Alle Artikel in: Rezensionen

Rezension: »Die Küche ist zum Tanzen da« (Marie-Sabine Roger)

Es gibt nur sehr wenige Autoren, von denen ich jeden neu erschienenen Roman sofort kaufen würde, ohne vorher zumindest einen kurzen Blick auf den Klappentext geworfen zu haben. Marie-Sabine Roger ist eine davon.
Auch ihr neuestes Buch »Die Küche ist zum Tanzen da«, das vor ein paar Monaten im Atlantik Verlag erschienen ist, lockte mich wieder mit dem hübschen weißen Cover, enthält aber im Gegensatz zu seinen Vorgängern keinen zusammenhängenden Roman, sondern vierzehn einzelne Kurzgeschichten. Aber kann Marie-Sabine Roger damit genauso überzeugen wie in der Langform?

Rezension: Heute beginnt der Rest des Lebens (Marie-Sabine Roger)

Marie-Sabine Roger Heute beginnt der Rest des Lebens Originaltitel: Trente-six chandelles übersetzt von Claudia Kalscheuer Atlantik, 1. Auflage 2015 Hardcover 256 Seiten 978-3-455-60020-9 Sein sechsunddreißigster Geburtstag ist für Mortimer alles andere als ein Grund zum Feiern. Schließlich sind alle männlichen Vorfahren seiner Familie – das hat er akribisch recherchiert – an ihrem sechsunddreißigsten Geburtstag um elf Uhr vormittags verstorben. Seinen Vater, Großvater und Urgroßvater erwischte es jeweils auf ziemlich unschöne Weise und vor allem ziemlich unvorbereitet. Nicht so Mortimer: Er hat pünktlich Job und Mietvertrag gekündigt, sein Auto verkauft und liegt am Vormittag seines Wiegenfestes im eigens dafür besorgten Beerdigungsanzug im Bett, bereit aus dem Leben zu scheiden – und wird wider Erwarten vom Familienfluch verschont. Was jeden anderen aber erleichtert aufatmen lassen würde, stellt Morty vor schwierige Entscheidungen. Denn plötzlich muss der Mann, der nie irgendwelche Ambitionen in Bezug auf Karriere oder zwischenmenschliche Bindungen hatte, anfangen zu leben – und das ist für Mortimer, der sich dem Leben bislang konsequent verweigert hat, gar nicht so leicht. »Alles hätte mich davon überzeugen müssen abzuhauen, zu …

Rezension: back to blue (Rusalka Reh)

Rusalka Reh back to blue Magellan, 1. Auflage 2015 Hardcover 208 Seiten ISBN: 978-3-7348-5606-8 Ich danke dem Verlag für die Zusendung des Leseexemplars. Eine glückliche Familie, in der man über vieles reden und gemeinsam lachen kann – für die meisten Kinder und Jugendlichen ist das völlig normal. Wie es sich aber anfühlt, wenn Eltern ihrem Kind die Flügel stutzen, statt es beim Flüggewerden zu unterstützen, zeigt Rusalka Reh mit ihrem Roman »back to blue«. Kid ist sechzehn und zum ersten Mal verliebt. Damit könnte ihr Leben gerade eigentlich perfekt sein, wären da nicht ihre Eltern oder ›das Duo‹, wie sie die beiden nennt. Statt elterlicher Liebe ist Kid gewöhnt an Spott, Zurechtweisungen und sogar körperliche Übergriffe. Zuhause macht sie sich deshalb am liebsten unsichtbar, versteckt, was sie liebt und was ihr Spaß macht – aus Angst, dass man es ihr nehmen oder zumindest schlechtreden könnte. »Lieben Mütter ihre Kinder? Von Natur aus? So was wird doch immer behauptet! Dass die Frauen dann irgendwelche Hormone ausschütten, die sie ihre Kinder lieben lassen, egal, wie schrecklich sie …

Rezension: Wolfs letzter Tag (Oliver Bantle)

Oliver Bantle Wolfs letzter Tag Tigerbaum Verlag, 1. Auflage 2014 Hardcover 116 Seiten ISBN: 978-3-98151-728-6 Ich danke dem Verlag für die Zusendung des Leseexemplars. Es gibt Bücher, die spannende Geschichten erzählen, die uns über 300 Seiten lang fesseln, berühren und begeistern, die uns in ihre Welten entführen und nicht mehr loslassen wollen, bis wir atemlos die letzte Seite umgeblättert und das letzte Wort gelesen haben. Und dann gibt es jene Bücher, die uns mit sprachlichen Bildern für sich einnehmen statt mit actionreicher Handlung, die uns zu Gedankenreisen einladen, zum Philosophieren und Träumen anregen und uns etwas über das Leben verraten. Ein solches Buch ist »Wolfs letzter Tag« von Oliver Bantle. »Wem das Leben eine Aufgabe stellt, dem schenkt es auch die Kraft, die er dafür benötigt.« Der Autor macht einen Wolf zum Protagonisten des 116 Seiten dünnen Büchleins. Wolf – so auch sein Name – spürt, dass sein letzter Tag gekommen ist. Er verabschiedet sich von seinem Rudel, das er einst als Alphatier führte, um nun ins Moor hinauszuziehen und dort die letzte Ruhe zu …

