Alle Artikel in: goldene Eier

Jahresrückblick 2015: Meine buchigen Jahreshighlights

Es ist mal wieder soweit: Noch wenige Stunden, dann ist das aktuelle Jahr Geschichte und ein neues beginnt. Und jedes Jahr an diesem Tag neigen wir dazu, die letzten zwölf Monate noch einmal zu durchdenken, die guten und weniger guten Tage, Wochen, Monate oder einfach nur Momente Revue passieren zu lassen, uns zu erinnern. Da nehme ich mich nicht aus. 2015: Wenig Ei, viel hinter der Schale Das Bücherei beging sein viertes Jahr insgesamt ziemlich ruhig. Blog- und lesetechnisch gesehen war 2015 wirklich nicht mein Jahr. 42 Bücher habe ich gelesen, das sind ziemlich exakt halb so viele wie 2014; rezensiert wurden davon gerade einmal schlappe zwei. Den Rest des Jahres gab ich mich einer hartnäckigen Unlust und Motivationslosigkeit hin. Privat tat sich da 2015 schon einiges mehr. Im Sommer fassten wir den Entschluss, uns nach den eigenen vier Wänden umzuschauen, um nicht länger auf den Mietmarkt in Berlin angewiesen zu sein. Gesagt, getan: Ein paar Monate später war der Kaufvertrag für ein kleines Reihenhäuschen unterschrieben, auf dessen Bau wir uns 2016 freuen können. Zur …

Rezension: Als Opapi das Denken vergaß (Uticha Marmon)

Der 21. September ist Welt-Alzheimertag. Passend dazu gibt es heute nach langer Zeit mal wieder eine Rezension von mir: Uticha Marmon Als Opapi das Denken vergaß Magellan Verlag Hardcover 1. Auflage, 2014 160 Seiten ISBN 978-3-7348-4004-3 Demenz. Wie mag es wohl sein, sich selbst zu vergessen? Wie soll man mit einem Angehörigen umgehen, der an Demenz erkrankt ist? Und vor allem: Wie soll man so etwas einem Kind erklären? Uticha Marmon gelingt das in »Als Opapi das Denken vergaß« auf eine bewegende, ganz eigene Art. »Demenz macht, dass man irgendwann vergisst, wie es geht, ein Erwachsener zu sein.« Als Mias Urgroßvater in die Wohnung neben Mias Familie einzieht, freut sich Mia ganz besonders. Jetzt hat sie ihren Opapi ganz in ihrer Nähe! Aber schnell muss Mia feststellen, dass etwas anders ist, denn ihr Urgroßvater hat Demenz. Was das genau ist, weiß Mia noch nicht, aber sie spürt, dass Opapi jetzt mehr Hilfe braucht als früher. Besonders an den schlechten Tagen, wenn in seinem Kopf das Licht ausgeht, sodass er die Orientierung verliert, und der böse …

[REZENSION] Erin Jade Lange: »Butter«

Erin Jade Lange Butter Originaltitel: Butter Rowohlt 1. Auflage, 2014 Taschenbuch Seiten: 331 ISBN: 978-3-499-21244-4 Der sechzehnjährige ›Butter‹ ist stark übergewichtig, Diabetiker und meistens allein. In der Mensa braucht er eine eigene Bank, sein Auto parkt auf dem Behindertenparkplatz und das Mädchen seiner Träume ist unerreichbar für ihn. Als er im Internet auf eine Liste stößt, in der ihm als wahrscheinlichste Zukunftsaussicht ein Herzinfarkt vorausgesagt wird, beschließt er zu handeln: Statt die anderen weiter über sich reden zu lassen, will er ihnen selbst etwas zum Reden geben! Auf seiner Homepage butterslastmeal.com kündigt er an, sich in der Silvesternacht vor laufender Kamera live zu Tode zu fressen. Er erwartet Spott oder vielleicht Mitleid. Aber das Gegenteil ist der Fall: Seine Mitschüler sind von Butters Plan begeistert und feiern ihn wie einen Helden. Und zum ersten Mal in seinem Leben hat er das Gefühl, wirklich dazuzugehören. Aber Silvester rückt unaufhaltsam näher – und für Butter gibt es kein Zurück mehr. Selten war ich von einem Jugendbuch so hin- und hergerissen wie von diesem. »Düster, komisch, herzzerreißend und …

