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[REZENSION] John Friedmann: »Flaschendrehen Furioso«


John Friedmann
Flaschendrehen Furioso

Droemer Knaur
1. Auflage, 2012
EPUB
Seiten: 288
ISBN: 978-3-426-41378-4

Inhalt
Was passiert, wenn eine Ferienvilla in der Toskana mehrfach vermietet wurde? Genau: Drei Paare und eine Singlefrau pochen auf ihre Verträge und bilden – aus Sturheit – eine Ferien-WG.
Keiner kann den anderen ausstehen. Doch als in der Villa ein Schatz in Form von kleinen Scheinen auftaucht, sitzen plötzlich alle im selben Boot.
Genießer Carlo, der es versteht, aus jeder Situation das Beste zu machen, zaubert eines Abends ein wunderbares Menü auf den Tisch – und kurz darauf spielen die sieben ausgerechnet Flaschendrehen. Mit ungeahnten Folgen, denn dabei kommen so einige Wahrheiten ans Licht.
Meine Meinung
Biblische Unwetter, eine seltsame Zusammenkunft, Beziehungschaos, eine unheilbare Krankheit und eine ganze Menge Geld – so ließe sich der Inhalt von »Flaschendrehen Furioso« zusammenfassen.
Auf das Buch wurde ich auf Lovelybooks aufmerksam und weil der Klappentext ganz unterhaltsam klang, wanderte das E-Book auch recht schnell von der Wunschliste auf den E-Reader. Die Geschichte klingt nach einem amüsanten Schmöker für die Urlaubszeit und von einem Autor wie John Friedmann (alias »Erkan« von Erkan und Stefan) erwartet man zumindest eine gehörige Portion Humor.
Nun, amüsant waren vor allem die Schreibfehler. Das Buch konnte mich allerdings nicht so richtig begeistern.

Die Geschichte beginnt auf der Autobahn, denn schließlich sind die sieben Hauptpersonen gerade auf dem Weg in den wohlverdienten Urlaub. Zum Einen ist da der gemütliche Münchner Teddybär Carlo, der leidenschaftlich gern kocht und den alten Wagen seines verstorbenen Vaters hegt wie seinen Augapfel. Bei ihm seine Freundin Anna, die erfolgreiche Wirtschaftsanwältin, der Carlo in der Toskana endlich einen Heiratsantrag machen will. Was Carlo noch nicht weiß: Anna plant, sich wegen besserer Aussichten im Job von ihm zu trennen und nach London zu ziehen.
Mit im Auto sitzt außerdem Carlos Schwester Elli, die verträumte Architektin, gerade frisch getrennt von Mann, Job und sämtlichen Diäten und auf der Suche nach Abstand und Neuanfang.
Außerdem sind da noch der hitzköpfige Versicherungsvertreter Heiko, der sich von seinem Urlaub in der Toskana ein heißes Liebesabenteuer verspricht – die kleinen blauen Pillen im Reisegepäck verschweigt er seiner Angebeteten Sandra aber lieber. Denn Sandra, das hübsche blonde Dummchen, ist ihm hoffnungslos verfallen – glaubt Heiko.
Zu guter Letzt wären da noch Lutz und Tina aus dem hippen Kreuzberg in ihrem klapprigen VW-Bus. Er, sonnenscheuer Dauerstudent und Verschwörungstheoretiker. Sie, die aufgedrehte Geschäftsfrau mit der Kurzhaarfrisur, die gerade ihren eigenen Indienshop übernommen hat.

Die Geschichte an sich ist eigentlich recht amüsant. Die sieben Protagonisten treffen sich in ihrer Ferienvilla, stellen fest, dass sie vom Vermieter offensichtlich betrogen wurden und beharren alle gleichermaßen stur auf ihren Verträgen, sodass sie die nächsten Tage gemeinsam in der Villa verbringen. Genug Platz ist ja vorhanden. Nur die Mitbewohner sind etwas störend.
Danach wird die Geschichte aber zunehmend unrealistisch und ein wenig albern. Nicht nur, dass unter dem Wohnzimmerfußboden ein Sack voll Geld versteckt ist, über den die sieben ganz zufällig stolpern – plötzlich steht nach einer ziemlich wilden Nacht auch noch der echte Besitzer der Villa vor der Tür und es stellt sich heraus, dass ihn und die Bewohner mehr verbindet, als nur ein paar falsche Mietverträge. Und plötzlich arbeiten alle Hand in Hand.
Alles in allem eine nette Story für zwischendurch ohne großartige Spannung.

Was mich allerdings wirklich gar nicht überzeugen konnte, war der Schreibstil. Die ewigen Beschreibungen empfand ich als sehr langatmig und gestelzt, zumal sie vor Adjektiven überquellen. Zu den teilweise vulgären und sehr einfach gestrickten Dialogen will das nicht so recht passen. Die sprunghaften Themenwechsel machten auf mich außerdem den Eindruck, als hätte sich der Autor in seinen Gedanken hin und wieder vergaloppiert und dann keine rechte Überleitung mehr gefunden zu dem, was er eigentlich erzählen wollte.
Dass in der Villa einer den anderen nicht leiden kann, ist ziemlich schnell klar. Vor allem, da die Dialoge zum Großteil aus Beschimpfungen und Beleidungen bestehen, was mich zeitweise nervte. Ebenso wie die Dialekte, die mehr schlecht als recht eingebracht wurden und das auch nicht besonders konsequent. Hier bin ich ja immer der Meinung: ganz oder gar nicht und wer die Dialekte selbst nicht spricht, sollte es lassen.

