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[REZENSION] Stefan Casta: »Frag nicht nach meinem Namen«


Stefan Casta
Frag nicht nach meinem Namen

Originaltitel: Näktergalens Sang
Fischer Schatzinsel
1. Auflage, 2009
Hardcover
Seiten: 320
ISBN: 978-3-596-85312-0

Inhalt
Er hätte sie beinahe erschossen, als er den prächtigen Rehbock erlegen
wollte. Im letzten Moment kann er die Flinte zur Seite reißen. Zart und
zerbrechlich wie ein Vogel wirkt sie auf Victor – doch sie kann auch
überraschend energisch sein. Wer ist dieses Mädchen? Warum verheimlicht
sie ihren richtigen Namen? Und was hat sie zu verbergen?
Meine Meinung
»Frag nicht nach meinem Namen« ist eins der Bücher, die mir nur durch Zufall über den Weg gelaufen sind. In diesem Fall war es auf Rebuy, wo ich es schließlich auch kaufte. Ich hatte vorher noch nie etwas von dem Buch gehört, aber das Cover und auch der Klappentext ließen eine mysteriöse, düstere Geschichte vermuten. Beim Lesen stellte sich dann heraus, dass »Frag nicht nach meinem Namen« auch eins der Bücher ist, in denen man nicht das findet, wonach sie von außen aussehen.

Der neunzehnjährige Victor lebt als Adoptivkind auf dem abgelegenen und etwas heruntergekommenen Hof Södra Visunda. Er hat gerade sein Abitur hinter sich gebracht und so recht weiß er nicht, was er mit seinem Leben in Zukunft anfangen will. Für seine Zieheltern Brigitte und Gustavo ist selbstverständlich, dass er auf dem Hof bleiben und weiterhin die Tiere versorgen wird, doch obwohl sich Victor bei den beiden wohl fühlt, bereitet ihm der Gedanke, sein ganzes Leben auf dem einsamen Hof zu verbringen, Unbehagen. Gleichzeitig kann er sich aber auch nicht dazu durchringen, in die Welt hinauszuziehen und Philosophie zu studieren, wovon er eigentlich träumt.

Das ruhige Leben der drei wird aufgemischt, als Victor auf der Jagd beinahe ein Mädchen erschießt, das sich ganz plötzlich vor den Hirsch stellt, auf den er eigentlich gezielt hatte. Nur knapp kann er die Flinte im letzten Moment herumreißen. Da die Fremde nach seinem Schuss in einem Schockzustand zu schweben scheint, nimmt Victor sie kurzerhand mit zum Hof. Als das Mädchen endlich spricht, stellt sie sich als Esmeralda vor – nur einer von vielen Namen, die sie im Laufe der Geschichte annehmen wird. Die kleine Familie nimmt sich ihrer an und sie darf vorerst auf dem Hof bleiben. Besonders die kauzige Brigitte beginnt sich für das fremde Mädchen zu erwärmen.
Doch Victor ahnt, dass Esmeralda die Last ihrer Vergangenheit mit sich herumträgt. Und als plötzlich auch noch die Polizei vor der Tür steht, muss die Familie eine Entscheidung treffen.

Das erste, was ich beim Lesen dachte, war: »merkwürdig«. Erzählt wird abwechselnd von Victor und Esmeralda, in den Kapitelüberschriften werden auch meist Datum und das aktuelle Wetter genannt, wobei ich mir auf Letzteres nicht so recht einen Reim machen konnte. Anfangs wird man allgemein ziemlich im Dunkeln gelassen, denn Victor und Esmeralda sind einfach da, ohne dass man viel über ihre Hintergründe erfährt. Lange blieben mir Fragen wie: Wer sind die beiden eigentlich? Wo kommen sie her und warum sind sie jetzt dort? Und worum geht es überhaupt?
Bei der letzten Frage bin ich mir immer noch nicht sicher, ob das Buch mir eine Antwort darauf geliefert hat.

