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[REZENSION] Cynthia J. Omololu: »Für immer die Seele«


Cynthia J. Omololu
Für immer die Seele

Originaltitel: Transcendence
Dressler
1. Auflage, Februar 2013
Hardcover
Seiten: 381
ISBN: 978-3-7915-1505-2

Vielen Dank an den Dressler Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars.

Inhalt
Eigentlich sollte es nur ein ganz normaler Urlaub mit ihrem Vater und ihrer Schwester werden. Doch als Cole den Tower von London besichtigt, wird sie von einer beängstigenden Vision heimgesucht: Sie erlebt eine Hinrichtung, die an diesem Ort vor vielen Jahren stattgefunden hat. Sie kann die Angst und die Verzweiflung der jungen Frau auf dem Schafott deutlich spüren – und Cole weiß: Diese Hinrichtung ist nicht irgendeine. Es ist ihre eigene.
Und es ist nicht das einzige Erlebnis dieser Art, das Cole hat. Immer wieder fühlt sie sich in andere Zeiten, an andere Orte versetzt, obwohl sie nie dort gewesen ist. Es ist, als hätte Cole all das erlebt – in einem früheren Leben.
Als Cole von den Bildern überwältigt in Ohnmacht fällt, landet sie in den Armen von Griffon. Er erkennt sofort, dass Cole etwas Besonderes ist. Kein Wunder, denn auch er kann sich an seine vergangenen Leben erinnern und weiß genau, was in Cole vorgeht. Cole spürt, dass es zwischen ihnen eine Verbindung gibt. Aber ist das, was Cole spürt, einfach nur die erste große Liebe oder steckt noch etwas anderes dahinter?
Während sie Griffon immer näher kommt, entdeckt Cole Schreckliches: Sie schwebt in Gefahr. Jemand trachtet nach ihrem Leben und sinnt seit Jahrhunderten auf Rache. Wem kann Cole jetzt noch vertrauen?
Meine Meinung

Als ich das Leseexemplar bei der Blogger-Aktion von Dressler gewann, habe ich mich natürlich sehr gefreut. Die Geschichte klang interessant und das Cover ist einfach wunderschön anzusehen. Abgesehen davon hatte ich aber ehrlich gesagt keine allzu hohen Erwartungen an das Buch. Immerhin ist es der Auftakt einer Trilogie und ich bin eher ein Freund von abgeschlossenen Einzelbänden. Aber »Für immer die Seele« versteckt unter dem hübschen Schutzumschlag nicht nur einen ebenso hübsch gestalteten Einband, sondern konnte mich auch mit seinen inneren Werten überzeugen.

»Gleich geschieht es wieder, ich kann es spüren. Ein Kribbeln in meinem Nacken, das Gefühl, dass alles um mich herum in immer weitere Ferne rückt, kalte Schweißperlen auf meiner Stirn – ich kenne die Anzeichen und weiß, das bedeutet nichts Gutes.«

Hauptfigur und Erzählerin des Romans ist die sechzehnjährige Cole. Sie lebt mit ihren Eltern und ihrer älteren Schwester Kat in San Francisco. Da ihre Eltern getrennt sind, wohnt ihr Vater im zweiten Stock des Hauses und ist nur »Special Guest« bei besonderen Anlässen. Coles Mutter gehört zu den Menschen, die nicht merken, wie sie andere mit ihren Worten verletzen, wofür sich Cole oft schämen muss. Cole selbst kann von Kindesbeinen an virtuos Cello spielen und wird von allen als Wunderkind bezeichnet. Und obwohl ihr die Musik viel bedeutet, wäre sie manchmal am liebsten einfach nur ein ganz normales Mädchen.

Dieser Wunsch wird umso stärker, als Cole beginnt, die merkwürdigen Visionen und Déjà-Vus zu haben. Immer wieder fühlt sie, dass sie einen Ort bereits kennt, obwohl sie nie zuvor dort gewesen ist. Als sie im Tower von London die Vision ihrer eigenen Hinrichtung erlebt, glaubt sie, verrückt zu werden.
Abhilfe schafft der siebzehnjährige Griffon, dem Cole im wahrsten Sinne des Wortes in die Arme fällt. Rein zufällig hat der gutaussehende Junge nicht nur einen Vater, der im Tower von London arbeitet, sondern auch eine Mutter, mit der er in San Francisco lebt, ganz in Coles Nähe. Wie praktisch, denn so soll das Treffen in London nicht das letzte der beiden gewesen sein.
Griffon weiß, was in Cole vorgeht, denn er ist ein Akhet – ein Mensch, der sich an seine früheren Leben erinnern kann. Während sich die beiden näher kommen, kann er ihr einige Fragen beantworten, doch jede Antwort wirft neue Fragen auf und Griffon erzählt ihr auch längst nicht alles. Als er Cole ausgerechnet vor einer ihrer Celloschülerinnen warnt, die ihr angeblich nach dem Leben trachtet, weiß Cole überhaupt nicht mehr, was sie glauben soll.

