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[REZENSION] Sangu Mandanna: »Lost Girl – Im Schatten der Anderen«


Sangu Mandanna
Lost Girl – Im Schatten der Anderen

Originaltitel: The lost girl
Ravensburger
1. Auflage, 2012
Hardcover
Seiten: 436
ISBN: 978-3-473-40080-5

Dieses Buch fiel mir in der Buchhandlung zufällig auf und wanderte gleich in den Einkaufskorb. Die Story klingt nach einer interessanten Idee: Eltern, die ihre Kinder über alles lieben, lassen sich von den Meistern sogenannte Echos erschaffen: exakte Kopien, die den Kindern bis aufs Haar gleichen. Sie werden von Betreuern erzogen und überwacht, lernen per Brief, was ihre »Anderen« erleben, was sie mögen und hassen und in wen sie sich verlieben. Ein eigenes Leben zu führen, ist den Echos nicht gestattet. Von der Gesellschaft werden sie als etwas Abstoßendes empfunden und selbsternannte Jäger machen sogar Jagd auf sie, um sie zu töten.
Es ist ein Leben nach Maß, nach strengen Vorgaben und vor allem: streng geheim.

Ein solches Echo ist auch die fünfzehnjährige Ich-Erzählerin Eva. Sie wächst in England bei ihrer Pflegemutter Mina Ma auf. Ihre »Andere« ist Amarra, die mit ihrer Familie in Indien lebt und der es gar nicht recht ist, ihr ganzes Leben mit einer Fremden teilen zu müssen. Nie kann sie Geheimnisse haben, denn schließlich muss Eva alles über sie wissen, um sie im Ernstfall ersetzen zu können. Aber auch Eva hat gar keine Lust darauf, Amarras Leben zu leben. Stattdessen widersetzt sie sich des Öfteren den Regeln und verliebt sich schließlich in Sean, einen ihrer Betreuer. Und während Amarra alles dafür tut, ihr Echo loszuwerden, beginnt für Eva der Kampf um ihr eigenes Leben.

Die Handlung klingt zwar spannend und Indien als Schauplatz fand ich auf den ersten Blick auch sehr interessant. Allerdings konnte mich das Buch ansonsten nicht wirklich überzeugen. Die Geschichte ist ziemlich vorhersehbar. Jedem Leser ist von Anfang an klar, wie die Geschichte ablaufen muss. Hier gibt es keine großen Überraschungen, was der Spannung nicht besonders zuträglich ist.
Das Ende des Buches fand ich ebenfalls sehr unbefriedigend. Ich legte das Buch mit dem Gefühl zur Seite, mich über 400 Seiten lang im Kreis gedreht zu haben, denn schlussendlich hat Eva nicht viel erreicht. Außerdem blieben für mich fast alle Fragen offen, für die ich mir eine Erklärung gewünscht hätte.
Fazit
Eine Idee, die spannend und interessant klingt, deren Umsetzung mich aber leider nicht besonders fesseln konnte.

6 Kommentare

  1. Ich habe jetzt mal bei Achtung Spoiler aufgehört, aber ich glaube nach dem Fazit kann ich es jetzt auch lesen, weil ich denke dass es dann auch nichts für mich sein wird. Vorhersehbar ist das einzigste Wort was mir bei Achtung Spoiler ins Auge gesprungen ist und das reicht eigentlich bei mir schon als k.o. Kriterium schon aus.
    Schade, denn die Idee klingt neu.
    Danke für die Rezi,
    Iris

    • Die Idee an sich fand ich auch sehr gut. Aber für mich drehte sich die Handlung zu sehr im Kreis und das Ende war erstens recht unglaubwürdig und zweitens so eins, nachdem man das Buch zur Seite legt und denkt "Ja wie, das war's jetzt?"

      Dass die Handlung vorhersehbar ist, hätte mich bei dem Buch gar nicht mal so sehr gestört, wenn mich der Rest überzeugt hätte. Immerhin weiß man nach dem Klappentext schon, was passieren MUSS, damit die Geschichte in Gang kommt. Aber abseits davon gab es auch keine Überraschungen, da hätte ich schon ein bisschen mehr erwartet – vor allem mehr Erklärungen.

  2. Das Buch habe ich ebenfalls vor ein paar Wochen zufällig beim stöbern in der Buchhandlung entdeckt und seit dem steht es auf meiner Wunschliste.

    ich habe es demnach zwar noch nicht gelesen, habe aber trotzdem deinen Spoiler gelesen und bin mir nun sicher, dass ich es doch nicht lesen mag. Die genannten Kritikpunkte würden mich auch stören, vor allem klingt es dadurch so, als wäre es irgendwie langweilig.

    Danke für die Rezi 🙂

    LG
    Jai

    • Es ist nicht langweilig in dem Sinne, dass nichts passiert. Es ließ sich auch recht schnell und flüssig lesen, aber am Ende empfand ich es einfach als nichtssagend. Ansonsten sind die Rezensionen ja sehr positiv, wenn ich so rumschaue, aber mich konnte das Buch nicht begeistern, auch wenn ich die Idee dahinter immer noch gut finde.

  3. RoM sagt

    Grüß Dich, Moena.
    Wenn ich dich richtig interpretiere ähnelt der Schluß des Romans mehr dem offenen Ende einer Kurzgeschichte. Hatte die Figur zumindest eine Möglichkeit sich weiter zu entwickeln?
    Emotional würde der Plot (Eva & Amarra wissen um einander)ja einiges an Reibungsfläche bieten. Theoretisch!

    Läßt mich jetzt an Kazuo Ishiguros "Alles, was wir geben mussten" denken.

    bonté

    • Ich weiß nicht, wie ich das Ende beschreiben würde. Offen ist es nicht wirklich, aber es war so ein Ende, bei dem ich mir dachte "Und dafür macht die Protagonistin über 400 Seiten durch?" – Eigentlich war sie am Ende wieder da, wo sie vorher auch war und so richtig gut war für sie eigentlich nichts. Außerdem gab es kaum Erklärungen zu den Fragen, die ich beim Lesen hatte. Zum Beispiel, wie die Echos zustande kommen und warum Eva etwas Besonderes zu sein scheint. Das war mir alles etwas zu schwammig.

      "Alles, was wir geben mussten" ist meiner Meinung nach eine andere Art Buch als "Lost Girl". Hat mir aber auch nicht so toll gefallen, wie ich beim Lesen des Klappentextes erwartet hatte, von daher haben die Bücher doch was gemeinsam. 😉

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