Merkwürdig fand ich auch den Schreibstil und dabei war ich hin- und hergerissen, ob ich »merkwürdig« in dem Fall nun gut finde oder nicht. Victor agiert in seinen Kapiteln als Ich-Erzähler. Er ist der stille Beobachter, der sich viele Gedanken macht – sowohl über sich und sein Leben als auch über das, was um ihn herum passiert. Von dem einsamen Hof im Wald lässt er seine Gedanken schweifen, mit einem Internetmodem als einziger Verbindung zur Welt, wie es scheint. Dieses Nachdenken war mir oftmals ein wenig zu viel und ich wollte Victor mehr als einmal schütteln und sagen »Nun mach doch endlich mal was!«. Dazu kommt, dass seine Beschreibungen oft nach dem Schema »Und dann passierte dies und dann jenes« ablaufen, was eine Spannung völlig vermissen lässt.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch wunderschöne Beschreibungen und Metaphern, die eine eindrucksvolle, ruhige Stimmung schaffen.

So setzt der Roman insgesamt mehr auf Stimmung und Nachdenklichkeit als auf Schnelligkeit und Spannung – was ich normalerweise ja sehr gerne mag. In diesem Fall war mir das Buch aber einfach zu ruhig. Die Handlung plätschert so dahin, ohne dass sie sich mir so recht erschließen wollte. Auch viele Fragen sind nach der letzten Seite offen geblieben, wie zum Beispiel, was es mit den schockartigen Zuständen des fremden Mädchens auf sich hat. So konnte ich zu den Charakteren – sowohl zu den beiden Protagonisten als auch zu Brigitte und Gustavo – keinen Bezug finden und das Erzählte ließ mich dadurch eher kalt.
Fazit
Ein ruhiger Roman über die Schatten der Vergangenheit und das Erwachsenwerden, der literarisch anspruchsvoll sein will, mir insgesamt aber zu nichtssagend war, um mehr als drei Eier zu vergeben.

4 Kommentare

  1. RoM sagt

    Salut, Moena.
    Macht ja Literatur ganz gerne, daß sie sich unnahbar und mysteriös gibt. Im seligen Literarischen Quartett polterten dann immer die Meinungsfronten aufeinander zu. 🙂

    Figuren, die die Welt aus sich selbst heraus betrachten, können durchaus spannend geschrieben sein. Nur braucht man/frau einen Ansatz, ein Trittbrett, um mitzufahren. Dem scheint es hier wohl zu fehlen.

    Nun, aus drei ungleichen Eiern läßt sich auch noch ein lecker Omlett machen. Sagt zumindest Ijon Tichy…

    bonté

    • Küchentechnisch bin ich ja alles andere als begabt. Ob aus den drei Eiern wirklich ein Omelett werden würde, darauf würde ich mich also nicht festlegen wollen. 😉

      Das Trittbrett, genau, das hat mir bei dem Buch gefehlt. Sehr schön ausgedrückt. Ob es wirklich nicht da ist oder ob ich es nicht gesehen habe, sei mal dahingestellt.

  2. Also ich hätte da 2 Punkte vergeben 🙂 Höchstens 2,5… ich weiß nicht… es klingt so, als wäre es wirklich mehr als nur langweilig. Obwohl es ja interessant am Anfang klang.
    Auch das Cover spricht mich an 🙂
    Jetzt weiß ich wenigstens, welches Buch nichts für mich wäre xD

    lg Alisia

    alisiaswonderworlderworldofbooks.blogspot.de

    • Na ja, drei Eier heißen bei mir: man kann das Buch lesen (sprich: der Schreibstil ist durchschnittlich und man muss sich nicht durch das Buch quälen), aber ich würde es nicht weiterempfehlen. In diesem Fall hat mir halt einfach irgendwie die Handlung gefehlt. Lesbar, aber das war's auch schon.

      Würde ich halbe Eier vergeben, wären es übrigens auch eher 2,5 gewesen. Aber da die Eier ungekocht sind (sonst würden sie bei den höheren Wertungen nicht mehr so freundlich lächeln), gäbe das eine ziemliche Sauerei. 😉

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