Rezension: Die Liebe zu so ziemlich allem (Christine Vogeley)

Christine Vogeley Die Liebe zu so ziemlich allem Droemer Knaur Hardcover 1. Auflage, 2014 464 Seiten ISBN 978-3-426-65347-0 Ich danke dem Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars. »Die Liebe zu so ziemlich allem« von Christine Vogeley ist eines der Bücher, die mir normalerweise wohl nie in die Hände gefallen wären, hätte nicht der Zufall seine Finger im Spiel gehabt. In der Buchhandlung hätten mich wahrscheinlich weder das Cover noch der Klappentext besonders angesprochen und ein Museum klang nun auch nicht gerade nach dem spannendsten Setting. Vor Kurzem erhielt ich dann aber eine E-Mail, in der mir das Buch zur Rezension angeboten wurde, und diese Mail enthielt nicht nur den Klappentext und das Buchcover, sondern auch den kleinen Leo und die Aufforderung ›Retet die Waale‹ auf seinem Schulranzen. Da war es um mich geschehen, denn ich witterte eine Geschichte mit liebenswerten Figuren, über die ich mehr wissen wollte. Und obwohl »Die Liebe zu so ziemlich allem« nicht ganz in mein übliches Leseschema fällt, hat es mich in dieser Hinsicht nicht enttäuscht – interessante und liebenswerte Figuren …

Rezension: Als Opapi das Denken vergaß (Uticha Marmon)

Der 21. September ist Welt-Alzheimertag. Passend dazu gibt es heute nach langer Zeit mal wieder eine Rezension von mir: Uticha Marmon Als Opapi das Denken vergaß Magellan Verlag Hardcover 1. Auflage, 2014 160 Seiten ISBN 978-3-7348-4004-3 Demenz. Wie mag es wohl sein, sich selbst zu vergessen? Wie soll man mit einem Angehörigen umgehen, der an Demenz erkrankt ist? Und vor allem: Wie soll man so etwas einem Kind erklären? Uticha Marmon gelingt das in »Als Opapi das Denken vergaß« auf eine bewegende, ganz eigene Art. »Demenz macht, dass man irgendwann vergisst, wie es geht, ein Erwachsener zu sein.« Als Mias Urgroßvater in die Wohnung neben Mias Familie einzieht, freut sich Mia ganz besonders. Jetzt hat sie ihren Opapi ganz in ihrer Nähe! Aber schnell muss Mia feststellen, dass etwas anders ist, denn ihr Urgroßvater hat Demenz. Was das genau ist, weiß Mia noch nicht, aber sie spürt, dass Opapi jetzt mehr Hilfe braucht als früher. Besonders an den schlechten Tagen, wenn in seinem Kopf das Licht ausgeht, sodass er die Orientierung verliert, und der böse …

[REZENSION] Horst Evers: Der König von Berlin

Ein Gastbeitrag von PhanThomas. Horst Evers Der König von Berlin Rowohlt, 2014 Taschenbuch Seiten: 384 ISBN: 978-3-499-25952-4 Manchmal kommt man ja vom Hölzchen aufs Stöckchen, wie das eben so ist im Leben. So ging es mir letztens auch mal mit Büchern. Ich hatte Urlaub und wollte was Beschwingtes lesen. Machte ich dann auch, und kaum hatte ich ein Buch durch, empfahl mein E-Reader mir was Ähnliches, das ich uuunbedingt lesen müsse, und weil ich ja Konsumopfer bin, machte ich das natürlich. So landete ich schließlich bei Horst Evers, dessen Geschichtensammlung »Für Eile fehlt mir die Zeit« sich so erfrischend las, dass ich mich endlich an »Der König von Berlin« wagte, den ersten Krimi aus Evers’ Feder. So viel gleich vorweg: zum Glück! Der frischgebackene Hauptinspektor Lanner hat es als Landei aus Cloppenburg nicht leicht im Berliner Polizeialltag. Kollegen verhohnepiepeln ihn aufgrund seiner ländlichen Herkunft, wo’s eben geht, und selbst Passanten schicken den offenbar Zugezogenen bei Wegfragen gerne mal ans Ende der Welt, statt direkt ans Ziel – wie man das in Berlin eben so macht. …

