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[REZENSION] Helmut Pöll: »Die Elefanten meines Bruders«


Helmut Pöll
Die Elefanten meines Bruders

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1. Auflage, 2012
EPUB
Seiten: 262

Vielen Dank an den Autor für das Bereitstellen des E-Books.

Inhalt
Der größte Wunsch des elfjährigen Billy ist es, mit seinem großen Bruder Phillipp in den Zirkus zu den Elefanten zu gehen. Doch das geht nicht, denn Phillipp ist nicht mehr am Leben. Seitdem ist Einiges anders.
Billy leidet an ADHS und besucht deshalb regelmäßig seine Therapeutin.
»Das habe ich aber gar
nicht«, sagt er. »Ich habe nur viel Energie«. Deshalb rennt er auch
zwanzigmal um die Säule vor der Tiefgarageneinfahrt, bis seine Mutter
das Auto geholt hat – und muss zwanzigmal in anderer Richtung
zurückrennen, bevor er einsteigen kann, da sonst die Energie des Universums aus dem Gleichgewicht geraten könnte. Völlig logisch!
Die Welt der Erwachsenen ist für Billy dagegen meist ziemlich unverständlich. Und so lebt er lieber in seiner eigenen kleinen Welt. Einer Welt, in der hauptsächlich Schwarz-Weiß-Filme und Mona eine Rolle spielen. Und zwei versteckte Zirkuskarten.
Meine Meinung
Als mir »Die Elefanten meines Bruders« zur Rezension angeboten wurde, habe ich ausnahmsweise einmal nicht lange überlegt. Normalerweise stehe ich selbstverlegten Büchern, die mir vom Autor per Mail als Rezensionsexemplar angeboten werden, ja sehr skeptisch gegenüber. Aber in diesem Fall überzeugten mich zuerst Titel und Cover und schließlich auch die Leseprobe, dass ich dem Buch eine Chance geben sollte.

»Vielleicht muss ich irgendwann am 14. August nicht mehr heulen. Vielleicht wenn ich groß bin. Vielleicht gehe ich auch irgendwann nicht mehr am 14. August zu den Elefanten. Aber ich glaube, ich werde immer hingehen.«

Billy Hoffmann ist elf und der Ich-Erzähler des Romans. Als er sechs Jahre alt war, starb sein großer Bruder Phillipp bei einem Verkehrsunfall. Ausgerechnet an dem Tag, als die Familie in den Zirkus gehen wollte, um die Elefanten zu sehen. Seitdem verwahrt Billy die Zirkuskarten in seinem Zimmer wie einen Schatz – es ist sein Geheimnis, denn in der Familie wird lieber nicht über Phillipp und den Unfall geredet und Billy fürchtet, dass man ihm die Karten wegnehmen könnte.

Durch das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, an dem Billy leidet, ist für ihn Vieles nicht so einfach. Zum Beispiel kann er sich nur wichtige Dinge merken, wie die Namen und Abmessungen von imperialen Schlachtkreuzern. Englischvokabeln dagegen nicht. Wenn Billys Gehirn sich überanstrengt, springt sein Notausschalter an und Billy kollabiert. Regelmäßig besucht er deshalb seine Therapeutin, um mit ihr über die Dinge zu reden, die ihm im Alltag so passieren. Und dann gibt es da noch Mona. Sie ist Billys beste Freundin und die einzige, die seine Krankheit wirklich zu verstehen scheint. Zusammen schauen die beiden Schwarz-Weiß-Filme an, weil Billy sich dann vorstellen kann, wie alles in bunt aussieht und weil ihn bunte Filme zu sehr aufregen.

Als Ich-Erzähler macht Billy eine ziemlich gute Figur. Schon auf den ersten Seiten entführt er den Leser in seine Welt, erzählt von seinem Bruder, dessen Tod und davon, dass er seinen Vornamen so gar nicht mag. Der Schreibstil ist dabei anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, aber sehr authentisch für einen Elfjährigen, was die Erzählung sehr realistisch macht.
Im Laufe der Zeit empfand ich Billy allerdings als recht anstrengend. Beim Erzählen kommt er oft vom Hundersten ins Tausendste und die Handlung zerfällt dadurch eher in viele kleine Episoden aus Billys Leben als ADS-Kind. Am Ende scheint dann plötzlich alles gut zu sein. Hier hätte ich mir eine bessere Auflösung gewünscht und vielleicht ein klärendes Gespräch innerhalb der Familie über Phillipps Tod, über den gerade von Seiten der Erwachsenen immer geschwiegen wird.
Fazit
»Die Elefanten meines Bruders« ist ein Roman, der sowohl berührt als auch zum Schmunzeln bringt und mit dem man sich etwas besser vorstellen kann, wie es ist, mit einem ADS-Kind zu leben.

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