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[REZENSION] Nadine Erdmann: »Mind Ripper«


Nadine Erdmann
Mind Ripper

1. Auflage, 2014
E-Book
Seiten: 308

Vielen Dank an die Autorin für das Leseexemplar!

Ich gebe ja offen zu, dass ich Selfpublishing-Autoren immer erst mal skeptisch gegenüber stehe: Unter den unzähligen selbstverlegten E-Books habe ich bisher nicht viele gefunden, die mich überzeugen konnten, die meisten scheitern schon an den ersten paar Absätzen der Leseprobe, bevor sie überhaupt auf meinen Reader wandern.
Dementsprechend erwartete ich auch nicht allzu viel, als mich Nadine Erdmann anschrieb und fragte, ob ich daran interessiert wäre, ihr frisch veröffentlichtes Buch »Mind Ripper« zu lesen. Aber der Klappentext traf genau meinen Geschmack und auch die Leseprobe klang nicht schlecht. Beides erinnerte mich außerdem an Ursula Poznanskis »Erebos«, das ich sehr gern gelesen habe. Also nahm ich das E-Book an. Und ich bin froh, dass ich es getan habe, denn inzwischen kann ich sagen, dass meine Vorurteile in diesem Fall völlig ungerechtfertigt waren: »Mind Ripper« hat mich begeistert – von der ersten bis zur letzten Seite.

Welcher Jugendliche träumt nicht davon: sich im Netz mit Leuten treffen, die im realen Leben am anderen Ende der Welt wohnen, ein abenteuerliches Rollenspiel nicht nur mit ein paar Mausklicks vor dem Computerbildschirm verfolgen sondern selbst mittendrin sein und zum Schwert greifen, dem Alltag entfliehen und sogar körperliche Gebrechen hinter sich lassen, während man als Avatar ganz unbeschwert durch die virtuelle Welt läuft … All das und noch viel mehr ist möglich in der CyberWorld, in die Nadine Erdmann ihre Leser entführt.

Auch die sechzehnjährige Jemma und ihre Freunde lieben diese Onlinewelt, allen voran Jems Zwillingsbruder Jamie, der seit einem Unfall oft unter Schmerzen leidet. Doch plötzlich fallen drei Jungen während ihres Aufenthalts in der CyberWorld ins Koma. Ihre Körper sind unversehrt, doch ihr Bewusstsein scheint in der virtuellen Welt verschollen zu sein. Und auch Jem und den anderen kommen erste Bedenken: Immerhin sind die drei bewusstlosen Jungen alle in ihrem Alter und leben in derselben Stadt wie sie – was, wenn einer aus ihrer Gruppe der nächste ist?

Als Jem in einem Club auf Will trifft, fühlt sie sich schnell zu ihm hingezogen. Die beiden verbindet nicht nur die Sorge um ihre jüngeren Brüder, sondern auch ihre Vorliebe für CyberGames. Als Will davon erfährt, bittet er Jem, Jamie und Zack um Hilfe in einem bisher unveröffentlichten Spiel, das erschreckende Parallelen zu den realen Geschehnissen aufweist. Will ist überzeugt davon, dass die drei bewusstlosen Jungen Opfer eines Verrückten wurden, der im CyberNetz auf Seelenfang geht, und dass sie in den düsteren Wäldern von Dark Grove Hinweise auf die Identität des ›Mind Rippers‹ finden werden. So begeben sich die Jugendlichen gemeinsam auf die Suche in der virtuellen Welt – und kommen dem echten Mind Ripper dabei näher als ihnen lieb ist.

»Das Leben ist eben nicht einfach nur schwarz und weiß. Es besteht aus unendlich vielen Grauzonen, in denen man sich leicht verirren kann.«

Dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte, lag nicht nur an Nadine Erdmanns lebendigem Schreibstil, der sich flüssig und einfach lesen lässt und wirklich gut auf das Alter der Protagonisten passt, sondern vor allem an der gelungenen Mischung aus Science Fiction, Thriller und Emotionen. Das Buch ist spannend von der ersten Seite an und ich war jederzeit neugierig, wie es wohl weitergehen würde. Besonders die Kapitel in der CyberWorld fesselten mich an den Reader und die überraschenden Wendungen ließen die Geschichte nicht langweilig werden.
Aber die Geschichte spielt nicht ausschließlich in der virtuellen Welt: Auch in der Realität warten Probleme auf die jugendlichen Protagonisten. Hier spielt unter anderem das Erwachsenwerden eine große Rolle, die erste Liebe, aber auch ernste Themen wie das Leben mit Behinderungen und Krankheiten, Eifersucht, Lügen und Enttäuschungen. Hier gelingt es der Autorin nicht nur, jedem der zahlreichen Themen gerecht zu werden, sondern auch, sie mit so viel Einfühlungsvermögen zu behandeln, dass ich beim Lesen die eine oder andere Träne herunterschlucken musste.

Am meisten lebt das Buch aber von seinen Charakteren. Obwohl es in der Geschichte gleich fünf Hauptfiguren gibt, blieb für mich keine davon flach oder ungreifbar. Jeder der Protagonisten schlich sich im Laufe der Geschichte auf seine eigene Weise in mein Herz, ließ mich seine Geschichte erleben und mitfühlen. Ganz besonders Jamie und Ned haben mich mit ihren körperlichen Handicaps und ihrem Lebensmut immer wieder berührt, aber auch Zack, der immer für Jamie da ist und mit seiner Eifersucht zu kämpfen hat, habe ich ins Herz geschlossen.

»Mind Ripper« ist der Auftakt einer Reihe, wovon sich aber niemand abschrecken lassen sollte. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, sodass man das Buch genauso gut als Einzelband lesen kann – wenn man das denn will. Mich hat »Mind Ripper« begeistert und ich bin sehr gespannt, was Jem, Jamie, Zack, Will und Ned noch alles erleben werden.

4 Kommentare

    • Mist, da kann ich deine Wunschliste ja diesmal gar nicht verlängern … 😉 Aber das Buch ist toll, ich hoffe, dass es dir genauso gut gefällt. 🙂

  1. RoM sagt

    Grüß Dich, Moena.
    Sich in einer virtuellen Welt zu verlieren beinhaltet ja nicht nur den Aspekt einer realen Sucht; es geht auch darum wie sich unsere eigene Identität in der Virtualität abändert. Was, wenn die Illusion sich verselbstständigt und die Realität dort wie ein Albtraum wirkt. Ich bin die Figur, die eine Figur spielt – nur um zu erkennen, daß erstere Figur auch nur eine Illusion darstellt.
    Wie gesagt, das Thema ist sehr dankbar. Bleibt zu hoffen, daß der Roman auch seinen virtuellen Kosmos verlaßen kann, um im First Life zu glänzen.

    bonté

    • Kann er. Mich hat der Roman sehr schnell überzeugt. Und du hast recht: Das Thema (und einige andere, die darin vorkommen) ist sehr dankbar, was mich umso gespannter macht auf weitere Bände der Reihe. 🙂

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