[REZENSION] Emma Healey: »Elizabeth wird vermisst«

Emma Healey Elizabeth wird vermisst Originaltitel: Elizabeth is missing Lübbe 1. Auflage, 2014 broschiert Seiten: 346 ISBN: 978-3-7857-6110-6 Die 82-jährige Maud sucht ihre beste Freundin. Seit Wochen hat sich Elizabeth nicht mehr gemeldet und auch in ihrem Haus ist sie nicht. Doch immer, wenn Maud mit jemandem über Elizabeths Verschwinden reden will, reagieren die Menschen um sie herum genervt oder ignorieren sie einfach. Niemand glaubt ihr. Und oft ist Maud nicht einmal mehr sicher, ob sie sich selbst noch glauben kann. Denn Maud leidet an Alzheimer. Innerhalb von Minuten hat sie manche Dinge vergessen. Zur Erinnerung schreibt sie sich wichtige Dinge auf kleine Notizzettel. Und immer wieder taucht Elizabeth in ihren Notizen auf. Elizabeth wird vermisst, da ist sich Maud sicher. Aber warum will ihr niemand helfen? Warum hört ihr niemand zu? Gemeinsam mit dem Leser macht sich Maud auf die Suche nach Elizabeth, stellt Nachforschungen an und gibt sogar Vermisstenanzeigen auf. Dabei geraten Gegenwart und Erinnerung immer mehr durcheinander, denn Elizabeth ist nicht die einzige, die Maud vermisst: Als Maud noch ein Kind war, …

[REZENSION] Shane Jones: »Thaddeus und der Februar«

Shane Jones Thaddeus und der Februar Originaltitel: Light Boxes Eichborn 1. Auflage, 2010 Hardcover Seiten: 176 ISBN: 978-3-8218-6107-4 Seit fast neunhundert Tagen hat der kalte Februar die Stadt fest im Griff. Der Wechsel der Jahreszeiten ist Vergangenheit, Ballons und Drachen dürfen nicht mehr fliegen und Kinder verschwinden spurlos. Traurigkeit und Verzweiflung sind das Resultat. Nur Thaddeus gibt die Erinnerung an die warmen Tage nicht auf. Als der Februar ihm die Tochter und die Frau nimmt, erklärt er ihm den Krieg und zieht mit den anderen Stadtbewohnern in den Kampf gegen den endlosen Winter. Am Rande der Stadt stößt Thaddeus auf eine einsame Hütte und auf den Februar selbst: einen einsamen Mann, der eine Geschichte zu schreiben versucht. »Thaddeus und der Februar« ist eines dieser Bücher, die seit Monaten oder sogar Jahren auf meiner Wunschliste dümpelten, weil der Klappentext eine interessante Geschichte versprach, aber doch nie laut genug ›Lies mich!‹ geschrien haben, um sich gegen die vielen anderen Bücher auf der Liste durchzusetzen. Vor Kurzem hat es der 176 Seiten dünne Roman von Shane Jones dann …

[REZENSION] Lucy Christopher: »Isla Schwanenmädchen«

Lucy Christopher Isla Schwanenmädchen Originaltitel: Flyaway Chicken House 1. Auflage, 2011 Hardcover Seiten: 332 ISBN: 978-3-551-52017-3 Inhalt Jedes Jahr warten wir auf sie. Sie kommen, wenn es kalt wird. Papa sagt, sie kündigen Wundervolles an. Wir stehen ganz früh auf und beobachten, wie sie über dem See kreisen, im Wasser landen und dann weiterziehen. Sie sind so schön und stolz – und auch ein bisschen unheimlich. Aber in diesem Jahr ist gar nichts wundervoll. Papa muss ins Krankenhaus, weil er was Schlimmes am Herzen hat. Und ein einzelner Schwan bleibt einfach auf dem See zurück, ganz allein. Irgendwas stimmt nicht mit ihm, so wie bei Papa. Wenn ich es schaffe, dass der Schwan wieder fliegt und seine Familie findet, vielleicht wird Papa dann ja wieder gesund … Meine Meinung »Isla Schwanenmädchen« ist eins der Bücher, die mir durch Zufall irgendwo auffallen und sofort mindestens auf meine Wunschliste wandern müssen, wenn sie nicht sogar gleich gekauft werden. Und es ist eins der Bücher, die mich schon nach wenigen Sätzen verzaubern konnten. Ich-Erzählerin Isla (gesprochen »Eila«) lebt …

[REZENSION] Raquel J. Palacio: »Wunder«

Raquel J. Palacio Wunder Originaltitel: Wonder Hanser 1. Auflage, 2013 Hardcover Seiten: 380 ISBN: 978-3-446-24175-6 Inhalt Der zehnjährige August ist es gewöhnt, dass andere Menschen ihn anstarren oder ihm aus dem Weg gehen. Er weiß auch, dass die meisten Kinder nicht absichtlich gemein zu ihm sind. Sie wissen nur nicht, wie sie mit ihm umgehen sollen.  Der Grund dafür ist ein angeborener Gendefekt, der Auggies Gesicht entstellt. Weil er deshalb seit seiner Geburt so oft operiert werden musste, hat er noch nie eine richtige Schule besucht. In seiner Welt gab es meist nur ihn, seine Eltern und seine große Schwester Via. Doch jetzt soll August in die fünfte Klasse gehen und das wird nicht nur für ihn zur größten Herausforderung seines Lebens. Meine Meinung »Ich werde nicht beschreiben, wie ich aussehe. Was immer ihr euch vorstellt – es ist schlimmer.« »Wunder« ist eins der Bücher, auf die ich von selber vermutlich nie aufmerksam geworden wäre. Das Cover wäre mir im Laden bestimmt nicht aufgefallen und der Titel springt auf Anhieb auch eher weniger ins Auge. …

