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[REZENSION] Will Gatti: »Diebe!«


Will Gatti
Diebe!

Originaltitel: Two good thieves
Beltz & Gelberg
1. Auflage, 2010
Hardcover
Seiten: 414
ISBN: 978-3-407-81058-8

In der Hitze einer südamerikanischen Großstadt kämpfen Baz und Demi ums Überleben. Sie sind die Besten in ihrer Bande, sie sind die Meisterdiebe der Straße, ein unschlagbares Team. Sie fühlen sich unbesiegbar – bis Demi ausgerechnet die Frau des Polizei-Captains bestiehlt.
Plötzlich ist ihr Leben keinen Cent mehr wert. Als Demi bei ihrem bisher größten Raubzug angeschossen und verschleppt wird, hat Baz keine Wahl: Wenn sie ihren Freund retten will, muss sie sich ihren Verfolgern stellen. Und plötzlich stehen die beiden zwischen den Fronten einer korrupten Polizei und der brutalen Mafiaschläger des Slums.

»Dramatisch, rasant und voller Leidenschaft – ein Genuss« wird die Times auf der Rückseite des Buches zitiert. »Ein außergewöhnlicher Pageturner aus einer fremden, harten Wirklichkeit, der einen atemlos zurücklässt«, behauptet der Text auf der Innenklappe.
Nachdem ich mich durch die über 400 Seiten gelesen habe, fällt mein Urteil da etwas anders aus.

Mit einem hat der Klappentext recht: Will Gatti entführt den Leser tatsächlich in die labyrinthischen Gassen des südamerikanischen Barrio und lässt einen die trockene, stickige Luft des Vorstadtslums atmen. Ich konnte mir die Szenerie jederzeit bildhaft vorstellen, wenn sich Baz und Demi durch das heruntergekommene Armenviertel oder die belebte Innenstadt kämpften. Auch an Will Gattis Schreibstil kann ich nichts aussetzen. Baz und Demi sprechen zwar für meinen Geschmack etwas übertrieben umgangssprachlich, aber darüber konnte ich gut hinwegsehen. An einigen Stellen hat es Baz sogar tatsächlich geschafft, mir sympathisch zu sein.

Und damit sind wir auch schon bei dem Problem, das ich mit diesem Buch hatte: Es hat mich völlig kalt gelassen. Schlag auf schlag passiert den beiden jugendlichen Protagonisten, die fast noch Kinder sind, immerzu etwas Neues, das niemand in diesem Alter erleben sollte und das man sich hierzulande kaum vorstellen kann. Immer sind Baz und Demi auf der Flucht vor irgendwem, immer müssen sie achtsam sein, nie kommen sie zur Ruhe. Trotzdem kam für mich an keiner Stelle wirklich Spannung auf, ja teilweise fand ich den Roman sogar langweilig. Von der Dramatik, von der die Times schreibt, konnte ich nicht viel spüren, ebenso wenig von der Leidenschaft.

Auch mit den Charakteren konnte ich mich nicht wirklich anfreunden. Baz war die Einzige, die mich hin und wieder mit ihren Gedanken berühren konnte, aber nie genug, dass ich wirklich mit ihr gelitten oder mitgefiebert hätte. Es war schön zu sehen, wie sie in jeder Situation zu Demi hält und ihr Leben für ihn riskiert, sich sogar mit dem Feind einlässt, um ihn aus dem Gefängniskrankenhaus zu holen – aber das war es auch schon. Mehr Gefühl wollte bei mir einfach nicht aufkommen. Ebenso bei Demi und noch viel schlimmer bei den anderen wiederkehrenden Figuren des Buches. Die einzigen beiden Personen, die mir wirklich sympathisch waren, spielen nur kleine Nebenrollen.
Fazit
Schnell, rasant – ja. Dramatik und Leidenschaft – nein.
Für mich war »Diebe!« eher fader Kaugummi als ein Genuss.

2 Kommentare

  1. Grüß Dich, Moena.
    Einmal unabhängig vom Buch – ich empfinde solche lobenden Zitate, im Klappentext (oder auf Filmpostern) in der Regel als fade. Bei nichtigem Aussagewert – weil aus dem Text gerissen – erinnern sich mich weitaus öfter an billige Schlafzeilen.
    Oder das Zitat bleibt kryptisch; denn wie kann ein Film bitte "posthuman" sein?!

    Richtig peinlich wird es dann, wenn renomierte Kritiker plötzlich in Zitaten zu schreiben beginnen. Motto: "Ich will zitiert sein!".

    Sorry. Kam mir jetzt so bei Deiner Rezi spontan in den Sinn. 🙂

    bonté

    • Wofür denn das Sorry? Ich freue mich über jeden Denkanstoß, den ich liefern konnte, auch wenn er nichts mit dem rezensierten Buch zu tun hat. 🙂

      Natürlich sind das meistens billige Satzfetzen aus der Rezensionsgrabbelkiste, die man so auch auf jedes andere Buch (oder Filmplakat) drucken könnte. (Hat man hier vielleicht auch so gemacht. *hust*)
      Und wenn es das nicht ist, dann sind es Sätze mit möglichst vielen Fremdworten oder Wortschöpfungen, nach dem Motto: »Hey, ich klinge schwülstig – ich muss gut sein!«
      Beides ist für mich kein Kaufkriterium, letzteres sogar eher im Gegenteil. Aber wenn der Verlag sich dafür entscheidet, so einen Satz aufs Buch zu drucken, dann sollte man schon erwarten dürfen, dass er zumindest in die richtige Richtung geht. Meine Empfindungen zu diesem Buch gingen da eher in die entgegengesetzte.

      Und Kritiker, die nur schreiben, um zitiert zu werden, sind ohnehin peinlich, egal ob renomiert oder nicht. 😉

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