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[REZENSION] Julia Romp: »Das Wunder auf vier Pfoten«


Julia Romp
Das Wunder auf vier Pfoten

Originaltitel: A friend like Ben
blanvalet
1. Auflage, Oktober 2012
Taschenbuch
Seiten: 317
ISBN: 978-3-442-37852-4

Inhalt
Der 9-jährige George ist schwer autistisch, keine Therapie scheint zu
helfen. Ein kleines Wunder geschieht, als seiner Mutter Julia eine halb
verhungerte Katze zuläuft. Sie pflegt sie gesund und bald gehört Ben zu ihrer Familie. Ben ist das erste Wesen,
mit dem George spricht und spielt, endlich vermag der Junge Fuß in der
Welt zu fassen. Aber dann verschwindet die Katze spurlos – und Julia
weiß: Für ihren Sohn muss sie Ben wiederfinden.
Meine Meinung
»Das Wunder auf vier Pfoten« entdeckte ich eher zufällig und weil ich Geschichten liebe, in denen Katzen die Hauptrolle spielen, wanderte es erstmal auf meine Wunschliste. Als ich es dann zu Weihnachten geschenkt bekam, musste ich es einfach sofort lesen.

Wer darüber nachdenkt, dieses Buch zu lesen, sollte sich zuerst darüber im Klaren sein, dass ihn hier keine fiktive, märchenhafte Wundergeschichte erwartet, sondern eine wahre Geschichte, wie sie das Leben schreibt. Denn Julia Romp schildert in »Das Wunder auf vier Pfoten« ihr Leben mit ihrem autistischen Sohn George.

»Was ich hier festhalte, ist natürlich keine Wunderkur für Autismus, aber es ist unsere Geschichte über das Wunderbare, das Ben bei George bewirkt hat.«

Das Buch gliedert sich in drei Teile: Zunächst beschreibt Julia ihr Leben, bevor Kater Ben in die Familie kam. Ihre Kindheit und Jugend werden kurz umrissen, schließlich ihre Schwangerschaft und Georges Geburt und die ersten Jahre mit ihm. Und die sind alles andere als leicht. George ist ein schwieriges Kind. Er schreit viel und scheint kaum Schlaf zu brauchen. Im Umgang mit anderen Menschen scheint er sehr distanziert und zurückhaltend, oft sogar aggressiv. Niemand weiß, was ihm fehlt und kaum einer will Julia helfen, stattdessen wird George als ungezogenes Kind abgeschrieben. Julia ist verzweifelt und den Satz »Das braucht nur Zeit« kann sie bald schon nicht mehr hören.

Doch alles ändert sich, als Ben auftaucht. Dabei sollte der schwarz-weiße Kater anfangs gar nicht bleiben, denn obwohl George Tiere mag, hatte er nie lange Interesse an ihnen und fühlte sich bald durch sie gestört. Als Julia den verwahrlosten Streuner einfängt und zum Tierarzt bringt, ist der Fall für sie eigentlich erledigt, doch das Schicksal will es anders. Ben zieht bei Julia und George ein und wird bald schon zum unersetzbaren Familienmitglied.
Der Kater ist der erste, zu dem der autistische George eine Bindung aufbaut. Und mehr als das. George liebt ihn. Ben gibt George eine Stimme, um mit einer Welt zu kommunizieren, die ihn nicht versteht. Beim Lesen geht einem das Herz auf, wenn man mitverfolgt, wie sich George verändert und wie er Ben zum Helden zahlreicher fantasievoller Geschichten macht.

Umso schmerzvoller ist es für die beiden und für den Leser, als Ben ganz plötzlich spurlos verschwindet. George zieht sich zurück und ist sich sicher, dass sein Freund nicht zurückkommen wird. Julia startet eine unglaubliche Suchaktion und lässt nichts unversucht, um Ben zu finden. Denn Ben ist nicht nur eine Katze. Für Julia ist er wie ein zweiter Sohn, der Eiscreme und Toast mit Butter liebt und Staubsauger ebenso verabscheut wie Dosenfutter. Er ist Georges Fenster zur Welt. Und Julia weiß: Wenn sie ihn nicht zurückbringen kann, wird sie das Leuchten in den Augen ihres Sohnes nie wieder sehen.

Die Geschichte von Ben und George ist ein ständiges Wechselbad der Gefühle. Als Leser hofft und bangt man mit Julia und fiebert gemeinsam jedem neuen Anruf entgegen, der einen Hinweis auf Bens Verbleib liefern könnte. Die Geschichte berührt und schockiert. Sie lässt einen beim Lesen lachen, weinen und fassungslos den Kopf schütteln. Es ist die wahre Geschichte eines kleinen Wunders.
Fazit
Die berührende Geschichte eines Wunders, das für George auf vier Pfoten und für den Leser mit viel Gefühl daherkommt.

2 Kommentare

  1. Grüß Dich, Moena.
    Hier hat wohl jemand augenscheinlich Deine Wunschliste beäugt und zugeschlagen. Eine feines Geschenk!

    Liebe ist auf den kontinuierlichen Austausch angewiesen. Wie schwer muß es demnach für eine Mutter sein, wenn das eigene Kind diese Liebe nicht erwiedert – schlimmer, nicht kann…
    All die kleinen wie großen Verletzungen der eigenen Gefühle.
    Wie voller Wunder muß der Augenblick für Julia gewesen sein, als sich George Ben gegenüber öffnet!

    Ich kann mir gut vorstellen wie der Roman berührt.

    bonté

    • Genau so war's. Und den Link zur Wunschliste gab's sogar von mir selbst. 😉

      Man könnte meinen, du hast das Buch gelesen. Julia beschreibt tatsächlich oft, wie schwer es für sie als Mutter ist, dass George ihr keine Liebe zeigt. Gerade das ist sehr berührend. Noch schlimmer ist, zu lesen, dass George seine Mutter für Bens Verschwinden verantwortlich macht und wie verzweifelt Julia nach dem Kater sucht.

      Ein sehr schönes Buch, wenn man solche Erzählungen mag.

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