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[REZENSION] Siobhan Dowd: »Der Junge, der sich in Luft auflöste«


Siobhan Dowd
Der Junge, der sich in Luft auflöste

Originaltitel: The London Eye Mystery
Carlsen
5. Auflage, 2008
Hardcover
Seiten: 284
ISBN: 978-3-551-58188-6

Inhalt
Menschen lösen sich nicht einfach so in Luft auf, oder? Doch genau das
scheint mit Teds Cousin passiert zu sein – Salim ist nämlich in eine
Gondel des Londoner Riesenrades gestiegen und nicht wieder unten
angekommen.

Ist Salim in eine Zeitschleife geraten und sitzt in einem Paralleluniversum fest?
(Eine von Teds acht Theorien.)
Oder ist er entführt worden?
(Das glaubt Tante Gloria.)
Und ist er überhaupt noch am Leben?
(Aber das sagt keiner.)

Diese Geschichte handelt davon, wie Teds seltsames Gehirn versucht den Fall
zu lösen. Wie Ted und seine große Schwester Kat jede Spur verfolgen, um
Salim zu finden. Und dabei spielen der Dodo, das Wetter, 18 Fotos von
einer Wäscheleine und die erste Lüge nach 12 Jahren und 188 Tagen auch
eine Rolle.

Meine Meinung
»Der Junge, der sich in Luft auflöste« war eins der Bücher, die seit meiner Ausbildung in der Kinder- und Jugendbuchabteilung auf meiner Wunschliste standen. Ein günstiges Angebot auf Rebuy sorgte dafür, dass es endlich in mein Bücherregal einziehen durfte.

»Mein Gehirn funktioniert mit einem anderen Betriebssystem als bei anderen Leuten. Ich sehe Dinge, die andere nicht sehen, und manchmal sehen die anderen Dinge, die ich nicht sehe.«

Die Geschichte wird von Ted erzählt. Ted ist zehn und hat das Asperger-Syndrom. Deshalb kann er sich große Dinge gut merken, wie zum Beispiel das komplexe Wettersystem, vergisst aber häufig die kleinen Dinge, wie seine Sporttasche. Andere Menschen zu verstehen und ihre Gesichter zu lesen, fällt Ted schwer, und die meisten machen sich deshalb über ihn lustig. Aber Salim ist anders. Salim ist der dreizehnjährige Cousin von Ted und seiner Schwester Kat. Weil seine Mutter, Tante Gloria, einen Job in New York angenommen hat, muss er mit ihr dorthin ziehen, was Salim gar nicht passt. Vorher steht aber erst noch ein Besuch bei der Verwandtschaft an und Ted muss sein Zimmer mit ihm teilen. Eigentlich mag er so etwas gar nicht, aber mit Salim ist das gar nicht mal so schlimm. Alles ist toll, bis Salim unbedingt mit dem Londoner Riesenrad fahren will – denn dort verschwindet Salim spurlos. Ted und Kat sehen wie er in die Gondel einsteigt, aber nie wieder herauskommt!


Salim scheint sich in Luft aufgelöst zu haben. Aber wie ist das möglich? Ted stellt dazu acht Theorien auf (seine Lieblingstheorie ist die mit der spontanen Selbstentzündung). Gemeinsam mit Kat geht er dem Geheimnis auf die Spur und es entwickelt sich eine spannende Ermittlungsaktion.
Doch Spannung ist nicht alles, was mich an dem Buch begeistern konnte. Siobhan Dowd hat mit Ted einen Hauptcharakter und Erzähler geschaffen, den man einfach liebhaben muss. Ted ist nicht ganz normal, doch genau das macht ihn aus. Es ist immer wieder unterhaltsam, zu lesen, wie Ted beim Frühstück seine Honigpops zählt oder wie er abends den Seewetterbericht im Radio anhört, wenn er nicht einschlafen kann. Ted kann nicht akzeptieren, dass manche Dinge einfach so sind, wie sie sind. Er muss alles ganz genau wissen und stellt immer wieder Fragen. So analysiert er beispielsweise häufig Redensarten und Worte, die nicht das meinen, was sie sagen – und plötzlich ertappt man sich als Leser schon mal selbst dabei.

Der Erzählstil ist einfach und liest sich sehr flüssig weg. Dadurch wird das Buch zu einem sehr unterhaltsamen und kurzweiligen Lesespaß. Das Ende des Romans ist schlüssig und sehr gut aufgelöst. Als Leser kommt man kaum selbst darauf, obwohl die Hinweise im Buch gegeben werden. Auf des Rätsels Lösung kommt aber wohl nur jemand wie Ted.
Fazit
Ein Leseabenteuer, das gleichzeitig spannend, humorvoll und berührend ist und das man gar nicht mehr zur Seite legen möchte.

8 Kommentare

  1. Asperger? Klingt eher nach Autismus. Aber ist eh 'ne Form davon, oder? Ich dachte, Asperger wäre eher dieses nicht mit Emotionen klarkommen. Sheldon Cooper wäre übrigens ein guter Kandidat dafür. 😉

    • Asperger ist eine Form von Autismus, jap. Ted kann zum Beispiel keine Gesichtsausdrücke deuten bzw. muss eher auswendig lernen, was sie bedeuten. Im Buch wird es aber nur "das Syndrom" oder "Teds Syndrom" genannt – Asperger war zugegebenermaßen meine Interpretation und Recherche.

  2. Da ich an Siobhan Dowds Schreibtalent eh keinen Zweifel habe und mich die Thematik aus beruflicher Sicht auch interessiert, wandert das Buch gleich mal auf den Wunschzettel. Danke für den Tipp!

    • Dann hoffe ich, dass es dir genauso gut gefallen wird, wenn es dann irgendwann von deiner Wunschliste in deine Hände wandert. 🙂

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