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[REZENSION] Mara Lang: »Der Puls von Jandur«


Mara Lang
Der Puls von Jandur

im.press
1. Auflage, 2013
E-Book
Seiten: 328
ISBN: 978-3-64660-011-7

Auf »Der Puls von Jandur« bin ich zufällig beim Stöbern nach neuen E-Books gestoßen. Das Cover mit dem Drachen und der wunderschönen Gestaltung zog mich gleich magisch an und dass das Buch bisher ausschließlich gute Rezensionen hatte, sorgte dafür, dass es schnell auf meinem Reader landete. – Nach dem Lesen muss ich aber leider sagen, dass ich ganz anders empfunden habe als die anderen Rezensenten.

Die Geschichte an sich ist dabei eigentlich sehr spannend: Der fünfzehnjährige Matteo bemerkt eines Morgens aus heiterem Himmel, dass er unsichtbar zu sein scheint. Niemand nimmt ihn mehr wahr, seine Klassenkameraden unterhalten sich über ihn, als wäre er nicht im Raum. Was Matteo zuerst für einen schlechten Scherz hält, wird bald bittere Gewissheit: Er ist nicht nur unsichtbar, sondern besitzt gleich gar keinen Körper mehr! Das jedenfalls erzählt ihm Lith, ein Mädchen mit grünen Dreadlocks, das wie aus dem nichts auftaucht und die einzige zu sein scheint, die Matteo noch sehen kann.
Um sich nicht völlig in Luft aufzulösen und seinen Körper wiederzufinden, muss Matteo mit ihr in das Kaiserreich Jandur reisen. Dort erwacht er im Körper des kürzlich verstorbenen Prinzen Khor, der den Auftrag hatte, die Kaiserin zu töten, die das Reich tyrannisiert. Diesen Auftrag soll nun Matteo zu Ende führen, der allerdings gar keine Lust darauf hat, zum Mörder zu werden! Zusammen mit Lith beginnt eine lange und abenteuerliche Flucht quer durch Jandur, an deren Ende Matteo doch eigentlich nur seinen eigenen Körper zurückbekommen will.

Auch die Welt von Jandur fand ich zuerst sehr interessant. Jandur ist eine Fantasywelt mit fernöstlichem Charme und einigen außergewöhnlichen Wesen, die mir so noch nicht in anderen Büchern begegnet sind. Auch die verschiedenen Orte, die Matteo im Laufe der Geschichte besucht, sind sehr ideenreich gestaltet.
Mit der Zeit entwickelte sich die Geschichte aber zunehmend in eine Richtung, die ich einfach schon zu oft gelesen habe: Matteo als der Auserwählte, der eine besondere Kraft besitzt und die Welt retten soll. Die anderen – Lith, Lord Nador, die Kaiserin –, die jeweils ihre eigenen Ziele verfolgen und dabei natürlich nicht danach fragen, was Matteo möchte. Dass Matteo und Lith nicht lange nur Freunde füreinander bleiben und dass am Ende alles anders ist, als es am Anfang scheint, war ebenfalls keine Überraschung.

So fand ich das Geschehen zeitweise wirklich langweilig, obwohl Matteo die ganze Zeit auf der Flucht ist und immer etwas passiert. Dazu kommt, dass die Handlungen und Gedanken von Matteo für mich oft nicht nachvollziehbar waren. Teilweise ändert sich die Stimmung schlagartig von einer Zeile zur anderen ohne wirklich erkennbaren Grund, und wo sich Matteo und Lith eben noch geküsst haben, schreien sie sich plötzlich an und umgekehrt. So empfand ich die Liebe zwischen den beiden und später auch die plötzliche Zuneigung Matteos zu Lord Nador als wenig glaubwürdig.

Die meisten Charaktere in der Geschichte waren mir darüber hinaus ziemlich unsympathisch. Matteo als Hauptfigur empfand ich vor allem als langweilig. In der kurzen Sequenz am Anfang wird er von seinen Klassenkameraden als Macho und Angeber dargestellt, in Jandur ist er das ganze Gegenteil davon. Am unsympathischsten von allen war mir aber Lith. An sie kam ich einfach nicht heran und auch ihr Motiv hatte ich viel zu schnell durchschaut.

Insgesamt war mir die Geschichte zu oberflächlich. Der Schreibstil wirkte auf mich platt, an vielen Stellen ging mir das Geschehen zu schnell, während es besonders gegen Ende in lange Erklärungsdialoge ausufert, die dann plötzlich noch schnell alle offenen Fragen klären müssen.

Das Ende an sich war dann wieder spannend und offen genug, um Neugier auf den zweiten Band der Jandur-Saga zu wecken. Leider war es hier aber schon zu spät, um mich noch überzeugen zu können.

So vergebe ich zwei Eier für die interessante Welt von Jandur, die Mara Lang für mich leider nicht richtig zum Leben erwecken konnte.

5 Kommentare

    • Stimmt, es wäre ja auch furchtbar langweilig, wenn wir alle dieselben Bücher toll finden würden – dann bräuchte man auch keine Buchblogs mehr. Und wenn man nicht ab und zu auch mal ein Buch weniger gut fände, wüsste man am Ende die richtig guten Bücher wahrscheinlich nicht mehr genug zu schätzen.

  1. RoM sagt

    Grüß Dich, Moena.
    Die Bühne für das anberaumte Geschehen wirkt interessierend; wobei es den auf- und abtretenden Akteuren wohl an Klischee-Armut zu mangeln scheint. Strahlender Held, den Schnurbart zwirbelnden Bösewicht – fehlt noch die misstres in distress… 🙂

    Ein Bonmot unter Autoren soll sein, daß die Manuskript-Version, die man/frau gerne veröffentlichen würde, erst die Grundlage für den eigentlichen Roman bildet. So besehen ist e-publishing gern auch ein Sprung ins kalte Wasser – für beide Seiten.

    bonté

    • »wobei es den auf- und abtretenden Akteuren wohl an Klischee-Armut zu mangeln scheint« – Sehr schöne Umschreibung, die den Nagel auf den Kopf trifft. Und das, obwohl es hierbei eigentlich weder den strahlenden Helden noch den Schnurrbart zwirbelnden Bösewicht gibt. Mit Klischee-Charakteren habe ich auch nicht mal ein Problem, wenn sie mir dazu wenigstens sympathisch gewesen wären.

      Tatsächlich hatte ich hier eher das Gefühl, ein Indie-E-Book zu lesen. Von einem E-Book, das unter dem Dach von Carlsen erschienen ist, hatte ich etwas anderes erwartet. Aber allen anderen Rezensenten hat es bisher gefallen, von daher läuft das Ganze wohl unter dem Titel ›persönliche Abneigung meinerseits‹. Oder wie Danni oben schon so schön schrieb: »Geschmäcker sind unterschiedlich und das ist auch gut so«. 😉

  2. Pingback: Monatsrückblick April 2014 – Das Bücherei

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