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[REZENSION] Markus Zusak: »Die Bücherdiebin«


Markus Zusak
Die Bücherdiebin

Originaltitel: The Book Thief
Random House
1. Auflage, Dezember 2008
EPUB
Seiten: 592
ISBN: 978-3-89480-427-5

Inhalt
Molching bei München: Hans und Rosa Hubermann nehmen die kleine Liesel Meminger bei sich auf – für eine bescheidene Beihilfe, die ihnen die Kriegsjahre kaum erträglicher macht. Für Liesel jedoch bricht eine Zeit voller Hoffnung, voll schieren Glücks an – in dem Augenblick, als sie zu stehlen beginnt. Anfangs ist es nur ein Buch, das im Schnee liegen geblieben ist. Dann eines, das sie aus dem Feuer rettet. Schließlich Äpfel, Kartoffeln und Zwiebeln. Das Herz von Rudi. Die Herzen von Hans und Rosa Hubermann. Das Herz von Max. Und das des Todes. Denn selbst der Tod hat ein Herz.
Meine Meinung
»Die Bücherdiebin« ist eines der Bücher, die ich schon lange lesen wollte, die sich mir in der Buchhandlung aber nie so aufdrängten, dass ich sie mitgenommen hätte. Aber als ich neues Lesefutter für meinen E-Reader suchte, wanderte das E-Book dann endlich in den Einkaufskorb.

Das erste, was an dem Buch auffällt, ist die besondere Erzählweise. Denn erzählt wird das Buch von niemand anderem als vom Tod höchstpersönlich. Der Erzähler ist dabei aber weder kalt noch herzlos, wie man vielleicht vermuten würde, im Gegenteil. Die Figur des Todes war mir von Anfang an sehr sympathisch mit ihrem ruhigen, gefühlvollen Stil und der teilweise einfachen, teilweise bildhaft-poetischen Sprache, die mir sehr gut gefiel.

unlesbare Seitenenden im E-Book

Auch die Gestaltung des Buches ist außergewöhnlich. Immer wieder finden sich kleine Absätze, Überschriften, Zeichnungen und andere Verzierungen, die im E-Book leider nicht so gut zur Geltung kommen wie im gedruckten Buch. Allgemein war ich bei diesem Buch von der E-Book-Ausgabe ziemlich enttäuscht. Die Originalschriftgröße war winzig, was ja normalerweise beim E-Reader kein Problem ist. Aber als ich die Schriftgröße veränderte, verrutschte auch das Layout des Buches, sodass die eigentlich sehr hübsche Gestaltung ins genaue Gegenteil umschlägt. Und das Auge liest ja bekanntlich mit …
Am schlimmsten war allerdings, dass manche Seiten des Buches tatsächlich nicht vollständig lesbar sind! Es handelt sich dabei um Bilder, die aber auch eine Art Handschrift enthalten. Die Schrift war erstens winzig, da sich die Bilder auf dem Reader nur schlecht vergrößern ließen. Außerdem passen die Bilder nicht ganz auf die Reader-Seite, sodass am unteren Ende immer ein Stück fehlt und nur halbe Zeilen erkennbar sind.
Deshalb für alle E-Book-Fans: Hier doch lieber zum gedruckten Buch greifen.

Die Geschichte selbst konnte mich aber trotz des eingeschränkten Lesevergnügens überzeugen.
Das Buch beginnt mit einer Einführung, in der sich der Tod zunächst vorstellt und ein wenig über sich und seine Arbeit berichtet. Schließlich beginnt er, die Geschichte von Liesel Meminger zu erzählen.
Dieser Anfang wirkte auf mich zunächst etwas wirr und ohne Zusammenhang, doch nach und nach erfährt man, was den Tod dazu bewogen hat, ausgerechnet diese Geschichte von ausgerechnet diesem einen Menschen wiederzugeben.
Überhaupt ist der Erzählstil gewöhnungsbedürftig, denn der Tod geht nicht chronologisch vor. Immer wieder wirft er Anmerkungen ein, greift der Geschichte vor und blickt dann wieder auf vergangene Ereignisse zurück. Wer das nicht mag, wird wenig Freude mit dem Buch haben.

