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Zu viel Zeit + schlechtes Wetter = neue Bücher

Gestern habe ich endlich meine Bachelorthesis in der Hochschule abgeliefert. Und da mein Hin- und Rückflug nach Stuttgart zeitlich so weit auseinander lagen wie es nur ging, hatte ich nach der Abgabe dann noch viele – sehr viele – Stunden Zeit. Was also tun? Lesen im Schlosspark wurde schon nach kurzer Zeit ziemlich ungemütlich, da das herrliche Sommerwetter sich natürlich gerade dann verabschieden muss, wenn ich mit meiner Arbeit fertig bin und es endlich genießen könnte. Also tigerte ich ein bisschen die Königsstraße auf und ab und – wie sollte es auch anders sein – landete eher früher als später in einer Buchhandlung. Und wenn am Ende der Kassierer seinem Praktikanten zuruft »Halt! Bei dem Einkaufswert gibt es eine Stofftasche!«, dann weiß man, dass man wohl fürs Erste mal wieder genug Bücher gekauft hat.

Aber viel interessanter als mein Geblubber ist für euch wahrscheinlich, welche Bücher für diesen Einkaufswert und damit für die hübsche Stofftasche gesorgt haben – nicht wahr, Meike? 😉 Also will ich eure Neugier natürlich auch stillen:

David Safier: »28 Tage lang«
1943. Mira bringt sich und ihre kleine Schwester Hannah durch den harten Warschauer Ghetto-Alltag, indem sie unter Einsatz ihres Lebens Essen schmuggelt. Doch jetzt soll die gesamte Ghettobevölkerung umgebracht werden. Mira schließt sich dem Widerstand an. Der kann der übermächtigen SS länger trotzen als vermutet. Viel länger. Ganze 28 Tage lang.

Dieses Buch habe ich erst vor Kurzem in einem Tweet von Julia von Live. Love. Read. entdeckt. Gestern konnte ich dann nicht mehr daran vorbei gehen, als es gleich mit zwei verschiedenen Covern in der Buchhandlung lag. Von David Safier kenne ich bisher nur Humorvolles, ich bin sehr gespannt, wie er sich bei ernsteren Themen schlägt.
Kim Hood: »Das Schweigen in meinem Kopf«
Jo hat es nicht leicht: Sie ist allein mit ihrer psychisch kranken Mutter und auch in der Schule findet sie keinen Anschluss. Um den ständigen Hänseleien und dem Alleinsein zu entgehen, lässt sie sich auf ein Sozialprojekt ein: Freiwillig verbringt sie jede freie Stunde damit, dem 15-jährigen schwerbehinderten Chris Gesellschaft zu leisten. Und es ist komisch, aber gerade bei ihm kann sie sich öffnen, ihm von ihrem Kummer erzählen. Chris, der sonst auf wenig reagiert, scheint sie zu verstehen und ganz langsam entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den ungleichen Jugendlichen, die beide verändert und ihnen eine ganz neue Zukunft schenkt.

Ich kaufe ausgesprochen selten Taschenbücher und dieses Cover hätte mich normalerweise überhaupt nicht angesprochen, aber das Buch lag als ›persönliche Empfehlung‹ der Buchhändler aus, was mich dazu brachte, doch einen Blick auf den Klappentext zu werfen. Und der klingt nach einer Geschichte ganz nach meinem Geschmack – ich hoffe, dass er nicht täuscht.
Clare Furniss: »Das Jahr, nachdem die Welt stehen blieb«
Gerade ist Pearl mit ihren Eltern umgezogen, damit Platz ist für das neue Baby. Da bricht, völlig unerwartet, ihre heile Welt zusammen: Die Mutter stirbt bei der Geburt der kleinen Rose. Und Pearl ist mit ihrem Stiefvater allein. Das heißt, nicht ganz allein, denn da ist ja noch das Baby – der Eindringling, der schuld ist am Tod ihrer Mutter. Es dauert seine Zeit, bis Pearl lernt, mit ihrer Trauer umzugehen und sich gestatten kann, zurück ins Leben zu finden. Zurück zu ihren Freunden. Sich vielleicht sogar zu verlieben. Und Rose als Teil ihrer neuen Familie zu akzeptieren.

