Allgemein, fünf Eier, Rezensionen
Kommentare 3

[REZENSION] Tobias Elsäßer: »Für niemand«


Tobias Elsäßer
Für niemand

Sauerländer
1. Auflage, 2011
Taschenbuch
Seiten: 165
ISBN: 978-3-7941-7090-6

Vier Jugendliche, vier Leben, jedes mit seinen eigenen Problemen. Sie kennen sich nicht, haben sich noch nie gesehen und trotzdem sind sie miteinander verbunden: Drei von ihnen planen in einem geheimen Chat ihren Tod, der vierte will sie retten.

»Für niemand« ist ein Jugendbuch, das sich einem wichtigen Thema widmet: Selbstmord als letzten oder einzig möglichen Ausweg.
Dabei behandelt Tobias Elsäßer das schwierige Thema gleich dreimal, denn jeder der drei Protagonisten hat einen anderen Grund, warum er nicht mehr leben möchte. Als Leser wird man darüber allerdings erst nach und nach eingeweiht, während man an der Seite der Protagonisten in kurzen Abschnitten jeweils abwechselnd deren Alltag und die geheimen Chatgespräche miterlebt. Für mich war das einer der Gründe, warum ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollte, denn anfangs war mir völlig unverständlich, warum die drei ihr Leben am liebsten beenden wollen, und genauso wie Yoshua, der heimlich die Chatgespräche der drei mitliest, wollte ich mehr erfahren.

Der zweite Grund, weshalb ich das Buch fast am Stück lesen musste, war Tobias Elsäßers Schreibstil. In nüchternen, meist ziemlich kurzen Sätzen werden die Leben der Jugendlichen beleuchtet, was an vielen Stellen fast schon emotionslos rüberkommt. Anfangs hätte ich nicht gedacht, dass so ein Stil zu diesem Thema passen könnte, aber es war genau diese Art des Erzählens, die das Buch für mich umso eindringlicher und bewegender machte.

»Du wirst frei sein. Ohne Angst. Ohne Erinnerung. Ist schließlich dein Leben. Wenn man schon nicht gefragt wird, ob man geboren werden will, ist es nur fair, dass man das Ende selber bestimmen darf.«

Die verschiedenen Figuren treten immer nur in kurzen Abschnitten auf und wechseln sich unregelmäßig ab. Dabei wird nicht alles gesagt, vieles muss man zwischen den Zeilen herauslesen oder selber zusammenreimen. Trotzdem erfährt der Leser genug, um mitfühlen zu können und geschockt zu sein. Die Beweggründe für den geplanten Selbstmord fand ich realistisch dargestellt und gerade deshalb so berührend. Besonders Marie hätte ich an vielen Stellen am liebsten einfach mal in den Arm genommen.

Das Ende des Romans kam für mich ziemlich überraschend. Nicht nur, weil das 165 Seiten dünne Buch so schnell durchgelesen war, sondern vor allem, weil ich mit diesem Ausgang nicht gerechnet hätte. Trotzdem wirkt die Wendung stimmig und im Nachhinein wie die einzig mögliche Lösung.
Fazit
Ein kurzer, aber intensiver Roman über ein immer aktuelles Thema.

3 Kommentare

  1. Ich bekomme gerade Lust, das Buch auch noch einmal zu lesen, weil ich mich an einige Dinge gar nicht mehr so ganz erinnern kann. Deine Rezension finde ich sehr gelungen.

    Liebe Grüße,
    Julia

    • Danke! 🙂
      Ich hab das Buch auch mehr oder weniger gleich zweimal gelesen, weil ich am Ende noch mal die ersten Kapitel überfliegen musste, um auf die kleinen Dinge zu achten, die man am Anfang noch gar nicht verstehen kann. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.