Ich habe recht lange zum Durchlesen des Buches gebraucht. Zum einen natürlich, weil es mit 600 Seiten recht dick ist, zum anderen auch, weil es für mich kein Buch war, das ich einfach so am Stück lesen konnte. Die Geschichte um Liesel berührt und macht nachdenklich. Schon zu Beginn meint es das Schicksal nicht gut mit ihr, denn gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder soll sie in eine Pflegefamilie kommen, die in den schweren Zeiten der ersten Kriegsjahre besser für die Kinder sorgen kann als die eigene Mutter. Doch Liesels Bruder soll dort niemals ankommen. Fortan verfolgt er Liesel nicht nur in ihren Albträumen, sondern beschert ihr auch ihr erstes Buch, welches dem Totengräber aus der Tasche fällt und von ihr kurzerhand eingesteckt wird. So wird sie zum ersten Mal zur Bücherdiebin.
Das Buch hütet die kleine Liesel wie einen Schatz – und das, obwohl sie es gar nicht lesen kann.
In der Himmelstraße in Molching – ihrem neuen Zuhause – angekommen, begegnet Liesel vielen mehr oder weniger sympathischen Charakteren. Zum Beispiel der alten Frau Holzinger, die jeden Morgen gegen das Tor der Hubermanns spuckt. Der Jude Max, der ihr mehr als nur seine Geschichte schenkt. Oder auch Rudi Steiner, der ihr bald zum besten Freund wird und bis zum Schluss sehnsüchtig auf einen Kuss von Liesel wartet. Und natürlich sind da auch noch Liesels Pflegeeltern: Hans Hubermann, der große, sensible und gefühlvolle Akkordeonspieler, der Liesel geduldig im »Mitternachtsunterricht« das Lesen beibringt, sowie seine kratzbürstige, grobe Frau Rosa, für die »Saumensch« so etwas wie ein Kosename ist, die im Grunde aber doch ein sehr gutes Herz hat.
Am Ende waren mir diese Nebenfiguren fast schon lieber als die Bücherdiebin selbst.

Die Handlung plätschert die meiste Zeit so dahin. Man erlebt Liesels Alltag und ihre verschiedenen Diebeszüge mit Rudi. Man hört den Tod von den Wirren des zweiten Weltkrieges erzählen und davon, wie er langsam aber sicher auf Molching zurückt. Das ist die eigentliche Spannung des Buches – man weiß genau, dass es zur Katastrophe kommen wird. Man weiß nur noch nicht wann und wie.
So ist das Ende trotz aller vorgegriffenen Hinweise des Erzählers ein Paukenschlag, mit dem man zwar gerechnet hat, bei dem man aber trotzdem zusammenzuckt, wenn er dann endlich kommt.
Fazit
Eine berührende Geschichte, erzählt vom Tod, über ein Mädchen, das sich ihm immer wieder entzieht, und ein Buch, das trotz des bekannten Endes nicht langweilig wird.

15 Kommentare

    • Ah, du hast es auch als E-Book gelesen? Sah das denn bei dir auch so unschön aus wie auf meinem Reader?

  1. Ach, ich freu mich ja immer wieder, wenn auch anderen Lesern die "Bücherdiebin" gefällt! *seufz* Die Formatierung im ebook sieht wirklich fies aus und dabei ist gerade das Kapitel von Max sooo schön :-/ Aber vielleicht kaufts du dir irgendwann einfach das "richtige" Buch 😉
    Lieben Gruß vom Saumensch!

    • Auf deinen Kommentar habe ich ja schon sehnsüchtig gewartet. 😉
      Ja, gerade das Kapitel mit der Geschichte von Max fand ich so schön – und dann versauen sie die Seiten im E-Book so! :/

      Das "richtige" Buch (Das sage ich auch immer. :D) werde ich mir so schnell wohl nicht kaufen. Dafür ist meine Wunschliste viel zu lang und das Studentenbudget zu klein. 😉

    • Die Rezi war ja auch wie für mich gemacht 🙂

      Lustig, dass ebooks für uns keine "richtigen" Bücher sind, dabei steht doch genau dasselbe drin 🙂 (naja, meistens jedenfalls, dieses Buch beweist ja eher das Gegenteil…)

      Hätte das Buch eigentlich fünf Eier bekommen, wenn die Ausgabe nicht so "vergurkt" gewesen wäre oder hast du das nicht in deine Bewertung einfließen lassen?