Ich gebe zu, hier lag es tatsächlich mal an der Eierschale auf dem Cover. 😉 Eigentlich hatte ich das Buch schon wieder zurück ins Regal gelegt, aber so richtig loslassen wollte es mich nicht. Und so landete es später dann doch wieder auf dem Stapel in meinem Arm.
Tom Avery: »Der Schatten meines Bruders«
Nach dem Tod ihres Bruders steht für Kaia die Welt still. Nichts ist mehr wie vorher. Bis der wilde, stumme Junge auftaucht. Ohne ein einziges Wort zu sprechen, wird er Kaias Freund. 

Dieses ist das zweite Buch, das schon auf meiner Wunschliste stand – obwohl ich das erst nach dem Kauf feststellte, weil ich mich gar nicht daran erinnern konnte. Aber irgendwie muss es wohl nach mir gerufen haben, denn dass ich das dünne Büchlein aus dem vollen Regal in der Buchhandlung gefischt habe, war reiner Zufall. Und weil ich »Das Licht zwischen den Meeren« unterwegs beendet hatte, habe ich »Der Schatten meines Bruders« auf dem Rückflug dann auch gleich schon zur Hälfte gelesen. 😉

Das sind sie also, die vier Neuen in meinem Regal. Kenn ihr eins davon schon? Oder stehen sie vielleicht auch auf eurer Wunschliste?

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Baujahr 1990, Lektorin und Leseratte. Schreibt auf www.das-buecherei.de übers Lesen und das Leben mit Büchern.

15 Kommentare

  1. Ich hoffe bald auf eine Rezension zu "Das Jahr, nachdem die Welt stehen blieb" von dir, denn ich liebäugle bereits einige Zeit damit, konnte mich bis jetzt aber noch nicht überwinden. 😉

    Ich wünsche dir viel Spaß mit deinen neuen Schätzen. Es ist immer wieder schön, dass man auch Bücher auf Blogs entdeckt, die noch nicht in aller Munde sind.

    • Na dann werde ich das doch als Anlass nehmen, das Buch bald zu lesen und bis dahin meine Rezensionen ein bisschen aufzuholen. Gut, dass du es sagst! 🙂

      Ich entdecke auch immer gern neue Schätze, egal ob auf Blogs oder in der Buchhandlung. Ich hatte gestern auch mit Kai Meyers »Phantasmen« geliebäugelt, aber davon habe ich inzwischen so viel gehört, dass ich mir das Buch auch gut vorstellen kann, ohne es selbst gelesen zu haben. Das ist dann die andere Seite davon, wenn ein Buch in aller Munde ist. Wobei David Safier sicherlich auch genug Aufmerksamkeit bekommt, die ist nur noch nicht so zu mir vorgedrungen. 😉

    • "Phantasmen" fand ich, ehrlich gesagt, auch nicht so toll. Worauf du aber warten kannst, wenn du Kai Meyer gern liest, ist "Die Seiten der Welt". Ich fand es ganz wundervoll 🙂

    • Ich habe bisher noch nichts von Kai Meyer gelesen, kann also gar nicht beurteilen, ob ich ihn gern lese. 😉 Der Klappentext von »Phantasmen« hat mich ja schon angesprochen, aber am Ende hat es eben doch nicht ›Kauf mich!‹ gerufen. Das tun tatsächlich eher solche Bücher, von denen ich noch nicht (zu) viel gehört habe.

  2. Konnichi wa, Moena san.
    Demnach hat sich der Süden nicht wirklich von seiner sonnig, wärmenden Seite gezeigt. Dem Buchladen war der herbstliche Umschwung wohlgetan. Bei "Stofftasche" kommt mir jetzt spontan der "Wittwer" in den Sinn… 🙂
    Immerhin, die Piloten hatten keinen "verdorbenen Fisch" gegessen* und im Sekretariat wurde der neue Kaffee-Vollautomat eingeweiht. Bingo!

    Wieso "Geblubber"? Nix ziert einen Text besser als ein gutes Intro.

    David Safiers Roman über Liebe, Kampf & Verrat hat für ein, zwei muffige Einwürfe im Feuilleton Sorge getragen, worin die Frage aufkam, ob es denn so gut sei, wenn Autoren vermehrt Beziehungsgeschichten vor dem Hintergrund der NS-Verbrechen spielen ließen. Die Keule "Verharmlosung" wurde gezogen.
    Kann etwas mehr propagierten Menschenhass aufdecken als eine Liebe im Antlitz der reinen Verzweifelung?!
    Abgesehen davon – bei Lubitsch & Chaplin lachen (!) wir über Hinkel.

