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[REZENSION] Mary E. Pearson: »Zweiunddieselbe«


Mary E. Pearson
Zweiunddieselbe

Originaltitel: The Adoration Of Jenna Fox
Fischer
2. Auflage, 2011
Taschenbuch
Seiten: 331
ISBN: 978-3-596-80860-1

Die siebzehnjährige Jenna erwacht nach eineinhalb Jahren aus dem Koma und kann sich kaum daran erinnern, wer sie ist oder wie es war, bevor ein Unfall sie aus ihrem gewohnten Leben riss. Doch ihre Eltern haben jedes einzelne Lebensjahr ihrer Tochter dokumentiert und auf DVDs festgehalten. Nach und nach kehren so Jennas Erinnerungen zurück. Nicht nur daran, wie man Gesichtsausdrücke deutet oder was bestimmte Worte heißen, sondern auch an die Jenna von früher, ihr Leben, ihre besten Freunde. Aber warum melden sich ihre Freunde nicht bei ihr? Warum verhalten sich Jennas Eltern so merkwürdig? Und warum will niemand über den Unfall reden?

»Zweiunddieselbe« ist ein Buch, das mich sehr zwiegespalten zurücklässt. Es wirft einerseits wichtige ethische Fragen auf, die wir uns in der heutigen Zeit und mit dem Fortschreiten von Wissenschaft und Medizin auch für die Zukunft stellen müssen. Wie weit dürfen Eltern aus Liebe zu ihrem Kind gehen? Wann ist es Zeit, ein Kind gehenzulassen? Beide Fragen stellt Mary E. Pearsons Roman in mehr als einer Hinsicht.

Andererseits war die Handlung stellenweise aber sehr vorhersehbar. Ich hatte über das Buch vorher nicht viel gehört und wusste nicht mehr, als der knappe Klappentext verrät. Über die Hintergründe wusste ich nichts. Nach nur zehn Seiten hatte ich allerdings das Gefühl zu wissen, in welche Richtung sich der Roman entwickeln würde. Ich empfand das nicht als schlimm, da man trotzdem erst in der Mitte des Romans erfährt, was mit Jenna wirklich los ist. Aber auch in der zweiten Hälfte des Romans wusste ich oft schon vorher, was als nächstes passiert und welche Dinge ganz sicher nicht passieren werden. Dadurch kam keine rechte Spannung auf und ich konnte nicht wirklich mit Jenna mitfiebern.

Dieses Gefühl wurde noch dadurch verstärkt, dass mir Jenna nur mäßig sympathisch war. So wie auch alle übrigen Charaktere im Buch. Zwar war mir auch keiner wirklich unsympathisch, aber mir blieben die Personen alle etwas zu blass. Die Handlungen der Eltern konnte ich nur teilweise nachvollziehen und selbst Lily, Jennas Großmutter, die mir von allen noch am liebsten war, konnte mich nicht ganz überzeugen.

Auch das Ende lässt mich grübeln – darüber, was ich davon halten soll. In einer Art Abspann wird hier weit in die Zukunft vorgespult und das Ganze macht den Eindruck eines märchenhaften ›Und wenn sie nicht gestorben sind …‹. Meiner Meinung nach passte dieses Ende nicht zum Rest des Romans und zu dem, was Jenna die ganze Zeit erreichen wollte.

Abgesehen davon, dass sich das Buch wie eine Werbekampagne für Netbooks liest (wirklich jeder im Buch benutzt ein Netbook), hatte ich dennoch meinen Spaß beim Lesen. Ich habe mich nicht gelangweilt, der Roman hat keine unnötigen Längen und hat mich hier und da auch zum Nachdenken gebracht.

Insgesamt ist »Zweiunddieselbe« ein nettes Buch für Zwischendurch, das große Fragen stellt, aber mich nicht vollständig überzeugen konnte.

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