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[REZENSION] Sara Zarr: »Nichts bleibt«


Sara Zarr
Nichts bleibt

Originaltitel: Once was lost
Aufbau
1. Auflage, 2012
Taschenbuch
Seiten: 256
ISBN: 978-3-351-04156-4

Inhalt
Sam ist die Tochter des beliebten Pastors im Ort – ein Übervater, der
alles richtig macht. Dabei ist in der Familie nichts wirklich in
Ordnung: Sams Mutter landet in der Entzugsklinik. Neben dem stets
vorbildlichen, charismatischen Ehegatten zu bestehen ist schwer – nicht
nur für die Mutter, auch für Sam. Und gerade, als Sam am Tiefpunkt ihres
bisherigen Lebens angelangt ist, passiert etwas, das ihre
Aufmerksamkeit erfordert: Die Schwester ihres Schwarms Nick
verschwindet. Nach und nach geraten alle, selbst Nick und Sams Vater,
unter Verdacht. Auf der Suche nach Antworten findet Sam auch viele
Wahrheiten über das Leben.
Meine Meinung
Es sind zwei Wochen im Sommer, die alles verändern. Für die fünfzehnjährige Samara, kurz Sam, ist auf einmal nichts mehr wie es war. Zuerst begibt sich ihre Mutter wegen ihrer Alkoholsucht in die Entzugsklinik und lässt Sam allein zu Hause zurück – mit ihrem Vater, der zwar ein angesehener Pastor, aber als Vater völlig unbrauchbar ist. Und mit den Geldsorgen, die ihre Familie plagen und die dafür sorgen, dass Sam vielleicht bald eine andere Schule besuchen muss. Aber gerade jetzt, wo Sam den Beistand ihres Vaters am meisten bräuchte, scheint der sich lieber um die junge Leiterin der Jugendgruppe zu kümmern. Mit ihren Problemen bleibt Sam da lieber für sich und stößt damit ihre besten Freunde vor den Kopf, von denen sie sich immer weiter entfernt und die gar nicht verstehen können, warum.

Und dann verschwindet plötzlich die dreizehnjährige Jody, die kleine Schwester von Nick, in den Sam heimlich verliebt ist. Die ganze Stadt ist auf den Beinen, um nach ihr zu suchen, doch erfolglos. Scheinbar kann nur noch ein Wunder helfen, Jody zu finden.

»Wunder passieren nur in Buntglasfenstern oder vor Tausenden von Jahren auf staubigen Jerusalemer Straßen. Nicht hier, nicht uns. Nicht, wenn wir sie brauchen.«

Der Roman wird aus der Sicht von Sam erzählt. Sie schildert jeden Tag der zwei langen Wochen im Sommer, in denen so viel passiert, das ihr Leben verändert. Eigentlich hätte Sam mit sich selbst genug zu tun. Sie vermisst ihre Mutter, weil der Rest der Familie – Sam und ihr Vater – zu Hause nichts auf die Reihe bekommt. Jeder Einkauf wird zum nervenaufreibenden Hin und Her zwischen dem knappen Budget und den begrenzten Fähigkeiten der beiden, was das Zubereiten von bekömmlichen Mahlzeiten angeht. Außerdem sieht es so aus, als müsste Sam demnächst eine andere Schule besuchen, da sich die Familie die teure Privatschule nicht mehr leisten kann.

Als Tochter des Gemeindepastors ist Sam natürlich mit dem Glauben an Gott aufgewachsen, was sehr oft Thema in ihren Gedanken ist. Regelmäßig besucht sie die kirchliche Jugendgruppe und ist bei den Predigten ihres Vaters anwesend. Doch besonders als Jody verschwindet, beginnt Sam, mit Gott und der Welt zu hadern und kämpft auch mit dem Verlust ihres Glaubens. Die Scheinheiligkeit, mit der alle in der Gemeinde versuchen, Jodys Familie beizustehen, ist Sam zuwider. Alle lächeln und beteuern, wie sehr sie auf Jodys Rückkehr hoffen, doch im Grunde sind sie ebenso wie die Medien lediglich an der Sensation interessiert.

Vielleicht ist es gerade das, was Sam und Jodys Bruder Nick verbindet und dazu führt, dass die beiden immer mehr Zeit miteinander verbringen. Sie geben sich gegenseitig Halt und als selbst Nick verdächtigt wird, etwas mit Jodys Verschwinden zu tun zu haben, scheint Sam die Einzige zu sein, die an seine Unschuld glaubt.

In »Nichts bleibt« geht es aber nicht nur um den Verlust von Glaube und Zuversicht, sondern auch um das Verlieren und Finden der eigenen Identität, des eigenen Platzes, das mit viel Mut verbunden sein kann. Auch Liebe und Zusammenhalt, sowohl unter Freunden als auch in der Familie, und der Umgang mit schwierigen Situationen werden thematisiert. Der einfache, eindringliche Schreibstil sorgt dafür, dass sich das Buch außerdem schnell und flüssig liest.

Das Ende des Romans wirkte auf mich allerdings etwas zu perfekt. Plötzlich scheinen sich alle Probleme von alleine aufzulösen und alles ist innerhalb von ein paar Seiten wieder gut.
Fazit
»Nichts bleibt« ist ein Roman, der zeigt, dass jedes Problem eine Zeit hat, um gelöst zu werden, und dass es sich lohnt, die Hoffnung niemals aufzugeben.

3 Kommentare

  1. RoM sagt

    Hallo Moena.

    Dann plustert sich für das Ende des Romans doch ein Wunder auf, oder!? Mit Seraphim, Wolkenlicht & Chorälen… 🙂
    Dabei scheint Sara Zarr (ein Psydonym?) die Hebel in der Spießbürgerlichkeit richtig anzulegen. Selbstherrlichkeit von der Kanzel, die Sucht der Ehefrau als "Betriebsunfall" und das Nichtverhältnis zur Tochter. Wahrhaft christlich.
    Oder urteile ich etwas zynisch über Pastor Perfect?

    bonté

    • So hab ich das noch gar nicht gesehen. 😉 Vielleicht war das tatsächlich die Absicht dahinter.

      Übrigens liegt dein Urteil über "Pastor Perfect" recht nahe und entspricht so ziemlich dem, was ich beim Lesen die meiste Zeit über dachte. Aber das ist mit Sicherheit auch so gewollt.

  2. Pingback: Monatsrückblick Februar 2013 – Das Bücherei

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