    Weiters ebenso existenzialistische Themen, die nicht von Pappe sind. Deine Auswahl ist hier stets sehr feinfühlig. Bei letzterem Titel war es wohl der unbewußter Gedanke daran.

    Bei dem Buch von Claire Furniss bin ich mir fast sicher, daß Buck seine Finger im Spiel hatte. 🙂

    "Der Schatten meines Bruders" hält ein sehr wunderbares Cover-Motiv bereit.

    Übrigens weiß mir Deine fotographische Präsentation der "Schwaben-Beute" zu gefallen.

    bonté

    * beliebte Ursache in ollen Katastrophenschinken, damit die schwangere Stewardess, ein traumatisierter Veteran, oder der aufrechte Dreikäsehoch das Flugzeug landen durften

    • Nein, der Süden hat mich wettertechnisch gestern ziemlich im Stich gelassen, andernfalls hätte ich vermutlich mehr Zeit mit dem Lesen statt mit dem Kaufen von Büchern verbracht. 😉 Im Wittwer war ich gestern tatsächlich auch, aber der konnte mich nicht zum Kaufen verführen. Irgendwie habe ich es dort nur bis in die Jugendbuchecke im Erdgeschoss geschafft und fand auch deren Auswahl nur so semi-interessant. Gekauft habe ich dann ein paar Häuser weiter, aber der Buchtempel war auch groß genug.

      Ich muss ehrlich zugeben, dass ich das Feuilleton alles andere als aktiv verfolge. Ich finde meine Lesetipps lieber bei anderen Hobby-Leseratten, die mir nicht in zehn gestelzten Sätzen und dafür auf persönlicher Ebene mitteilen, warum ich ein Buch unbedingt lesen sollte. In dem Fall waren sogar nur 140 Zeichen nötig. 😉
      Und wenn sich zwei Menschen vor dem Hintergrund der NS-Verbrechen verlieben, dann ist das Verharmlosung derselben? Ob sich das die Opfer dieser Verbrechen damals auch gesagt haben? »Wir dürfen uns unter keinen Umständen verlieben, weil wir damit die Situation besser machen könnten?«
      Ich habe das Buch ja noch nicht gelesen, aber inzwischen schon zweimal das Wort ›beklemmend‹ im Zusammenhang damit gehört. So verharmlosend kann ich es mir also gar nicht vorstellen. Aber wir werden sehen.

      Meine bessere Hälfte beschwert sich regelmäßig über die ernsten Themen meiner Buchkäufe. 😉 Aber ich mag ernste Themen einfach lieber, weil sie mich eher berühren und zum Nachdenken bringen als heitere Geschichten. Außerdem haben sie oft ganz besondere Protagonisten. Ich bin gespannt, ob es bei den Büchern hier auch so sein wird. Also – eins davon habe ich ja inzwischen schon gelesen. 😉

      Freut mich übrigens zu hören, dass dir meine bildliche Buchpräsentation gefällt! Ich versuche ja immer, ein bisschen kreativ zu sein, es gelingt nur nicht an jedem Tag. Diesmal waren die kleinen Buchmarker aber eine Steilvorlage – die gab's gestern nämlich auch. Zum Markieren zukünftiger Zitate. 🙂

    • …über den Safier-Roman konnte ich bereits früher (als im Radio) Eindrücke gewinnen. Die Buchblogger sind hier eben fixer. 🙂
      Die Dampfschwaden des Feuilleton bekomme ich so nebenher geliefert; gewohnheitsmäßig läuft das Radio sobald ich zuhause bin.

      Wenn ich mir die Themen seiner Glossen so ansehe, habe ich nicht den Eindruck, daß er vor ernsten Gesellschaftsproblemen scheut. 🙂

      Angenehmes Mietzekraulen.

      bonté

    • Zumindest die Blogger, auf die die Verlage aufmerksam werden. 😉 Die müssen dann nur ihrem eigenen Sendeplan folgen – im Gegensatz zum Radio. (Ich bin ja so gar kein Radiohörer, fällt mir dabei gerade auf. Bei mir läuft nie eins. Allerdings bin ich auch kein Autofahrer, das kommt noch erschwerend hinzu.)

