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[REZENSION] Lucy Christopher: »Isla Schwanenmädchen«


Lucy Christopher
Isla Schwanenmädchen

Originaltitel: Flyaway
Chicken House
1. Auflage, 2011
Hardcover
Seiten: 332
ISBN: 978-3-551-52017-3

Inhalt
Jedes Jahr warten wir auf sie. Sie kommen, wenn es kalt wird. Papa sagt,
sie kündigen Wundervolles an. Wir stehen ganz früh auf und beobachten,
wie sie über dem See kreisen, im Wasser landen und dann weiterziehen.
Sie sind so schön und stolz – und auch ein bisschen unheimlich. Aber in
diesem Jahr ist gar nichts wundervoll. Papa muss ins Krankenhaus, weil
er was Schlimmes am Herzen hat. Und ein einzelner Schwan bleibt einfach
auf dem See zurück, ganz allein. Irgendwas stimmt nicht mit ihm, so wie
bei Papa. Wenn ich es schaffe, dass der Schwan wieder fliegt und seine
Familie findet, vielleicht wird Papa dann ja wieder gesund …
Meine Meinung
»Isla Schwanenmädchen« ist eins der Bücher, die mir durch Zufall irgendwo auffallen und sofort mindestens auf meine Wunschliste wandern müssen, wenn sie nicht sogar gleich gekauft werden. Und es ist eins der Bücher, die mich schon nach wenigen Sätzen verzaubern konnten.

Ich-Erzählerin Isla (gesprochen »Eila«) lebt mit ihren Eltern und ihrem älteren Bruder Jack zusammen. Ihren Vater und sie verbindet die Liebe zu den Singschwänen, die sich jedes Jahr im nahegelegenen Naturschutzgebiet niederlassen, sobald der Winter kommt. Früh am Morgen stehen die beiden dann auf, um die wunderschönen Tiere zu beobachten. Doch in diesem Jahr droht alles in einer Katastrophe zu enden: Im Naturpark wurden neue Stromleitungen errichtet, die den Schwänen gefährlich werden; Islas Vater geht es schlecht und ausgerechnet, als die beiden gemeinsam die Schwäne verfolgen, bricht er zusammen und muss ins Krankenhaus eingeliefert werden. Diagnose: ein Herzleiden, das eine schwere Operation nötig macht. Es steht schlecht um ihn und nicht einmal die Ärzte können sagen, ob er überleben wird.

Bei ihren regelmäßigen Besuchen im Krankenhaus lernt Isla den gleichaltrigen Harry kennen. Er leidet an Krebs und muss deshalb dauerhaft im Krankenhaus liegen. Er hilft Isla, mit der Krankheit ihres Vaters umzugehen, während sie ihm immer öfter Gesellschaft leistet. Gemeinsam beobachten die beiden ein einsames Schwanenweibchen, das sich auf dem See hinter der Klinik niedergelassen hat. Es hat seinen Schwarm verloren und will nicht fliegen. Seltsamerweise scheint der Schwan aber auf Isla zu reagieren und ihr zu folgen.
Isla fasst einen Plan: Sie will den Schwan zum Fliegen bringen. Sie muss. Für ihren Vater, für Harry und vor allem für sich selbst.

Die Handlung des Romans setzt nicht auf Spannung. Die Atmosphäre ist sehr ruhig und von Beginn an unheimlich traurig. Trotzdem konnte ich das Buch schon nach der ersten Seite nicht mehr aus der Hand legen, denn der sehr einfache, aber wunderschöne Schreibstil und Islas Art zu erzählen nahmen mich sofort gefangen. Die meist sehr kurzen Kapitel und die hübsche Gestaltung sorgen außerdem dafür, dass man sich beim Lesen schnell wohlfühlt und ich habe mich mehr als einmal dabei erwischt, wie ich dachte »nur noch ein Kapitel« – und dann wurde daraus noch eins und noch eins …

Neben dem Schreibstil nahmen mich aber auch die Charaktere schnell für sich ein. Allen voran natürlich Isla, die ein sehr gefühlvolles und mitfühlendes Mädchen ist. Wie alt sie genau ist, wird im Buch übrigens nicht erwähnt. Ihre Gedanken und Gefühle und auch ihre Beschreibungen der Schwäne haben mich von der ersten Seite an das Buch gefesselt. Es fällt leicht, Isla zu folgen und sie zu mögen, ebenso wie sie einem die Schwäne näherbringt.
Ebenso sehr mochte ich Harry, den Isla durch Zufall in der Klinik kennenlernt. Mit seiner Krankheit geht er äußerlich scheinbar ganz locker um und er versucht trotz allem den Spaß am Leben nicht zu verlieren – obwohl er genau weiß, wie ernst es um ihn steht. Auch wenn es ihm schlecht geht, steht er Isla bei und ist für sie da. Sein größter Wunsch ist es, einmal das Krankenhaus zu verlassen und Isla zusammen mit ihrem Schwan zu sehen.

»Isla Schwanenmädchen« ist ein Roman, der ernste Themen behandelt. Vor allem den Umgang mit Krankheit und der Ungewissheit, der Möglichkeit des Sterbens. Aber auch Familie und Freundschaft kommen nicht zu kurz, Zusammenhalt und das Erwachsenwerden. So entfernt sich beispielsweise Islas Bruder Jack immer mehr von ihr und ihr Großvater weigert sich, seinen Sohn im Krankenhaus zu besuchen, weil er seit dem Tod seiner Frau keinen Fuß mehr in eine Klinik setzen will. Und dann kommen auch noch die Wirrungen des ersten Verliebtseins ins Spiel.
Für Isla gehören viel Mut und Entschlossenheit dazu, um in dieser Situation nicht unterzugehen.
Fazit
Ein bedrückender Roman, der ebenso verzaubert wie er zu Tränen rührt. Und am Ende kehrt die Hoffnung zurück – auf den weißen Schwingen der Schwäne.

8 Kommentare

  1. hach.. was für eine schöne Rezension 🙂
    Da ich zurzeit vieeel zu nah am Wasser gebaut bin, werd ich's mir mal auf meiner Wunschliste vormerken.. für einen richtig sonnigen Sommertag, an dem mich ernste, traurige Themen einfach niiiiicht aus der Bahn werfen können 😀

    • Danke! 🙂 Und das Buch ist wirklich toll. Hätte ich nicht einen Stapel ungelesener Bücher hier liegen, würde ich es gleich nochmal lesen.

  2. RoM sagt

    Salut, Moena.
    Ei, ein Kandidat für Dein Regal der Ewigkeit!?
    Und nochmals ei – Buck scheint bei der Bewertungsparade richtig zu strahlen. 🙂

    Allein aus Deinen Zeilen heraus kann ich durch die Zeilen des Romans segeln. Gut, ein "wenig" paßt auch meine musikalische Hintergrundbegleitung jetzt. "Ambient" von Brian Eno.

    bonté

    • Steht schon drin, im Regal. 😉

      Musikalisch passende Hintergrundbegleitung finde ich übrigens gut. Auch wenn es die bei mir eher selten zum Rezensionen-Lesen gibt.

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