Letztendlich geht es in dem Buch hauptsächlich um drei Dinge: Drogen, Alkohol und Sex. Und um die einzelnen Beziehungen – denn wirklich glücklich ist keiner der sieben, was dem Leser sehr schnell auffällt, den Protagonisten aber erst nach dem Abend des Flaschendrehens klar wird (das übrigens erst auf Seite 174 stattfindet). Plötzlich ist alles anders. Das, was war, ist nur noch ein Scherbenhaufen und wie es weitergehen soll, weiß niemand. Alte Beziehungen retten oder getrennte Wege gehen? Und wer mit wem? 
Nur eins ist sicher: am Ende geht niemand als der Mensch nach Hause, als der er nach Italien gekommen ist.
Zum E-Book
Das E-Book hat keine besondere Gestaltung und ist gut lesbar, enthält aber, wie oben bereits angemerkt, sehr viele Rechtschreib- und Tippfehler. Für mich definitiv zu viele und ich habe mich zwischendurch ernsthaft gefragt, ob da wirklich ein Lektor drübergelesen hat.
Fazit
Nette Unterhaltung für zwischendurch, die einen darüber nachdenken lässt, ob man selbst wirklich glücklich ist mit seiner Liebes- und Lebenssituation.
Leider wurde durch einen wenig überzeugenden Schreibstil viel Potenzial verschenkt.

13 Kommentare

  1. Schade. Inhaltlich klingt das Buch wirklich interessant, aber wenn der Schreibstil nicht überzeugen kann, dann lasse ich das lieber bleiben.

    LG
    Jai

    • Zumindest mich konnte er nicht überzeugen. Und die Schreibfehler im E-Book haben ihr Übriges getan.
      Ich würde auf jeden Fall empfehlen, eine Leseprobe zu suchen, bevor man das ganze Buch kauft.

  2. Grüß Dich, Moena.
    Möglicherweise wäre viel anders gekommen, hätte der Autor sein Manuskript tollkühn ein zweites Mal gelesen. 🙂

    Ob wir glücklich sind, wissen wir eher rückblickend. Der Gedanke an eine Erinnerung.

    bonté

    • Nochmal lesen?! Wo denkst du hin? 😉

      Na ja, aber man merkt ja auch so, ob man in diesem Moment glücklich ist oder nicht. Nur ob unsere Entscheidungen im Leben immer die richtigen waren, kann man meistens erst im Nachhinein sagen.

    • Anonym sagt

      Um das Buch wurde eine Menge Theater gemacht. Ich habe es dann gelesen und musste feststellen: teilweise unter der Gürtellinie, zuviel Drogen, Sex und Alkohol, zu langatmig. Der Schreiber muss noch viel lernen, wenn er erfolgreich werden möchte. Er spricht allerdings im TV bereits von Verfilmung. Da kann man nur sagen, das würde passen, wenn man bedenkt, welcher Mist heutzutage auf den Sendern läuft.

    • Meine Erfahrungen mit Rosamunde Pilcher halten sich in Grenzen, aber sollte ich bisher auch nur im Entferntesten geplant haben, mich irgendwann einmal damit zu beschäftigen – der Vergleich hat das Vorhaben gerade im Keim erstickt. 😉

  3. Karin sagt

    Nach den Loblieder zu diesem Buch traute ich meinen Augen kaum als ich die ersten Seiten laß. Jemand, der jahrelang fast nur "voll krass eh" von sich gab, aus dem wird nun mal nicht per Fingerschnippen ein anspruchsvoller Autor. Die endlosen Schachtelsätze sind eine Qual, die Aneinanderreihung sinnloser Adjektive wirkt als habe sich der Autor von Büchern mit dem Motto "wie werde ich Bestseller-Autor in 10 Minuten" anleiten lassen. Ein eigener, durchgängiger Schreibstil? Fehlanzeige. Manchmal hatte ich den Eindruck, er verwendet cool klingende Ausdrücke nur um seine arg konstruierte Story aufzupeppen. Hat leider nicht geholfen. Selten so ein unterirdisches Buch gelesen. Bin geschockt, wie ein Verlag sowas auf den Markt bringen kann.

    • Wie ein Verlag auf die Idee kommt, so etwas zu veröffentlichen? Ganz einfach – ein Autor mit einem halbwegs bekannten Namen, der irgendwo immer noch ein paar Fans hat, die er mobilisieren kann … das verspricht, dass sich das Buch ganz gut verkaufen wird. Dass der Mann kein Schreibtalent besitzt, merkt man ja im Idealfall erst nach dem Kauf. 😉

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