    • Na dann kannst du sicherlich früher etwas dazu sagen als ich. Ich bin dann einfach mal auf beide Meinungen gespannt. 😉

  3. Ich habe 28 Tage lang erst vor kurzem gelesen und um eine Liebesgschichte handelt es sich hier sicher NICHT! Und verharmlost wird hier auch nichts! Hat der herr Kritiker das Buch überhaupt gelesen? Aber egal…mach fdir selbst ein Bild davon! 😉 "Der Schatten meines Bruder" habe ich erst heute aus der Bücherei mitgenommen. Blogbeitrag kommt noch dazu 😉 Viel Spaß mit deinen neuen Büchern!
    Martina

    • Servus, Martina.
      "28 Tage lang" war in der damaligen Diskussion lediglich der Aufhänger, ging es doch eher allgemeiner um eine Reihe angelsächsicher Romane, die sich angeblich der Kulisse(n) des Zweiten Weltkriegs "bedienten".

      bonté

    • Hallo Martina!
      Natürlich mache ich mir selber ein Bild von dem Buch. Diskussionen im Feuilleton schrecken mich doch nicht ab, eher im Gegenteil. 😉
      »Der Schatten meines Bruders« habe ich inzwischen schon gelesen, das Buch ist ja nicht allzu dick. Mal sehen, ob dazu eine Rezension folgt. Dir auf jeden Fall viel Spaß beim Lesen! 🙂

  4. Auf deine Meinung zu "28 Tage lang" bin ich gespannt. Mich lässt das Buch immer noch nicht los. Als verharmlosend würde ich das Buch auch nicht bezeichnen, eher im Gegenteil. Es hat mich tiefer ins Thema eintauchen lassen und ich habe während und auch nach dem Lesen viel gegoogelt und mir Artikel zu den im Buch vorkommenden realen Personen durchgelesen und habe auch mehr über den Widerstand im Ghetto erfahren.

    "Das Schweigen in meinem Kopf" ist gerade sofort auf meine Wunschliste gewandert und am liebsten würde ich es gleich bestellen. Ob mich das Cover angesprochen hätte, weiß ich auch nicht. Der Titel hätte mich aber sicher neugierig gemacht.

    "Das Jahr nachdem die Welt stehen blieb" hat es dann auch gleich mal auf meine Wunschliste geschafft. Werden Eierschalen auf dem Cover gerade eigentlich modern? Irgendwie fühlt es sich so an, als gäbe es die immer häufiger.

    Auf deine Meinung zu "Der Schatten meines Bruders" bin ich ebenfalls gespannt. Rein von der Inhaltsbeschreibung her, kann ich mir da gerade noch nicht ganz so viel drunter vorstellen.

    Liebe Grüße & einen schönen Sonntag,
    Julia

    • Ich bin auch schon sehr gespannt auf »28 Tage lang«. Ich hatte das Buch ja so richtig nur durch deinen Tweet entdeckt, sonst wäre ich wahrscheinlich auch im Laden nicht darauf aufmerksam geworden. Ich bin ja selten ein Bestseller- oder Empfehlungswand-Käufer und das Buch war dort nun sogar gleich in doppelter Ausführung massenhaft präsentiert. (Warum gibt es das Buch eigentlich mit zwei unterschiedlichen Covern? Erfolgreiche Kundenverwirrung?)
      Inzwischen bin ich aber auch echt neugierig auf das Buch, ich glaube, es wird nicht mehr allzu lange auf dem SuB bleiben. Vorausgesetzt, ich bekomme mein derzeitiges Buch irgendwann mal durch.

      Ohne die Bücher gelesen zu haben, hätte ich auch darauf getippt, dass »Das Schweigen in meinem Kopf« und »Das Jahr, nachdem die Welt stehen blieb« dich ansprechen könnten. Und Eierschalen werden gerade modern? Ich kenne bisher nur zwei Buchcover mit Eierschalen drauf, aber wer weiß – vielleicht hat da jemand die Qualität von Eiern in Verbindung mit Büchern erkannt? 😉

      »Der Schatten meines Bruders« habe ich ja gleich auf dem Rückflug noch zur Hälfte gelesen und am nächsten Tag beendet. An sich ein gutes Buch mit einem ernsten Thema, aber ich fand die Geschichte zu dünn, um wirklich nahe zu gehen. Es war berührend und gut erzählt, aber mir fehlte ein bisschen die Tiefe, vor allem am Wendepunkt der Geschichte.

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