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[REZENSION] Barbara Wersba: »Ein Weihnachtsgeschenk für Walter«


Barbara Wersba
Ein Weihnachtsgeschenk für Walter

Originaltitel: Walter – The Story of a Rat
Tulipan
2. Auflage, 2007
Hardcover
Seiten: 60
ISBN: 978-3-939944-06-5

Inhalt
Walter ist keine gewöhnliche Ratte, denn er kann lesen. Er lebt im Haus von Miss Pomeroy, einer alten Dame, die Kinderbücher schreibt und eine herrliche Bibliothek besitzt. Dort macht Walter jedoch eines Tages eine erschütternde Entdeckung: Der Held in Miss Pomeroys Kinderbüchern ist ausgerechnet eine Maus!
Walter, der als kultivierte Ratte sehr unter dem schlechten Ruf seiner Artgenossen leidet, ist zutiefst gekränkt und beschließt, Miss Pomeroy einen Brief zu schreiben. So beginnt eine ungewöhnliche Freundschaft.
Meine Meinung

»Ein Weihnachtsgeschenk für Walter« entdeckte ich zufällig durch die Vorstellung auf einem anderen Blog. Da es mich sofort begeisterte, bestellte ich es noch kurz vor Weihnachten. Und das Buch hat mich nicht enttäuscht.


Schon beim Auspacken habe ich mich in das Buch verliebt. Die Gestaltung ist passend zur Geschichte und der Leinenstreifen am Buchrücken und das rote Vorsatzpapier wirken weihnachtlich. Innen finden sich dann 21 schwarz-weiße Federzeichnungen, die den Text wunderschön und passend illustrieren.

Aber auch die Charaktere der kurzen Geschichte habe ich schnell ins Herz geschlossen. Walter ist eine betagte Ratte. Er kam mit einer besonderen Gabe zur Welt: er kann lesen. Und das tut er auch mit Hingabe. Kein Wunder, dass er sich nach Sir Walter Scott benannt hat. Am liebsten liest Walter übrigens nachts – dumm nur, dass er die unglückliche Angewohnheit hat, die Kerzen zu fressen, die ihm dabei Licht spenden sollten.
Walter ist traurig über den schlechten Ruf seiner Art, schließlich ist er – wie die meisten seiner Artgenossen – immer liebenswürdig, sauber und rücksichtsvoll. Er liebt Ordnung, ganz im Gegensatz zu Miss Pomeroy, in deren Haus er sich eingerichtet hat. Die alte Dame ist Schriftstellerin von Kinderbüchern und schert sich kaum um gängige Regeln. So schreibt sie allen technischen Fortschritts zum Trotz immer noch auf einer alten Schreibmaschine und das am liebsten in ihrem verschlissenen blauen Bademantel und mit einem Bleistift im Haar. In der Küche ist sie nachlässig, was Walter den einen oder anderen Imbiss beschert, und auch sonst ist sie heillos unordentlich. Die Post bleibt da schon mal ungeöffnet liegen, während Miss Pomeroy beim Fernsehen Weißwein trinkt und laute Kommentare über den Film abgibt.


Doch bei alldem bleibt Walter nicht verborgen, wie einsam seine Mitbewohnerin ist. Nie bekommt sie Besuch und sie hat (zum Glück!) auch keine Katze. Walter nimmt schließlich Kontakt zu ihr auf. Da er lesen kann, kann er natürlich auch schreiben, und so beginnt ein amüsanter und interessanter Briefwechsel zwischen Autorin und Ratte. Anfangs noch recht wortkarg, wird die alte Dame bald zur geliebten Gesprächspartnerin und am Ende … tja, am Ende erwartet Walter sogar ein Weihnachtsgeschenk.
Fazit

Eine süße Weihnachtsgeschichte über eine echte Leseratte und die Liebe zum geschriebenen Wort. Mit knapp fünfzehn Euro zwar recht teuer für ein so dünnes Buch, aber die Geschichte und die wunderschöne Aufmachung sind jeden Cent wert.

2 Kommentare

  1. Hallo Moena.
    Ich denke einmal bescheiden, daß es eben solche, in Detail-Liebe gemachte Bücher sind, die Kindle & co irgendwo alt aussehen laßen.
    Schöne Bücher bleiben eine sinnliche Erfahrung, irgendwie…

    bonté

    • Das ist wahr. Ich habe ja selber einen Sony Reader, aber trotzdem muss ich manche Bücher immer noch gedruckt kaufen, weil es da einfach dieses Im-Regal-haben-wollen-Gefühl gibt.
      Was die Innengestaltung angeht, wäre es ja zumindest möglich, dass auch E-Books hübsch aussehen können. Aber das müssen die meisten Verlage wohl erst noch für sich entdecken (oder ich kaufe die falschen E-Books).

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