kein Roman, der eine Geschichte erzählt und mit sprachlichen oder erzählerischen Überraschungen aufwartet. Es ist viel mehr ein Essay. Eine Einladung dazu, sich in das Leben eines Kriegsflüchtlings hineinzuversetzen. Sich vorzustellen, wie es wäre, in dieser Situation zu sein.
Das Buch spricht den Leser dabei direkt an und lädt dazu ein, sich die einzelnen beschriebenen Stationen bildlich vor Augen zu führen, weiterzudenken – mit sich selbst in der Hauptrolle.

Allerdings lag hier für mich auch das Problem, das ich mit dem Buch hatte: Man bekommt vom Erzähler eine Rolle aufgedrückt. Man ist ein Junge im Jugendalter, hat eine kranke Mutter, einen großen Bruder, der die Miliz unterstützt, eine kleine Schwester, die von Granatsplittern am Kopf verletzt wurde und im Krankenhaus liegt, später als Teenager eigene, rebellische Wege geht, und einen Vater, der seine Kontakte spielen lässt, um seine Familie aus dem Land zu bringen.
Das alles machte es mir etwas schwer, mich wirklich angesprochen zu fühlen. Trotzdem habe ich das Gedankenexperiment gerne mitgemacht und hatte hin und wieder dennoch Gänsehaut bei der Vorstellung »was wäre, wenn«.

Das Ende des Ganzen bleibt offen. Es wird nicht festgelegt, ob man jemals wieder in sein Heimatland zurückkehrt oder nicht.
Viel mehr stellt sich die Frage, ob es überhaupt noch eine Heimat gibt …
Fazit
Ein interessantes und kurzweiliges Gedankenexperiment, das durchaus zum Nachdenken anregt, wenn man sich darauf einlässt. Auch das Nachwort der Autorin ist lesenswert.

6 Kommentare

  1. Ja, fand ich auch. Vor allem, dass es einfach mal keine eigene Geschichte erzählt, sondern den Leser mehr oder weniger mit einspannt. Schade, dass es so kurz ist. Hier und da hätte ich mir ein paar Sätze mehr gewünscht. Aber gut, so denkt man eben hinterher länger darüber nach. 🙂

  2. Das stimmt. Manchmal dachte ich auch, dass es gerne ausführlicher sein dürfte. Aber die vielen unausgesprochenen Dinge gehören bei dem Buch einfach dazu. Ich glaube, wäre es anders geschrieben, würde man nicht so stark darüber nachdenken und sich nicht so sehr in die Geschichte hineinversetzen.

  3. Stimmt. Außerdem hätte bei einem umfangreicheren Buch die Aufmachung mit dem Pass wahrscheinlich nicht mehr so gut gewirkt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.