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Rezension: Wolfs letzter Tag (Oliver Bantle)


Oliver Bantle
Wolfs letzter Tag

Tigerbaum Verlag, 1. Auflage 2014
Hardcover
116 Seiten
ISBN: 978-3-98151-728-6

Ich danke dem Verlag für die Zusendung des Leseexemplars.

Es gibt Bücher, die spannende Geschichten erzählen, die uns über 300 Seiten lang fesseln, berühren und begeistern, die uns in ihre Welten entführen und nicht mehr loslassen wollen, bis wir atemlos die letzte Seite umgeblättert und das letzte Wort gelesen haben. Und dann gibt es jene Bücher, die uns mit sprachlichen Bildern für sich einnehmen statt mit actionreicher Handlung, die uns zu Gedankenreisen einladen, zum Philosophieren und Träumen anregen und uns etwas über das Leben verraten. Ein solches Buch ist »Wolfs letzter Tag« von Oliver Bantle.

»Wem das Leben eine Aufgabe stellt, dem schenkt es auch die Kraft, die er dafür benötigt.«

Der Autor macht einen Wolf zum Protagonisten des 116 Seiten dünnen Büchleins. Wolf – so auch sein Name – spürt, dass sein letzter Tag gekommen ist. Er verabschiedet sich von seinem Rudel, das er einst als Alphatier führte, um nun ins Moor hinauszuziehen und dort die letzte Ruhe zu finden. Auf seinem Weg blickt er gemeinsam mit verschiedenen Weggefährten zurück auf ein langes, erfülltes Leben, auf Freund- und Feindschaften, Macht, Sehnsucht und Liebe. Dabei muss er sich auch unbequemen Fragen stellen: Was hast du in deinem Leben versäumt? Was bereust du? Würdest du dein Leben verlängern, wenn du könntest? Hättest du es anders leben wollen? Und was bleibt von den wichtigen Erlebnissen und Erinnerungen deines Lebens übrig, wenn du nicht mehr bist?

»Ist die Freude am Leben zu mager, muss man sie mästen.«

Die Erkenntnisse in »Wolfs letzter Tag« sind nicht neu, in anderen Büchern finden sich ähnliche Ansätze. Trotzdem ist der Roman auf seine Weise einzigartig. Als moderne Fabel führt er den Leser mit poetischer Sprache und tiefsinnigen Gedanken einmal durch Wolfs Leben – und dabei auch ein Stück durch das eigene. Wolf weiß genauso wenig wie wir alle, was ihn am Ende seines letzten Weges erwarten wird und doch kann er letztendlich beruhigt gehen. Oliver Bantle liefert damit einen literarischen Ratgeber zum Umgang mit dem Tod, der gleichzeitig wertvolle Lektionen über das Leben enthält.

»Das Schlimmste an der Angst ist nicht sie selbst. Sondern der Irrglaube, dass man mit ihr allein ist.«

Eine philosophische Geschichte über die Angst vor dem Lebensende und den Mut, den es braucht, um ihm aufrecht entgegenzugehen.

2 Kommentare

  1. Das hört sich aber nach einem sehr schönen Buch an, ich mag Erzählungen die mit philosophischen Gedanken geschmückt sind sehr gerne (sofern es mir möglich ist sie halbwegs zu begreifen…obwohl manchmal ist es auch reizvoll, wenn man sie gar nicht versteht).

    Praktischerweise gibt es dieses Buch auch als eBook-Ausgabe und ich ich habe es mir sogleich auf meine Wunschliste gesetzt 🙂

    Danke für die schöne Rezension!

    • Immer gerne! Freut mich, wenn meine Rezensionen tatsächlich zum Lesen (oder Wünschen) der Bücher anregen. 🙂
      Ich persönlich mag solche philosophisch angehauchten Erzählungen auch sehr gern. Es ist zwar sehr schnell gelesen, aber kein Buch, das man schnell wieder vergisst. Das zweite Buch des Autors steht inzwischen auf meiner Wunschliste. Ich bin schon gespannt, wann es wohl bei mir einziehen wird und ob es mir dann genauso gut gefällt.

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