    • Das "wie" kannst du aus dem ersten Satz ja fast schon streichen. 😉

      Ja, E-Books fühlen sich für mich immer noch nicht wie "richtige" Bücher an. Obwohl ich sie schon sehr gern habe, gerade was den Platzbedarf angeht. 😉 Aber es ist eben doch etwas anderes als ein gedrucktes Buch.

      Die Wertung bezieht sich nur auf die Geschichte selbst, also nicht auf die Gestaltung des E-Books – hätte ich das gedruckte Buch gelesen, hätte es den Kritikpunkt ja nicht gegeben. 😉
      Fünf Eier hat das Buch deshalb nicht bekommen, weil es mir zeitweise etwas zäh vorkam und weil es vom allgemeinen Gefühl nach dem Lesen nicht ganz mit den Fünf-Eier-Büchern mithalten konnte. ("Vergurkt" ist übrigens mein Wort des Tages. :D)

    • Hehe, ich wurde rezensiert 🙂

      Ahh, verstehe. Hatte mir schon gedacht, dass es den Punktabzug nicht für die ebook-Version gegeben hast, aber da du ja irgendwie auch das ebook rezensiert hast, war ich mir da nicht ganz sicher.

      "vergurkt" ist ein Wort, das viel mehr in den deutschen Sprachgebrauch aufgenommen werden sollte, finde ich 😛

    • In der Rezension steht bei mir immer alles drin, was mir zum Buch gerade einfiel. Die Eier-Wertung bezieht sich aber im Normalfall nicht auf "technische Schwierigkeiten". Die Gestaltung selbst gab aber Pluspunkte, auch wenn sie im E-Book nicht wirklich zur Geltung kommt. 😉

      "Vergurkt" sollte definitiv zum Standardsprachgebrauch gehören. Ich bin dafür! 😀

  2. Die Bücherdiebin liegt noch bei mir auf dem Sub. Mal schauen, wann ich es lese. Deine Rezi klingt ja vielversprechend. Schöner blog übrigens, villeicht magst du ja auch mal bei mir vorbeischauen 😉

    LG Sophie

    • Hallo Sophie!

      Freut mich, dass dir mein Blog gefällt. Ich hab auch gleich mal bei dir vorbeigeschaut. Hübsch hast du's. 🙂
      Das Buch solltest du übrigens nicht auf dem SuB versauern lassen. Dazu ist es viel zu schade. 😉

  3. Anonym sagt

    Dieses Buch ist einfach der Wahnsinn!!!!

    Als ich es zum ersten mal in der Hand gehabt hatte, traute ich der Buchbeschreibung auf der Rückseite nicht ganz (hab es also nicht über E-Book gelesen) doch schon nach der zweiten Seite war mir klar das mich dieses Buch nicht mehr verlassen würde. So war es dann auch 🙂 Ich hab dieses Buch innerhalb von 4 Tagen durchgelesen und hätte es danach fast wieder von vorne angefangen.

    Es ist mal etwas ganz anderes wenn es aus der Sicht eines solchen furchteinflößenden Erzählers geschrieben ist, dem Tod höchstpersönlich…
    Vor allem die letzten zwei Kapitel haben mich sehr berührt. (Ich musste gleich heulen so tief getroffen hatte mich dieses Buch).

    Kein Buch hat mich seit jeher wieder so ins Grübeln gebracht wie dieses. Ich hoffe nur das man dieses Buch auch noch in tausenden von Jahren noch lesen wird…. (vielleicht ja dann acuh auf dem E-Book)

    Liebe Grüße Katie

    • Hallo Katie!

      Na da scheint ja jemand ein begeisterter Fan der Bücherdiebin zu sein. 🙂
      Mich hat es ja nicht ganz so sehr gefesselt, aber ich fand es trotzdem gut. Gerade die letzten Kapitel sind wirklich sehr berührend, da hast du recht. An der Stelle musste ich auch ein paar Tränen herunterschlucken.

      Sollte man das Buch in tausend Jahren wirklich noch als E-Book lesen, dann will ich aber hoffen, dass das E-Book bis dahin besser zu lesen ist. 😉

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