Allgemein, Rezensionen
Kommentare 7

[REZENSION] Horst Evers: Der König von Berlin

Ein Gastbeitrag von PhanThomas.

Horst Evers
Der König von Berlin

Rowohlt, 2014
Taschenbuch
Seiten: 384
ISBN: 978-3-499-25952-4

Manchmal kommt man ja vom Hölzchen aufs Stöckchen, wie das eben so ist im Leben. So ging es mir letztens auch mal mit Büchern. Ich hatte Urlaub und wollte was Beschwingtes lesen. Machte ich dann auch, und kaum hatte ich ein Buch durch, empfahl mein E-Reader mir was Ähnliches, das ich uuunbedingt lesen müsse, und weil ich ja Konsumopfer bin, machte ich das natürlich. So landete ich schließlich bei Horst Evers, dessen Geschichtensammlung »Für Eile fehlt mir die Zeit« sich so erfrischend las, dass ich mich endlich an »Der König von Berlin« wagte, den ersten Krimi aus Evers’ Feder. So viel gleich vorweg: zum Glück!

Der frischgebackene Hauptinspektor Lanner hat es als Landei aus Cloppenburg nicht leicht im Berliner Polizeialltag. Kollegen verhohnepiepeln ihn aufgrund seiner ländlichen Herkunft, wo’s eben geht, und selbst Passanten schicken den offenbar Zugezogenen bei Wegfragen gerne mal ans Ende der Welt, statt direkt ans Ziel – wie man das in Berlin eben so macht. Nun kommt auch noch die Leiche eines Mannes hinzu, den irgendwer im Garten des Mietshauses verscharrt hat und dessen Wohnung mit Bargeld vollgestopft ist bis unters Dach. Als wäre das nicht genug, gilt es plötzlich auch noch, den mysteriösen Todesfall des obersten Chefs eines Schädlingsbekämpfungsunternehmens aufzuklären, wo die Stadt doch ausgerechnet jetzt sowieso in Ratten zu ersaufen droht – also mehr als sonst. Irgendwie hängt alles zusammen, und Lanner wird schnell klar, dass er den Fall als provinzieller »Dorfsheriff« wohl kaum im Alleingang lösen können wird …

»Der König von Berlin« sprach mich aufgrund seines Titels und auch des Covers (Was, zum Henker, macht das Huhn auf dem Bahnsteig?!) schon seit geraumer Zeit an – und stieß mich zugleich ab. Bücher, die so heißen und so aussehen – das ist ja schnell mal ein Griff ins Klo. Hinzu kam, dass mir der Name Horst Evers schlicht nichts sagte. Evers, das ist so einer, von dem man sagt: »Kenn ich nicht«, bis man ihn mal googelt. Dann nämlich sagt man: »Ach DER Evers!« Genau, der Horst Evers. Der tritt nämlich hin und wieder auch mal im Fernsehen auf und gibt amüsante Erzählungen zum Besten, wobei der Humor niemals aufgesetzt oder nervig wirkt, sondern immer locker leicht wie ein Napfkuchen nach Omas Geheimrezept. So auch in »Der König von Berlin«: Was da an schrulligen Charakteren und Situationskomik aufgefahren wird, sucht in dem Genre schon seinesgleichen. Wenn Lanner sich zum x-ten Mal im weitläufigen Brandenburg verfährt oder seine Kollegin Carola Markowitz in einem Brandenburger Frittenlokal einer Verschwörung, äh, provinziellsten Ausmaßes auf die Schliche kommt, dann regt das schon ziemlich zum Schmunzeln an.

