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[REZENSION] Watt Key: »Alabama Moon«


Watt Key
Alabama Moon

Originaltitel: Alabama Moon
Dressler
1. Auflage, 2008
Hardcover
Seiten: 347
ISBN: 978-3-7915-1114-9

Ein Junge auf der Suche nach seinem Glück, nach Freundschaft und Zugehörigkeit und auf der Flucht vor einem System, das ihn nicht sein lässt, was er ist.

Moon ist zehn, als sein Vater stirbt. Bis dahin haben die beiden allein in den entlegenen Wäldern Alabamas gelebt und sich einzig von der Natur ernährt. Doch nun ist Moon allein und um seinem Vater den letzten Wunsch zu erfüllen – nach Alaska zu gehen und dort andere Leute zu finden, die so leben wie die beiden – muss er allerhand durchmachen.
Von der Polizei und den Behörden verfolgt, landet Moon in einem Jugendheim, wo er seinen ersten richtigen Freund kennenlernt: Kit. Gemeinsam gelingt ihnen die Flucht in die Wildnis. Aber ihre Verfolger sind hartnäckig und Kit hat ganz andere Probleme als eine Reise nach Alaska.

»Alabama Moon« ist ein Abenteuerroman, über den ich bisher nur Gutes gehört hatte. Aus dem Grund stand das Buch schon seit Jahren auf meiner Wunschliste und ich war sehr gespannt darauf, als ich es vor Kurzem dann in den Händen hielt. Leider war ich danach nicht ganz so begeistert, wie ich es mir gewünscht hätte.

Dabei ist das Buch alles andere als schlecht: Die Geschichte ist spannend, es passiert ständig etwas Neues, nie wird es langweilig. Moons Leben im Wald ist vermutlich der Traum jedes abenteuerlustigen Zehnjährigen. Aber damit hatte ich ein Problem: Moon war mir zu perfekt. Er kann alles, was man zum Überleben in der Wildnis braucht – Fallen stellen, Tiere häuten, Unterstände bauen, für jedes Wehwehchen die richtigen Pflanzen finden und aus hundert Metern Entfernung ein Ziel mit dem Gewehr treffen. Dafür hat er keine Ahnung davon, wie man sich in der Zivilisation verhält.
Das alles ist zwar nachvollziehbar, brachte mir Moon als Hauptcharakter der Geschichte aber nie wirklich nahe. Viel sympathischer war mir Kit, dessen Geschichte aber viel zu kurz kommt.

So war »Alabama Moon« zwar ein Roman, den ich sehr schnell gelesen hatte, doch insgesamt brauchte die Geschichte ganze 327 Seiten, bis sie mich wirklich berührte. Vorher fiel es mir schwer, mit Moon zu leiden oder mitzufiebern, er war mir fast egal. Ich interessierte mich eher für das Schicksal der anderen beiden Jungs aus dem Heim, die mit ihm geflohen waren. Erst kurz vor Ende des Buches kam der Moment, in dem ich Moon am liebsten in den Arm genommen hätte, in dem ich seine Verzweiflung spüren und nachempfinden konnte.
Fazit
Als Kind hätte mir »Alabama Moon« bestimmt gut gefallen, denn die Geschichte ist interessant und spannend erzählt. Heute bekommt das Buch von mir dafür neutrale drei Eier, da ich mit Moon als Hauptfigur nicht richtig warm werden konnte.

4 Kommentare

  1. Grüß Dich, Moena.
    Rein aus dem Gefühl heraus würde ich denken, daß Dir der Roman aus Kits Perspektive mehr zu gafallen gewußt hätte. Mit dem Blick auf den Wildnis-Jungen. Mich würde ja die Motivation des Vaters für sein Leben abseits der modernen Zivilisation interessieren.
    Ob der Autor die ersten 327 Seiten als Kontrast zu den letzten 20 aufgebaut hat? Obschon ich zwischen Deinen Zeilen lese, daß er die Gewichtung weniger einseitig hätte aufbauen sollen.

    Wie es scheint hat sich Deine Monstera deliciosa das Buch gegriffen…
    🙂

    bonté

    • Da dürfte dein Gefühl wohl sehr richtig liegen. Allerdings wäre es dann auch eine ganz andere Geschichte geworden, denn Kit hat seine eigenen Hintergründe (über die ich gerne so viel mehr erfahren hätte!).

      Die Motivation des Vaters hat mich auch von Anfang an interessiert. Man erfährt auch das leider nur sehr vage und auf Vermutungen basierend: Er war als Soldat im Vietnamkrieg und danach hasste er die Regierung, die ihn wohl gegen seinen Willen dorthin geschickt hatte. Er wollte von dieser Regierung also nichts mehr haben und ihr nichts mehr geben müssen. Warum die Mutter das mitgemacht hat, wäre meine nächste Frage gewesen, aber über sie erfährt man leider so gut wie gar nichts.
      Als zehnjähriges Kind hinterfragt man solche Dinge vermutlich weniger. Deshalb auch meine Vermutung, dass mir das Buch damals vielleicht besser gefallen hätte.

      Einen geschulten Blick für Pflanzen hast du also auch noch, wie ich sehe. Die Monstera hört übrigens auf den Namen Hugo. 😉

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