[REZENSION] Annabel Pitcher: »Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims«

Annabel Pitcher Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims Originaltitel: My Sister lives on the Mantelpiece Goldmann 1. Auflage, Mai 2012 Hardcover Seiten: 220 ISBN: 978-3-442-31253-5 Inhalt Der zehnjährige Jamie hatte eine Schwester namens Rose, aber wirklich erinnern kann er sich nicht mehr an sie. Seit sie vor fünf Jahren durch einen terroristischen Anschlag in London ums Leben kam, steht ihre Asche in einer Urne auf dem Kaminsims. Und seit diesem Tag ist seine Familie nicht mehr dieselbe. Sein Vater versinkt in Trauer, trinkt, um nicht daran denken zu müssen, und vergisst dabei, dass er noch zwei Kinder hat, die leben. Jamies Mutter hat das irgendwann nicht mehr ertragen und die Familie verlassen, um weit weg mit einem anderen Mann zu leben. Nur Jamies große Schwester Jas kümmert sich um ihn. Dabei hat sie ihre ganz eigenen Probleme und die fehlende Aufmerksamkeit ihrer Eltern kann auch sie nicht ersetzen. Erst als Jamie in der Schule Sunya kennenlernt, wird alles anders – wenn auch nicht unbedingt einfacher. Meine Meinung »Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims« war eine …

[REZENSION] Barbara Wersba: »Ein Weihnachtsgeschenk für Walter«

Barbara Wersba Ein Weihnachtsgeschenk für Walter Originaltitel: Walter – The Story of a Rat Tulipan 2. Auflage, 2007 Hardcover Seiten: 60 ISBN: 978-3-939944-06-5 Inhalt Walter ist keine gewöhnliche Ratte, denn er kann lesen. Er lebt im Haus von Miss Pomeroy, einer alten Dame, die Kinderbücher schreibt und eine herrliche Bibliothek besitzt. Dort macht Walter jedoch eines Tages eine erschütternde Entdeckung: Der Held in Miss Pomeroys Kinderbüchern ist ausgerechnet eine Maus! Walter, der als kultivierte Ratte sehr unter dem schlechten Ruf seiner Artgenossen leidet, ist zutiefst gekränkt und beschließt, Miss Pomeroy einen Brief zu schreiben. So beginnt eine ungewöhnliche Freundschaft. Meine Meinung »Ein Weihnachtsgeschenk für Walter« entdeckte ich zufällig durch die Vorstellung auf einem anderen Blog. Da es mich sofort begeisterte, bestellte ich es noch kurz vor Weihnachten. Und das Buch hat mich nicht enttäuscht. Schon beim Auspacken habe ich mich in das Buch verliebt. Die Gestaltung ist passend zur Geschichte und der Leinenstreifen am Buchrücken und das rote Vorsatzpapier wirken weihnachtlich. Innen finden sich dann 21 schwarz-weiße Federzeichnungen, die den Text wunderschön und passend illustrieren. …

[REZENSION] Marjolijn Hof: »Tote Maus für Papas Leben«

Marjolijn Hof Tote Maus für Papas Leben Originaltitel: Een kleine kans Bloomsbury 1. Auflage, 2008 Hardcover Seiten: 104 ISBN: 978-3-8270-5323-7 »Tote Maus für Papas Leben« ist eins der Bücher, die man einfach lieben muss. Ich habe es während meiner Ausbildung in der Kinderbuchabteilung entdeckt und mich schon auf der ersten Seite in das Buch verliebt. Seitdem habe ich es mehrmals gelesen und bin immer noch genauso verzaubert wie am Anfang. Erzählt wird die Geschichte der zehnjährigen Kiki. Sie lebt zusammen mit ihrer Mutter, die kaputte Dinge liebt und sich am liebsten damit beschäftigt, alte Schränke neu anzumalen, und mit Hündin Mona, die an beiden Enden seufzen kann. Kiki macht sich Sorgen um ihren Vater, der als Arzt regelmäßig in Kriegsgebiete reist, um dort den Menschen zu helfen. Sie hat große Angst, denn sie hat gehört, dass verirrte Kugeln auch Menschen treffen können, die unschuldig sind. Was, wenn so eine Kugel ausgerechnet ihren Vater trifft? Da hilft es auch nicht, dass ihr alle sagen, wie unwahrscheinlich so etwas ist. Und als ihr Vater dann plötzlich vermisst …