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[REZENSION] Jutta Wilke: »Wie ein Flügelschlag«


Jutta Wilke
Wie ein Flügelschlag

Coppenrath Verlag
1. Auflage, 2012
Hardcover
Seiten: 283
ISBN: 978-3-649-60566-9

Vielen Dank an Blogg dein Buch und Coppenrath für die Bereitstellung des Leseexemplars.

Jana hat es nicht leicht im Internat. Als Stipendiatin wird sie von den anderen belächelt und ausgegrenzt, manchmal spielen sie ihr auch ganz besonders übel mit. Den Mädchen sticht vor allem ihre Freundschaft zu Melanie Wieland ins Auge, denn mit der Tochter aus reichem Hause, die jeden Tag in teuren Autos zur Schule gebracht wird, möchte jeder gern befreundet sein.
Doch plötzlich wendet sich das Blatt. Melanie zieht sich zurück und trainiert in jeder freien Minute. Bis sie an einem kalten Wintermorgen tot in der Schwimmhalle aufgefunden wird. Diagnose: Herzversagen. Und alle geben Jana die Schuld!

»Melanie Wieland ist tot. Und ich – habe sie umgebracht.«

Es beginnt eine spannende Spurensuche, denn Jana will einfach nicht glauben, dass die trainierte Sportlerin ein schwaches Herz gehabt haben soll. Doch an wen kann sie sich wenden? Wem kann sie noch vertrauen? Zusammen mit Melanies Bruder Mika forscht sie nach Hinweisen – und stößt dabei auf üble Machenschaften hinter den Internatsmauern, mit denen man als Leser nur zum Teil rechnen kann.

Als Leser erlebt man die Geschichte durch die Augen von Jana, die als Ich-Erzählerin in der Gegenwartsperspektive von ihren Erlebnissen berichtet. Dabei beginnt das Buch direkt mit dem Morgen, an dem Melanies Leiche gefunden wird und springt dann erst einmal drei Wochen zurück, um zu beschreiben, was zuvor zwischen Melanie und Jana passiert war. Nur hin und wieder wird Janas Erzählung durch kurze Abschnitte aus der Sicht einer bis zum Schluss unbekannten Person unterbrochen, die Jana zu beobachten scheint. Vor allem diese Abschnitte, die nie länger als eine Seite sind, machen den Roman immer wieder spannend, da man natürlich wissen will, wer der mysteriöse Beobachter ist. Beim Lesen ging es mir oft so, dass ich eigentlich nur noch schnell ein Kapitel vor dem Schlafengehen lesen wollte und dann das Buch nicht aus der Hand legen konnte.
Neben der Haupthandlung mit dem aufzuklärenden Todesfall werden auch einige weitere Themen im Buch angesprochen, wie etwa Janas depressive Mutter, der Leistungsdruck, der auf den Jugendlichen lastet, Doping, Erpressung und die erste zarte Liebe. Zwar werden einige Themen nur am Rande erwähnt und nicht weiter beleuchtet, doch die Autorin hat dennoch alles stimmig zusammengebracht und damit eine realistische Umgebung für Janas Geschichte geschaffen.

»Und während sich dieser eisige Klumpen in mir ausbreitet, wandert mein Blick zu dem Körper auf dem Hallenboden. Hält sich an den Füßen fest, will nicht über die nackten Beine nach oben wandern, über den schwarzen Schwimmanzug, den flachen Bauch, und wird doch von diesem eisigen Klumpen immer weiter gezogen, über den Brustkorb, der vollkommen bewegungslos ist, bis zu dem Gesicht, das mir zugewandt am Boden liegt, eingerahmt von nassen Locken.
Ein Engel mit gebrochenen Flügeln.«

Der Schreibstil ist dabei recht einfach. Nichts Besonderes, aber authentisch für eine sechzehnjährige Erzählerin. Anfangs störten mich die kurzen Sätze, aber das legte sich zum Glück nach wenigen Seiten. Da die Kapitel außerdem jeweils nur wenige Seiten haben, hatte ich das Buch sehr schnell ausgelesen.


Die Gestaltung des Buches gefällt mir recht gut. Das Cover mit den Schmetterlingen auf blauem Grund und der Titel sind passend zur Geschichte und auch im Inneren findet man die Schmetterlinge an jedem Kapitelanfang wieder. Zwar spielen sie keine so große Rolle im Buch, aber hübsch sind sie trotzdem.

Das Ende des Romans kam für mich relativ unerwartet. Ab einem bestimmten Punkt wusste ich zwar, dass im Internat nicht alles so ist, wie es scheint, aber die letztendliche Auflösung habe ich nicht vorhersehen können. Für mich war das Buch damit spannend bis zum Schluss, auch wenn ich ein Detail der Auflösung dann doch etwas plump rübergebracht fand, aber das ist sicher Geschmackssache.
Fazit
Ein spannender Roman über Freundschaft, Konkurrenz und Liebe, der mich gut unterhalten konnte.

8 Kommentare

  1. Hallo Moena.
    Es sind nicht die schlechtesten Bücher, die uns aufs immer Neue mit den lauernden Geheimnissen des nächsten Kapitels locken.
    Und zum Thema "Leistungssport in der Jugend", oder "Internats-Mechanismen" birgt der Roman ebenso seine Inhalte.
    Ei 5 hat demnach Gründe gut gelaunt zu sein!

    bonté

  2. Hey 😀 Ich tippsel dir grad aus der Uni, also bitte nicht wundern 😀

    Tolle Rezension .. 😀
    Und wunderschönes Foto .smile. 🙂

    PS: Hasz du mein Mail eigentlich bekommen? Oder zickt Hotmail schon wieder rum? ^^

  3. Oh. Das hätte ich echt nicht erwartet. Ich hab dieses Cover schon ein paar Mal aus dem Augenwinkel wahrgenommen, aber nie auch nur den Klappentext gelesen…hätte ich tun sollen. Die Story klingt superspannend und ich hab sowieso eine Schwäche für Internate 😀 Nach deiner Rezi hab ich aber erst richtig Lust auf das Buch bekommen – gut gemacht!

    • Na so soll das sein, das freut mich. 🙂
      Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich das Buch so gut finden würde, aber dann hatte ich es so schnell durchgelesen. Ein sehr schönes Buch für zwischendurch.

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