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[REZENSION] Sara Gruen: »Wasser für die Elefanten«


Sara Gruen
Wasser für die Elefanten

Rowohlt
1. Auflage, 2011
EPUB
Seiten: 400
ISBN: 978-3-8321-8565-8

Inhalt
Amerika 1931: Die Wirtschaftskrise hat das Land fest im Griff. Der junge Jacob Jankowski steht von heute auf morgen vor dem Scherbenhaufen seines bisherigen Lebens und will nur noch eins: davor fliehen und irgendwo neu beginnen. Kurzerhand springt er auf einen fahrenden Zug – und landet bei Benzinis spektakulärster Show der Welt, einem Eisenbahnzirkus.
Jacob ist glücklich, als ihm ein Job als Tierarzt angeboten wird, auch wenn es ein eher bescheidener Zirkus ist – Jacob muss in einem Ziegenverschlag im Pferdewagen schlafen und es gibt nicht einmal einen Elefanten. Dafür eine wunderschöne Kunstreiterin. Doch Marlena ist verheiratet und das ausgerechnet mit dem wahnsinnigen Dompteur August, der Jacobs Vorgesetzter ist.
Irgendwann findet sich dann doch noch eine, wenn auch sehr eigensinnige Elefantendame. Keiner kann mit Rosie umgehen – bis Jacob ihr Geheimnis enthüllt. Und als sich gerade alles zum Guten zu wenden scheint, nimmt eine Tragödie ihren Lauf.
Meine Meinung
Um dieses Buch bin ich wirklich lange herumgeschlichen, bis ich mir schließlich das E-Book gekauft habe. Die Geschichte klang interessant, aber so richtig sicher war ich mir nicht, ob das Buch denn etwas für mich sein würde. Und so schlich ich wieder lange um die Datei auf meinem Reader herum, bis ich endlich dazu griff, weil kein anderes ungelesenes E-Book mehr übrig war.
Mein erster Gedanke: Na ja, das Buch ist bestimmt nicht allzu spannend. Wahrscheinlich ist es eines der Bücher, für die ich ewig brauche.
Nun, was soll ich sagen? – Selten habe ich mich so in einem Buch getäuscht. Tatsächlich reichten dann schon die ersten paar Zeilen (!), um mich vom Gegenteil zu überzeugen.

Jacob Jankowski ist zwischen 90 und 93 Jahre alt – so genau weiß er das nicht mehr, aber was machen schon drei Jahre aus, wenn man so alt geworden ist – und muss seinen Lebensabend in einem Pflegeheim verbringen, da ihn nach dem Tod seiner Frau keins seiner fünf Kinder aufnehmen konnte (oder wollte). Der alte Mann, im Kopf noch fit wie ein Turnschuh (zumindest meistens), langweilt sich schrecklich und auch die abwechselnden Besuche seiner Angehörigen trösten darüber wenig hinweg.
Doch plötzlich kommt ein wenig Leben in den langweiligen Heimalltag: In der Nachbarschaft baut ein Zirkus seine Zelte auf!
Das weckt Erinnerungen. Denn Jacob hat als junger Mann selbst sieben Jahre beim Zirkus gearbeitet und will die Vorstellung am Wochenende natürlich unbedingt besuchen.

Während Jacob dem großen Tag entgegenfiebert, erzählt er dem Leser seine Geschichte, hin und wieder unterbrochen durch kleine Episoden aus der Gegenwart.
Beide Teile haben mich auf ihre Art begeistern können. Denn während Jacobs Alltag im Pflegeheim meist für ein Schmunzeln sorgt, ist seine Vergangenheit bei Benzinis spektakulärster Show der Welt teilweise recht düster und von Gewalt geprägt. Die Zirkusgeschichte alleine hätte auch ein gutes Buch abgegeben, doch so trifft die Autorin genau die richtige Mischung aus beiden Welten, die das Buch so faszinierend macht.

Der Erzählstil ist dabei sehr ansprechend und liest sich locker weg, weshalb ich das Buch sehr schnell ausgelesen hatte. Ein weiterer Grund dafür war auch die Spannung, die hier eher unterschwellig mitschwingt. Man spürt die Katastrophe lange bevor sie da ist, was nicht zuletzt daran liegt, dass der Handlungsbogen genial über die Geschichte gespannt wurde. Die letzte Szene – die große Katastrophe – wird bereits ganz am Anfang einmal erzählt. Und zwar so, dass man zwar mitbekommt, was passiert, aber ohne die Namen der beteiligten Personen zu kennen. So kann man sich im Laufe der Geschichte manche Dinge zwar schon zusammenreimen, doch als ich am Ende die gleiche Szene wiederfand, war ich trotzdem überrascht – ich hatte die falschen Schlüsse gezogen. 😉

Die verschiedenen Charaktere sind überzeugend und gut gezeichnet. Vor allem mit Marlena und Jacob leidet man mit und auch Kinko, der Clown, und sein Hund Queenie sowie Elefant Rosie wachsen beim Lesen sehr schnell ans Herz. Dabei lässt die Autorin eine längst vergangene Welt so lebendig wieder auferstehen, als wäre man selbst mittendrin.
Übrigens lässt sich auch die E-Book-Ausgabe sehr angenehm lesen, was ja erfahrungsgemäß nicht selbstverständlich ist.

Beide Geschichten – Jacobs Vergangenheit sowie die Gegenwart – haben mich berührt und besonders das Ende des Buches hat mir ein wehmütiges Lächeln entlockt.
Einziges Manko: die polnischen Wörter und Sätze, die ohne Übersetzung im Buch vorkommen. Man kann sich zwar aus dem Kontext erklären, was gesprochen wird, aber ich hätte beim Lesen doch gern jedes Wort verstanden. Hat aber das Lesevergnügen nicht getrübt und ist deshalb zu vernachlässigen.
Fazit
Eine Geschichte, die ruhig und dennoch spannend ist, mit Humor und Ernst, die berührt und mitreißt. Eine klare Empfehlung von mir!

6 Kommentare

  1. Ich hatte schon einmal davon gehört und mir überlegt, ob ich es lesen soll – weil ich mir auch nicht so sicher war, ob es was für mich ist.
    Nach deiner Rezi bin ich jetzt schon sehr gespannt darauf und werde in den Bibliotheken mal Ausschau danach halten (:

    • Bibliotheken sind bei so was immer eine gute Wahl. Wenn dir das Buch am Ende doch nicht passt, kannst du es immer noch zur Seite legen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, weil du so viel Geld für das Buch ausgegeben hast. 😉

  2. Hallöchen
    ich habe zwar das Buch nicht gelesen, aber den Film gesehen. Ich fand den schon ganz toll. Jetzt weiß ich nicht ob ich vielleicht das Buch auch noch lesen sollte. Wo ich schon mal hier bin: folge dir!
    LG Cornelia

    • Dann erstmal herzlich willkommen auf meinem Blog! 🙂
      Den Film habe ich leider immer noch nicht gesehen, aber das Buch ist auf jeden Fall empfehlenswert.

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