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[REZENSION] Antje Babendererde: »Indigosommer«


Antje Babendererde
Indigosommer

Arena
1. Auflage, Juli 2009
Broschiert
Seiten: 355
ISBN: 978-3-401-06335-5

Inhalt
Gemeinsam mit ihren Gastgeschwistern und deren Surferclique verbringt die fünfzehnjährige Austauschschülerin Smilla ein paar Wochen an einem einsamen Strand am Pazifik. La Push, das ist für die junge Deutsche das Paradies. Ein Ort voller Schönheit und Magie.
Doch warum begegnen die einheimischen Quileute-Indianer den Jugendlichen so feindselig? Und was wissen die Jungs der Clique, die bereits im Sommer zuvor im Indianerreservat gezeltet haben?
Als sich Smilla eines Tages allein aufs Meer hinauswagt und von Conrad, einem Einheimischen, in letzter Minute vor dem Ertrinken gerettet wird, kippt die Stimmung. Smilla verliebt sich in den schwer durchschaubaren Jungen, was der Clique ganz und gar nicht gefällt. Die Situation spitzt sich zu, bis Smilla und die anderen schließlich auf tragische Weise erfahren müssen, was letzten Sommer an diesem Strand geschehen ist.
Meine Meinung
Nachdem ich bereits zu Buchhändlerzeiten eine Leseprobe des Romans in einem Arena-Heftchen gelesen und für gut befunden hatte, interessierte mich natürlich auch der Rest. Dazu muss gesagt sein, dass die Leseprobe nur die Rettungsaktion aus dem Meer umfasste und eine ziemlich spannende, aber auch unterhaltsame und emotionale Geschichte versprach.

Am Anfang des Romans erfährt man zunächst, warum Smilla ein Jahr als Austauschschülerin in Seattle verbringt und dass sie ihre Gastfamilie bereits aus Deutschland kennt. Besonders ihr Gastbruder Alec hat es ihr angetan, denn bei ihrer ersten Begegnung verliebte sich die kleine Smilla unsterblich in ihn. Auch bei ihrer Ankunft in Amerika hat sich daran nichts geändert, doch Smilla spürt, dass sie keine Chance bei ihm hat. Stattdessen scheint sein bester Freund Josh sehr an der jungen Deutschen interessiert zu sein. Er ist es auch, der Alec dazu überredet, Smilla auf die Surftour nach La Push mitzunehmen, obwohl sie noch nie auf einem Surfbrett gestanden hat.
So lernt Smilla die Surferclique kennen, die aus sieben völlig verschiedenen Charakteren besteht, von denen Smilla mit Abstand die Jüngste ist.
Neben Alec und seiner Schwester Janice gibt es da vor allem Brandee, Alecs Freundin. Sie ist eine echte Schönheit und ein Partygirl, das gern im Mittelpunkt steht. Sie weiß um ihre weiblichen Reize und auch Alkohol und Drogen sind ihr nicht fremd.
Laura mit den roten Korkenzieherlocken ist ruhiger und eifersüchtig auf Smilla, denn der draufgängerische Josh scheint nur Augen für sie zu haben.
Profisurfer Mark hält sich lieber im Hintergrund. Er ist ruhig und diplomatisch und behält auch dann einen klaren Kopf, wenn sich die anderen wieder einmal mit den einheimischen Jugendlichen anlegen.
So weit, so unspannend. Zwar versprechen die unterschiedlichen Charaktere eine turbulente Zeit in La Push, doch noch passiert nicht viel, sodass sich der Roman anfangs stellenweise ein wenig zieht.

Spannender wird es erst, als Smilla von Conrad aus dem Meer gerettet wird. Da die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Smilla und Conrad erzählt wird, bekommt man die Gedanken von beiden mit, oft auch zu denselben Situationen, was von der Autorin sehr geschickt gelöst wurde.
Etwas verwirrt hat mich hier der Zeitformwechsel. Smillas Kapitel werden von ihr selbst in der Vergangenheit erzählt, während Conrads Teil in der dritten Person und im Präsens geschrieben ist. Das fand ich zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, zumal ich den Grund nicht ganz durchschaut habe.

Als Leser erfährt man recht schnell, dass Conrads Zwillingsbruder letzten Sommer starb und dass Conrad den Surfern – allen voran Josh – die Schuld daran gibt. Damit ist das Geheimnis um den letzten Sommer eigentlich schon am Anfang kein Geheimnis mehr, doch entgegen meines ersten Eindrucks tut es der Spannung keinen Abbruch. Schließlich möchte man nun umso mehr wissen, wie das Unglück geschah und was ausgerechnet der sympathische Josh damit zu tun hat.
Smillas Rettung stürzt Conrad in einen tiefen Konflikt mit sich selbst, denn seit dem Tod seines Bruders hasst er die weißen Surferkids, die den Strand der Quileute-Indianer belagern. Doch Smilla ist anders, zu ihr fühlt er sich auf unerklärliche Weise hingezogen. Sie fasziniert ihn und weckt den kühlen, undurchschaubaren Jungen aus der inneren Starre, in die er mit dem Tod seines Bruders verfiel.
Zunächst halten die beiden ihre Liebe geheim, doch es dauert nicht lange, bis Smillas Clique und auch Conrads Freund Milo davon erfahren. Auf Smillas Geburtstagsparty eskaliert die Situation und was als lustiger Surfausflug geplant war, endet plötzlich tragisch.

Die zweite Hälfte des Romans hat mich letztendlich begeistern können. Die Spannung steigert sich zusehends, sodass ich das Buch nicht mehr weglegen wollte.
Die Beziehung zwischen Smilla und Conrad wird geheimnisvoll und emotional beschrieben, während der Höhepunkt Gänsehaut bereitet und ein mulmiges Gefühl hinterlässt.
Dazu kommen Smilla als liebenswerte Hauptfigur und der Schreibstil der Autorin, der zwar einfach, aber sehr ansprechend ist und den Leser sehr schnell in die Welt der Quileute-Indianer eintauchen lässt. Die ganze Zeit hatte ich ein lebhaftes Bild der Umgebung vor Augen, sodass ich umso mehr mitfühlen und mitfiebern konnte, was mir beim Lesen sehr wichtig ist.
Fazit
Insgesamt ist »Indigosommer« ein sehr gefühlvoller Roman, der die meiste Zeit eher ruhig daherkommt. Trotzdem enthält die Geschichte eine gute Portion Spannung, die mich ab der Hälfte nicht mehr loslassen wollte.
Auf jeden Fall lesenswert, wenn man das Buch nicht zu früh aus der Hand legt.

2 Kommentare

  1. Wollt grad sagen, so richtig frisch ist die Rezension doch nicht mehr. 😉 Das Buch hast du ja schon vor 'ner ganzen Weile gelesen.

    • Ja, das ist jetzt so ziemlich ein Jahr her. Gespeicherte Blogposts haben die blöde Angewohnheit, zwischen anderen gespeicherten Blogposts zu verschwinden, bis man sie dann eine Ewigkeit später wieder ausgräbt. 😉

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