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[REZENSION] Regina Dürig: »Katertag oder Was sagt der Knopf bei Nacht?«


Regina Dürig
Katertag
Oder: Was sagt der Knopf bei Nacht?

Chicken House
1. Auflage, September 2011
EPUB
Seiten: 112
ISBN: 978-3-646-92242-4

Inhalt

»Ich will, dass du weißt, was ich vergessen muss. Damit alles wieder gut werden kann, oder zumindest mal normal. Ich bin mir nicht sicher, ob das geht. Aber wenn es einen Weg gibt, dann nur diesen hier.«

Nicos Vater ist alkoholabhängig. Über Jahre hinweg hat er damit langsam aber sicher die Familie an den Rand des Abgrunds getrieben, bis es schließlich zu viel war. Jetzt endlich macht er einen Entzug. Und Nicolas beginnt zu schreiben.
Er schreibt seinem Vater einen Brief. Über die vergangenen Monate, in denen er und seine Schwester den Vater nur noch »den Eunk« nannten, weil er nicht mehr er selbst war. Über die vielen kleinen und großen Vorfälle, die seine Familie beinahe zerstört hätten. Nico schreibt alles auf, was er denkt und fühlt und was er vergessen will. Er schreibt, damit sein Vater dieses Mal wirklich versteht.
Meine Meinung
Dieses Buch fiel mir zufällig auf der Internetseite von Chickenhouse auf, als ich nach anderen Büchern suchte. Der Titel und die Inhaltsangabe sprachen mich an und so kaufte ich mir spontan das E-Book.
Da das Buch sehr dünn ist, hatte ich es dann auch innerhalb von zwei Stunden ausgelesen.

Erzählt wird die Geschichte von Nico in Form eines Briefes an seinen Vater, der inzwischen in einer Entzugsklinik weilt. Nico will ihn nicht besuchen, denn so leicht kann er ihm nicht verzeihen, was er alles zerstört hat. Und das ist ziemlich viel.
Als Leser wird man direkt in die Situation hineingeworfen und auf den ersten Seiten fällt es schwer, alles zu verstehen, denn der Anfang des Briefes ist eine allgemeine Einleitung an den Vater und erst danach folgt der große Rückblick, der erklärt, was genau in der Vergangenheit alles passiert ist.

Dabei erzählt Nico immer in kurzen Abschnitten, kurze Episoden aus seiner Erinnerung. Er erzählt von seiner Mutter, die er Mim nennt und die zunächst die Augen vor der Alkoholsucht ihres Mannes verschließt. Vom Vater selbst, der jeden Hilfsversuch als Angriff und Beleidigung auffasst. Und auch von seiner zwei Jahre jüngeren Schwester Sasa, mit der er sich gemeinsam Gedanken um die Eltern macht.
Sprachlich ist das Buch leider wenig überzeugend. Nico wechselt in seiner Erzählung immer zwischen Präsens und Perfekt, obwohl alle Szenen in der Vergangenheit liegen, was mich anfangs verwirrte. Außerdem wirkt der Brief teilweise so, als würde der Vater seine eigene Vergangenheit nicht kennen, was ich etwas unlogisch fand.
So blieb die Geschichte die ganze Zeit über zu oberflächlich, um mich wirklich berühren zu können. Es fehlt an Tiefe und Gefühl, die auf so wenigen Seiten einfach nicht aufkommen können.

Das Ende fand ich recht gut gelöst, denn es ist ein Antwortbrief des Vaters an Nicolas, sodass man als Leser nicht nur den egoistischen Säufer kennenlernt, sondern auch den einsichtigen, reuevollen Vater, der seine Kinder liebt und für seine Familie den Weg zurück in ein normales Leben finden möchte. Auf sehr emotionale und rührende Weise schildert er, wie er selbst diese Zeit erlebt hat bzw. eher nicht erlebt hat.
Die Frage, wie es zu seiner Alkoholabhängigkeit kam, bleibt allerdings offen.
Fazit
»Katertag« ist ein Buch, das betroffen macht. Ein Buch, das aufwühlen kann, wenn man sich darauf einlässt. Aber es ist auch ein Buch, das viel zu kurz ist, um seiner Geschichte wirklich gerecht werden zu können.

4 Kommentare

  1. Solange die Bücher in meinem Zimmer sind und ich weiß, sie sind da, sind sie auch in einer Truhe gut aufgehoben. Da ich noch bei meinen Eltern wohne, ist mein altes Kindeszimmer von meiner kleinen Schwester besetzt worden 😀 Ich freue mich auch schon auf die eigene Wohnung, wenn alle Wände voller Bücher sind 😀

  2. Alle Wände mit Büchern voll … so weit würde ich nicht gehen, glaube ich. Ich bin da sehr freiheitsliebend.
    Aber eine Wand. Mindestens. 😛

  3. Mir war's auch zu kurz – konnte einfach nicht richtig berühren, nicht richtig mitreißen. Es wirkt auch sehr, als wär's eher etwas für Jüngere, finde ich…Gut auf den Punkt gebracht! 🙂

  4. Genau so hab ich es auch empfunden. Auf ein Alter würde ich mich nicht unbedingt festlegen wollen. Ich denke, das Thema ist für alle Altersgruppen relevant. Aber es ist einfach viel zu kurz, um wirklich zu Herzen zu gehen.

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