»Der Vorteil als Akhet ist, dass man sich an alles erinnert. Der Nachteil ist, dass man nichts vergisst.«

Insgesamt hat mich »Für immer die Seele« sehr positiv überrascht. Neben Coles neu entdeckten Fähigkeiten und der Spannung, die sich drum herum aufbaut, kommt auch das Gefühl nicht zu kurz. Cole ist immer noch ein ganz normaler Teenager, was ihre Gefühle angeht. Sie fühlt sich zu Griffon hingezogen, ist aber auch skeptisch, ob sie ihm glauben soll, was er ihr über die seltsamen Visionen erzählt. Immerhin hat sie bisher nie an Geister und Wiedergeburt geglaubt.
Cole muss sich also nicht nur daran gewöhnen, dass sie sich plötzlich an Dinge erinnern kann, die vor mehreren Jahrhunderten passiert sind. Sie muss auch lernen, mit der ersten Liebe umzugehen, ebenso wie mit der Eifersucht und dem Schmerz, den sie mit sich bringt.

»Ein ungewohnter Geruch in einer vertrauten Umgebung – solch eine Kleinigkeit genügt, um mich in eine andere Zeit, ein anderes Leben zu katapultieren. Und es gibt keinen Ort, an den ich fliehen kann, denn das alles geschieht in meinem Kopf.«

Cole und Griffon als Hauptfiguren kommen fast schon ein bisschen klischeehaft daher (Sie die unerfahrene, naive, behütete Tochter; er der gutaussehende, geheimnisvolle Junge und nebenbei der erste, der sich für sie interessiert), was mich an diesem Buch allerdings gar nicht mal so sehr gestört hat.
Ich mochte aber vor allem Rayne, Coles beste Freundin. Sie spielt zwar nur eine Nebenrolle, konnte mich aber trotzdem hin und wieder mit ihrer erfrischenden Art zum Schmunzeln bringen.

Was mir an dem Buch aber besonders gefiel, war der Schreibstil der Autorin. Cynthia J. Omololu schreibt angenehm leicht, autentisch und mit der ein oder anderen Metapher sehr ansprechend, sodass sich die 381 Seiten schnell und flüssig lesen lassen. Und auch, wenn sich das Spannungslevel eher wenig steigert, macht es Spaß, weiterzulesen. Durch den Erzählstil in Ich-Form und Präsens kann man sich gut in Cole einfühlen und mitverfolgen, wie sie mit Angst, Vertrauen, Sehnsucht, Schmerz und Liebe kämpft, auch wenn mir der Übergang von einem zum anderen manchmal vielleicht etwas schnell ging.
Sehr gut gelungen sind auch Coles Visionen, die im Buch durch hellgrauen, kursiv gedruckten Text dargestellt werden. Sie sind fließend in Coles Erlebnisse und Handlungen eingearbeitet, sodass sich auch der Leser mitten im Geschehen in andere Zeiten katapultiert fühlt, aber ganz ohne dadurch verwirrt zu sein. Man erkennt genau, wo eine Vision beginnt und wo Cole wieder ins Hier und Jetzt zurückkehrt. So kann man beim Lesen gemeinsam mit Cole die verschiedenen Puzzlestücke ihrer Erinnerungen zusammensetzen, die nicht in chronologischer Abfolge kommen und auch nicht aus nur einem Leben stammen.

Schlussendlich ergibt »Für immer die Seele« trotz der Trilogie-Zugehörigkeit ein gut abgeschlossenes Buch mit einem fast schon zu schönen Ende. Bestimmte Teile von Coles Geschichte werden allerdings nur gestreift oder angedeutet, sodass man bereits Vermutungen anstellen darf, was im zweiten Band der Reihe passieren wird. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt darauf, ob Cynthia J. Omololu das gleiche Level auch im zweiten Band halten kann.
Fazit
Ein interessanter Auftakt zu einer neuen Trilogie, der eine ebenso interessante Fortsetzung verspricht.

2 Kommentare

  1. Salut, Moena.
    Die Idee von der Wiedergeburt bietet wiederkehrende Möglichkeiten, gute Stories spannend eindrucksvoll zu erzählen. Allein der zutiefst romantische Aspekt, daß sich zwei Seelen über Jahrtausende immer wieder ineinander verlieben – um ein Klischee zu bemühen. 🙂

    Die vorliegende Geschichte wirkt vielschichtig. Auch wenn ich es seltsam finde, daß in solchen Szenarien immer eine Todesgefahr im Hintergrund dräut.

    Witzig an der These von der Wiedergeburt ist, daß ein Bevölkerungswachstum die stete Generation neuer (!) Seelen verlangt.

    Hoffen wir aber in der Tat, daß die Reihe besagtes Niveau hält. Gute Bücher sind ein Lesespaß.

    bonté

    • Stimmt, eine sehr romantische Vorstellung. Und sie taucht auch in "Für immer die Seele" auf, natürlich. 😉 Allerdings zum Glück nicht ganz so, wie man annehmen könnte, sondern so, dass sie vermutlich im zweiten Band der Trilogie noch für reichlich Spannung sorgen wird. Ich bin wie gesagt gespannt darauf. Blöd, dass man auf zweite und dritte Bände immer so lange warten muss …

      Die Todesgefahr steht hier nicht wirklich im Hintergrund, sondern dient wohl eher als Haupthandlung des Trilogieauftakts. Am Ende ist das Ganze aufgeklärt, wird also wohl im zweiten Band keine Rolle mehr spielen, nehme ich an. Es sei denn, es taucht jemand anderes auf, der Cole nach dem Leben trachtet … Öhm. Das fände ich dann aber doch etwas viel.

      Was die Sache mit der wachsenden Bevölkerung angeht – so habe ich das noch gar nicht betrachtet. Ein sehr interessanter Gedanke, wenn man einmal dabei ist. Da könnte man schon wieder eigene Romane drüber schreiben. 🙂

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