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[REZENSION] Marko Leino: »Wunder einer Winternacht«


Marko Leino
Wunder einer Winternacht

Originaltitel: Joulutarina
Wunderlich
1. Auflage, 2008
Hardcover
Seiten: 288
ISBN: 978-3-805-20865-0

Inhalt
Hoch oben im Norden lebt ein kleiner Junge. Nikolas ist sein Name. Ein
tragischer Unfall am Weihnachtsabend hat ihn zum Waisenkind gemacht. Die
Menschen im Dorf nehmen sich seiner an und schenken dem schüchternen
Jungen Wärme und Geborgenheit. Ein Jahr darf Nikolas bei jeder Familie
bleiben, doch wenn der Weihnachtsabend naht, nimmt ihn das nächste Haus
auf. Voller Dankbarkeit schnitzt Nikolas Jahr für Jahr heimlich
Geschenke für all seine »Geschwister«. Doch als er zu
Tischlermeister Iisakki in die Lehre kommt, scheint sein neu gewonnenes
Glück unwiederbringlich vorbei, denn der bärbeißige alte Mann hasst
Kinder.
Meine Meinung

»Wunder einer Winternacht« hatte ich mir als diesjähriges Weihnachtsbuch bestellt. Als Lesestoff für die Vorweihnachtszeit ist dieses Buch ideal!
Schon die Gestaltung fällt dabei positiv ins Auge: die Geschichte besteht aus 24 Kapiteln, die jeweils »Türchen« genannt werden – ein echter Weihnachtskalender für Bücherfreunde also. Außerdem sind die Kapitelanfänge jeweils mit ein paar hübschen Schneeflocken verziert, die beim Lesen gleich die richtige Winterstimmung schaffen.

Die Geschichte spielt in einem kleinen Fischerdorf in Finnland. Nikolas ist zu Beginn des Romans erst fünf Jahre alt, als ihm in einer eisigen Winternacht nicht nur seine Eltern, sondern auch seine kleine Schwester Ada genommen werden. Es ist der Vorabend von Weihnachten, als Ada krank wird und Nikolas‘ Eltern mit dem Boot von ihrer Insel hinüber zu dem kleinen Fischerdorf fahren wollen, um einen Arzt aufzusuchen. Nikolas soll so lange im Haus bleiben und das Feuer schüren, um das Haus warm zu halten. Geduldig wartet der kleine Junge auf die Rückkehr seiner Familie – doch die kommt nie zurück. Das Boot mit seinen Eltern ist verunglückt, die kleine Ada wird nie gefunden.
Plötzlich ist Nikolas allein auf der Welt. Doch die Bewohner des kleinen Dorfes haben Mitleid und nehmen sich seiner an. Da sie jeden Winter selbst ums Überleben kämpfen müssen, kann Nikolas jedoch nicht bei einer Familie bleiben. Stattdessen bleibt er jeweils ein Jahr, bevor er pünktlich zum Weihnachtsabend ins nächste Haus zieht. Aus Dankbarkeit beginnt er, Weihnachtsgeschenke für die Kinder »seiner« Familien zu schnitzen. Jedes Jahr werden es mehr und Nikolas wird immer besser im Umgang mit Holz und Messer. Fortan beschenkt er jedes Jahr an Weihnachten die Kinder des Dorfes heimlich, indem er die Geschenke nachts vor ihre Türen legt. Selbst dann noch, als er zu dem grantigen Tischler Iisaki ziehen muss, der weit außerhalb des Dorfes lebt.

Die Geschichte von Nikolas ist erfunden und doch kennt ihn jeder: den Mann, der an Weihnachten die Geschenke bringt. Marko Leino erzählt auf rührende, sehr emotionale Weise, wie es dazu kam und was Nikolas dazu bewegte, dieser Mann zu werden. Die Schicksalsschläge, die Nikolas schon in so jungen Jahren ertragen muss, stimmen traurig und doch ist die Geschichte so rührend-schön erzählt, dass man das Buch am Ende des Kapitels oft gar nicht aus der Hand legen möchte.
Die Handlung des Buches überspannt dabei Nikolas‘ gesamtes Leben, von dem Unglück seiner Eltern, als er fünf ist, bis zu seinem Tod im hohen Alter. Als Leser erlebt man mit, wie Nikolas trauert, wie er sich schließlich aber doch im Dorf einlebt und dabei einen neuen Bruder gewinnt, und wie er sich sogar mit dem alten Tischler Iisaki anfreundet, den alle Kinder im Dorf fürchten. Aber man verfolgt auch die traurigen Seiten seines Lebens, die untrennbar mit dem Weihnachtsabend verbunden sind. Die Geschichte ist dabei sehr ruhig und setzt auf die leisen Töne. Spannung darf man nicht erwarten, doch das ist auch gar nicht nötig. Das Buch liest sich trotzdem schnell und flüssig und sorgt für gemütliche Leseabende.

Was mich aber ein wenig gestört hat, war Nikolas‘ Charakterentwicklung. Anfangs ist er ein fünfjähriger Junge, doch mir kam er bereits viel älter vor. Ganz alleine schiebt er Schnee, als seine Eltern verschwunden sind, lädt schwere Fischkisten aus dem Boot und schnitzt eine Holzpuppe für seine kleine Schwester. Das alles kam mir ein wenig unrealistisch vor. Dafür scheint Nikolas im Laufe des Buches kaum zu altern, was seinen Charakter angeht.
Fazit
Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte und mit vierundzwanzig Kapiteln ein schöner Adventskalenderersatz für Leseratten.

2 Kommentare

  1. Servus, Moena.
    Vielleicht hat das harte Fischerleben, allein auf einer Insel, dem kleinen Nikolas bereits viel abverlangt. Ließ ihn früh älter werden, weswegen er für den Rest seines Lebens nicht weiter altern will.

    Findet Nikolas demnach keine Liebe mehr?!

    Wie ich sehe gibt es eine Riege neuer Wertungseier. 🙂

    bonté

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