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[REZENSION] Barbara Rose: »Welche Farbe hat die Angst?«


Barbara Rose
Welche Farbe hat die Angst?

Boje
1. Auflage, 2014
Hardcover
Seiten: 270
ISBN: 978-3-414-82409-7

Ich danke dem Verlag für die Zusendung des Leseexemplars.

Die fünfzehnjährige Katta ist überglücklich: Sie hat einen Sommermalkurs bei dem bekannten Künstler Josef Wild gewonnen und wird ihre Ferien endlich einmal ohne ihre Eltern und fernab des italienischen Urlaubsdomizils verbringen. Aber schon an ihrem ersten Tag in Goldbach stellt ihr Lehrer fest, dass Kattas Bilder auf fast unheimliche Weise dem Stil von Miriam ähneln, einer ehemaligen Schülerin, die vor Jahren Selbstmord beging. Auch Katta fühlt sich mit dem fremden Mädchen verbunden. Sie taucht in ihre Vergangenheit ein – und findet dabei erschreckende Dinge heraus. Doch irgendjemand scheint ein großes Interesse daran zu haben, dass die Geheimnisse von damals dort bleiben, wo sie sind.

»Welche Farbe hat die Angst?« ist ein Buch, das mich zwiegespalten zurücklässt. Die Geschichte an sich ist interessant aufgebaut und lässt den Leser miträtseln. Das Thema Eifersucht spielt eine große Rolle, nicht nur, als sich zwischen Katta und Alex, der die Ferien bei Verwandten in Goldbach verbringt, eine zarte erste Liebe entspinnt. Die auf mysteriöse Weise umgekommene Miriam ist seine Cousine und weder Alex noch seine Tante glauben daran, dass Miriam damals tatsächlich Selbstmord begangen hat. Zusammen machen sich Katta und Alex deshalb auf die Suche nach Spuren, begleitet durch seltsame Träume, die Katta heimsuchen und die eine Verbindung zu Miriam zu haben scheinen.
Auch die Kunst zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. Nicht nur das aquarellbunte Cover greift das Thema auf: Jede Kapitelüberschrift trägt den Namen einer Farbe und auch im Text finden sich immer wieder passende Metaphern und Beschreibungen.

Ein großes Manko war für mich allerdings die Vorhersehbarkeit der Handlung. Es ist einfach zu offensichtlich, wer hinter Miriams rätselhaftem Tod steckt. So war ich mir schon nach wenigen Seiten sicher, wie das Buch enden würde. Spannung kam dadurch natürlich kaum noch auf. Ein wenig mitfiebern konnte ich erst gegen Ende, als Katta selbst klar wird, mit wem sie es zu tun hat.

Auch Katta als Hauptcharakter konnte mich nicht wirklich überzeugen. Im Klappentext wird sie als Fünfzehnjährige beschrieben, aber die meiste Zeit wirkte sie auf mich eher wie zwölf. Der Schreibstil erschien mir stellenweise hölzern, die Dialoge gekünstelt, vor allem, wenn Katta »nee« statt »nein« sagt, obwohl ansonsten keine Umgangssprache verwendet wird.

Insgesamt ist »Welche Farbe hat die Angst?« ein nettes Buch für zwischendurch, dessen Handlung für meinen Geschmack aber zu konstruiert und vorhersehbar war.

13 Kommentare

  1. eine schöne Rezi 🙂 ich bin gleich so neugierig wenn es in Büchern um Kunst geht, aber leider gibt es nur sehr wenige, in denen diese Thematik auch wirklich toll in die Handlung integriert wurde…
    Mal sehen, vielleicht werde ich mir auch noch ein eigenes Bild von dieser Geschichte machen.

    ganz liebe grüße 🙂

    • Also wenn es dir NUR um die Kunst geht, kann man das Buch durchaus lesen. Die konsequente Umsetzung des Themas fand ich sehr gelungen. Nur den Rest halt leider nicht so.

  2. RoM sagt

    Grüß Dich, Moena.
    Demnach also ein Butler-ist-der-Mörder-Werk, wie mir scheint. Eine Vorhersehbarkeit, die ja auch ihren Unterhaltungswert bergen kann. In der einschlägigen Krimiware amerikanischer Strickart (TV), läßen sich die Mörder bereits nach wenigen Minuten festklopfe, weil als Figur belanglos für die kommenden 40 Minuten (Verdächtigen-Parade!). Dennoch wird diese Figur ostentativ in Szene gesetzt. Schließlich darf ja kein für den Zuschauer Unbekannter zuletzt entlarvt werden.
    Der Belustigungsgrad kann dann nur noch durch das hanebüchene Motiv getoppt werden; mein Spitzenreiter ist ja "weil er mir immer die Zeitung geklaut hat". Wohlgemerkt, für einen komplex ausgetüftelten Mord!

    Ich bin dermaßen was von abschweifend…. 🙂

    Vielleicht ist Katta ja auch einfach nur eine Spätstarterin, für ihre 15 Lenze.

    Dein Buch schmückt bereits mein Wohnzimmerschränkchen.

    bonté

    • Ja, so ähnlich. Nur dass es in der Geschichte keinen Butler (und auch keinen Gärtner) gibt. In dem Fall waren die ›versteckten‹ Hinweise auf den Täter so offensichtlich, dass es schon kein Wink mit dem Zaunpfahl mehr war, sondern mit dem Brückenpfeiler.
      Das Motiv war dann aber doch wenigstens ein bisschen nachvollziehbarer als »Sie hat mir die Zeitung geklaut«. Es ging auch nicht um zerdepperte Gartenzwerge oder so. 😉 (Abschweifen ist in diesen virtuellen vier Wänden jederzeit ausdrücklich erlaubt.)

      Und schön, dass das Buch angekommen ist! Das Buchregalbuch sucht noch seinen Platz im Buchregal. Möge es mich vielleicht dazu inspirieren, wo und wie der zu finden ist … Vielleicht stapele ich demnächst einen Couchtisch aus Büchern oder so. Sollte man dann eins davon dann je wieder in die Hand nehmen wollen, wird eine Runde Jenga gespielt. 😉

    • RoM sagt

      …in allerhöchster Not ließe sich ja besagter Band auch dekorativ auf einer Tischfläche platzieren.
      Für ausgiebig schöne Buchcover habe ich in meiner Wohnung einige "Display"-Flächen reserviert. Vorteilhaft auch, weil von jedem Sitzplatz Lektüre greifbar bleibt. 🙂

      bonté

    • Tischflächen sind mir als solche heilig. Mein Morgenritual besteht regelmäßig daraus, den Wohnzimmertisch von den Dingen zu befreien, die sich am Vortag dort so gesammelt haben. 😉

      Display-Flächen sind in unserer Wohnung leider eher dünn gesät. Und diejenigen, die es gibt, sind schon von diversen Kings und Pratchetts belegt. Aber es findet sich noch ein Platz! 😉

  3. Das Foto ist wirklich sehr schön geworden. Und: Hah, endlich ein Buch, von dem ich dachte, dass es auf die Wunschliste müsste. Und nun muss es gar nicht drauf. 😉

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