Trotz all seiner tänzerischen Schrulligkeit bleibt »Der König von Berlin« aber tatsächlich ein waschechter Krimi, der sich auch nicht scheut, immerhin augenzwinkernd Genreklischees en mass aufzufahren. Wer mal einen Nele-Neuhaus-Krimi gelesen hat, kennt das so ähnlich schon, Evers’ Krimi geht in seinen Verstrickungen der Handlungsteilnehmer allerdings nicht ganz so weit, wie die Autorin aus dem Taunus das gerne mal macht. »Der König von Berlin« ist sicher nicht actiongeladen wie eine Michael-Bay-Produktion, dafür aber charmant und unterhaltsam wie ein Simon-Pegg-Film (u.a. »Hot Fuzz«). Auch für Nichtberliner unbedingt zu empfehlen, sofern keine Krimiphobie diagnostiziert wurde. Ach ja, eine Sache verrate ich dann aber doch: Hühner auf Bahnsteigen sind mir während des Lesens keine begegnet.

7 Kommentare

  1. Hey 🙂
    Das hört sich ja toll an. Horst Evers gefällt mir als Autor sehr gut. Dieses Buch von ihm kannte ich noch gar nicht.

    Liebe Grüße
    Souci

    • Ich selber habe von Horst Evers noch nichts gelesen, aber meiner besseren Hälfte (also dem Verfasser der Rezension) hat das Buch wohl ziemlich gut gefallen. Lautes Lachen beim Lesen inklusive, zumindest das kann ich bezeugen. 😉

      Einen schönen Restsonntag!

    • Also wenn du Evers magst, kannst du das Buch wirklich lesen. Macht man nichts verkehrt mit. 🙂

      @Moena: Dabei könnte man erwähnen, dass ich aber auch ohnehin über viele Dinge lache, die du bspw. gar nicht witzig findest. 😉

      Viele Grüße
      Thomas

  2. Salut, Thomas.
    Aus der Hüfte heraus würde ich einmal spekulieren, daß das Cover-Huhn irgendwo für den Landei-Kommisär steht. Während eine riesige & anonyme City-Bahn auf ihn zurollt. Dazu der Untergrund der Subway. Es klappert hier gerazu vor lauter Metaphern.

    Wenn ich Dich weiter richtig verstehe, wirkt der verbaute Humor hier so komisch wie die scripted comedy auf Sat1 keimlos witzfrei ist. Alles Roger!

    bonté

    • Puh, das ist ziemlich gut gedeutet. Ehrlich gesagt, habe ich mir gar keine Gedanken über Deutungen gemacht, weil ich von einem Horst Evers erwartet hatte, dass eben auch irgendwo ein Huhn auftaucht. Vielleicht dachte der Covergestalter schlicht, ein Huhn auf dem Cover wäre witzig. Mitunter ist so was ja schon mal die Lösung solcher Rätsel.

      Na also ich fand den Humor hier sehr erfrischend, eben weil es ja ein Krimi ist. Gerade Brandenburg, von dort komme ich ja, hat mitsamt seiner Bewohner eine ganz eigene Schrulligkeit (muss man echt so nennen), die hier wunderbar rüberkommt. Also da fühlte ich mich schon nicht falsch umrissen. Geskriptet wirkt die Geschichte freilich, aber das ist bei anderen Krimis ja auch nicht anders, wo doch die Dinge immer derart zusammenhängen, wie es im wahren Leben vermutlich so gut wie nie der Fall sein dürfte. Aber die Charaktere sind wirklich schön, und der Humor wirkt nie bemüht. Von daher würde ich's jetzt wirklich nicht mit Sat 1 vergleichen. Sicher kein Douglas-Adams-Humor oder Pratchett, sondern sehr deutsch eben, jedoch unaufdringlich deutsch.

      Viele Grüße
      Thomas

    • …yep, gut möglich, daß der Grafiker lediglich in seine Ablage gegriffen hat. Kommisar Zufall. 🙂

      Nope – den angesprochenen Humor wollte ich jetzt nicht auf das unterkellerte Niveau einer Sat1-Comedy einäschern. Wenn ich von Deinen Texten auf Deine Ansprühe in Sachen Humor schließe (somit auf den des obigen Krimis), implodiert das Pointen-Killing des Privaten im eigenen Nichts.

      bonté

  3. Pingback: Monatsrückblick September 2014 – Das Bücherei

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.