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[REZENSION] Antonia Michaelis: »Laura und der Silberwolf«


Antonia Michaelis
Laura und der Silberwolf

KeRLE
1. Auflage, 2007
Hardcover
Seiten: 206
ISBN: 978-3-451-70779-7

Inhalt
Durch die schneeweiße Wand ihres Krankenhauszimmers gelangt Laura in das geheimnisvolle Eisland mit den nachtblauen Bergen. Dort trifft sie auf den gleichaltrigen Linusch, der mit seinem riesigen Kater und allerlei merkwürdigen Wesen in einem Iglu lebt. Laura erkennt bald, dass sie im Eisland gebraucht wird, denn Linuschs Vater und alle anderen Menschen sind zu Eisstatuen erstarrt.
Wer außer Laura und Linusch könnte den geheimnisumwitterten Silberwolf noch finden, um das Eisland zu retten? Und wer sollte ihnen sonst dabei helfen, wenn nicht die drei merkwürdigen Schwestern, die am Horizont wohnen und offenbar mehr wissen als alle anderen?
Meine Meinung

»Laura und der Silberwolf« ist eines der Bücher, die schon seit Jahren auf meiner Wunschliste standen, weil mich die Handlung magisch anzog. Und es ist eins der Bücher, die meine Erwartungen nicht enttäuscht haben.

Die elfjährige Laura liegt im Krankenhaus. Sie hat Krebs. Wenn ihr Vater sie besucht, erzählt er ihr und ihrer siebenjährigen Zimmergenossin Eileen Geschichten. Es sind Geschichten über ein fernes Land, in dem immer Schnee liegt und in dem merkwürdige Wesen wohnen.
Eines Abends entdeckt Laura, dass es das wundersame Eisland tatsächlich gibt – nämlich hinter der weißen Wand ihres Krankenhauszimmers!
Von nun an schleicht sie sich immer öfter – dann, wenn Eileen eingeschlafen ist – dorthin, um Linusch und Kater Tom zu treffen. Sie wollen den sagenumwobenen Silberwolf finden, der in den nachtblauen Bergen schläft und die Menschen im Eisland in Statuen verwandelt hat. Nur Laura kann Linusch dabei helfen.

»Laura und der Silberwolf« ist eine sehr berührende Geschichte über eine schwere Krankheit, aber auch und vor allem über ein spannendes Abenteuer, bei dem nicht alles so ist, wie es scheint.
Laura muss im Krankenhaus immer wieder anstrengende und kräftezehrende Untersuchungen über sich ergehen lassen und sehnt sich immer mehr nach dem Eisland, in dem sie sich gesund und stark fühlt und in dem sie Linusch helfen kann. Als Leser erfährt man dabei nicht, ob Laura das Eisland tatsächlich besuchen kann, oder ob sich ihre Abenteuer nur in ihrer Fantasie abspielen, denn Laura scheint zwar bewusst durch die weiße Wand einzutreten, wacht später aber immer in ihrem Krankenbett auf.

Das Eisland ist eine wundersame Welt aus Kälte, Eis und Schnee. Nur zwei Menschen trifft Laura dort an, alle anderen sind zu Eisstatuen erstarrt. Doch auch Laura muss sich in Acht nehmen, denn die Nacht und die Dunkelheit sind gefährlich.
Außerdem trifft Laura immer wieder auf ulkige Gestalten, wie die Wollkäfer, Renfriere oder Lichthamster oder auch die Tiefkühe aus dem Tiefküh-Fach. Gerade die Lichthamster fand ich immer wieder süß und sie brachten mich öfter zum Schmunzeln. Allerdings sind auch ein paar sehr alberne Wortverdreher darunter, wie der Eiskunstsäufer oder das Klafrier, auf dem die Schneeigel spielen. Hier merkt man, dass das Buch für jüngere Leser geschrieben wurde.

Für junge Leser ist das Buch vor allem ein spannendes, fantasievolles Abenteuer, das man gemeinsam mit Laura erlebt. Für erwachsene Leser ist »Laura und der Silberwolf« vor allem eine berührende, auch sehr bedrückende Geschichte, denn als Erwachsener versteht man natürlich, was sich hinter der fantasievollen Handlung verbirgt. Zwar wird Lauras Krankheit nicht direkt benannt, doch die kindlichen Beschreibungen und das, was Laura im Krankenhaus durchmachen muss, lassen kaum Zweifel daran. So fühlt man mit Laura und der kleinen Eileen, die ihre Krankheit selbst noch gar nicht recht verstehen kann, und wünscht sich für die Mädchen nur ein Happy-End.

Ob es dieses Happy-End für Laura gibt, liegt in der Auffassung des Lesers. Denn am Ende trifft Laura eine Entscheidung, die man sowohl positiv als auch negativ interpretieren kann. So oder so – das Ende lässt den Leser mit einem Kloß im Hals zurück. Und vielleicht auch mit der einen oder anderen Träne im Auge.
Fazit
Eine berührende Geschichte, die mit viel Gefühl über ein märchenhaftes Abenteuer erzählt – und über ein starkes Mädchen.

2 Kommentare

  1. RoM sagt

    Grüß Dich, Moena.
    Anmerkenswert – es gibt Cover, die nicht nur sofortiges Interesse anregen, sondern wie ein Hammer landen. Hier wäre ich unter Garantie nicht an dem Buch vorbei gegangen.
    Von der Geschichte zudem – auch wenn vorrangig für Kinder geschrieben – geht ein fesselnder Reiz aus. Ein Blick in zwei Welten.

    Ob Eisland als Sinnbild für eine Zeit (Welt)steht, die nie vergeht!?

    Ich denke Kinderbücher können auch für Erwachsene noch ihre Zeit wert sein.
    Ein feiner Tip.

    bonté

    • Kinderbücher sind definitiv auch für Erwachsene ihre Zeit wert, das habe ich in meiner Ausbildung in der Kinder- und Jugendbuchabteilung gelernt. Meist entdeckt man als Erwachsener noch viele Details und Feinheiten, auf die man als Kind gar nicht geachtet hätte – oder sogar eine ganz andere Interpretation.

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