[REZENSION] Christian Eisert: Kim & Struppi – Ferien in Nordkorea

Ein Gastbeitrag von PhanThomas. Christian Eisert Kim & Struppi – Ferien in Nordkorea Ullstein, 2014 E-Book 320 Seiten ISBN: 978-3-8437-0702-2 Es gibt so Dinge, die man im Leben mal gemacht haben sollte, bevor eines Tages der Deckel auf die Holzkiste kommt: Aronal und Elmex verwechseln beispielsweise, eine Vollkaskoversicherung abschließen und dann blind rückwärts einparken, oder in der laufenden Hotelzimmerdusche kalte Cola trinken (Check!). Wer seine Liste bereits durch hat, oder für wen all das kalter Kaffee ist, der könnte mal so was Verrücktes machen wie Ferien in Nordkorea. Der TV-Autor und Satiriker Christian Eisert hat sich diesen kleinen Traum erfüllt und seine Erlebnisse in einem bunten Büchlein mit dem lockerflockigen Namen »Kim & Struppi — Ferien in Nordkorea« niedergeschrieben. Alles fängt 1988 in Ostberlin an. Als an Eiserts Schule eine nordkoreanische Delegation zu Besuch kommt, hört er von einer großen regenbogenfarbenen Wasserrutsche, die der »Große Führer« Kim Il-sung für die Landeskinder errichtet haben soll. Der Gedanke an die Wasserrutsche bleibt hängen, und 25 Jahre später ist es so weit: Zusammen mit seiner Bekannten, der Journalistin …

[REZENSION] Barbara Rose: »Welche Farbe hat die Angst?«

Barbara Rose Welche Farbe hat die Angst? Boje 1. Auflage, 2014 Hardcover Seiten: 270 ISBN: 978-3-414-82409-7 Ich danke dem Verlag für die Zusendung des Leseexemplars. Die fünfzehnjährige Katta ist überglücklich: Sie hat einen Sommermalkurs bei dem bekannten Künstler Josef Wild gewonnen und wird ihre Ferien endlich einmal ohne ihre Eltern und fernab des italienischen Urlaubsdomizils verbringen. Aber schon an ihrem ersten Tag in Goldbach stellt ihr Lehrer fest, dass Kattas Bilder auf fast unheimliche Weise dem Stil von Miriam ähneln, einer ehemaligen Schülerin, die vor Jahren Selbstmord beging. Auch Katta fühlt sich mit dem fremden Mädchen verbunden. Sie taucht in ihre Vergangenheit ein – und findet dabei erschreckende Dinge heraus. Doch irgendjemand scheint ein großes Interesse daran zu haben, dass die Geheimnisse von damals dort bleiben, wo sie sind. »Welche Farbe hat die Angst?« ist ein Buch, das mich zwiegespalten zurücklässt. Die Geschichte an sich ist interessant aufgebaut und lässt den Leser miträtseln. Das Thema Eifersucht spielt eine große Rolle, nicht nur, als sich zwischen Katta und Alex, der die Ferien bei Verwandten in Goldbach …

[REZENSION] Erin Jade Lange: »Butter«

Erin Jade Lange Butter Originaltitel: Butter Rowohlt 1. Auflage, 2014 Taschenbuch Seiten: 331 ISBN: 978-3-499-21244-4 Der sechzehnjährige ›Butter‹ ist stark übergewichtig, Diabetiker und meistens allein. In der Mensa braucht er eine eigene Bank, sein Auto parkt auf dem Behindertenparkplatz und das Mädchen seiner Träume ist unerreichbar für ihn. Als er im Internet auf eine Liste stößt, in der ihm als wahrscheinlichste Zukunftsaussicht ein Herzinfarkt vorausgesagt wird, beschließt er zu handeln: Statt die anderen weiter über sich reden zu lassen, will er ihnen selbst etwas zum Reden geben! Auf seiner Homepage butterslastmeal.com kündigt er an, sich in der Silvesternacht vor laufender Kamera live zu Tode zu fressen. Er erwartet Spott oder vielleicht Mitleid. Aber das Gegenteil ist der Fall: Seine Mitschüler sind von Butters Plan begeistert und feiern ihn wie einen Helden. Und zum ersten Mal in seinem Leben hat er das Gefühl, wirklich dazuzugehören. Aber Silvester rückt unaufhaltsam näher – und für Butter gibt es kein Zurück mehr. Selten war ich von einem Jugendbuch so hin- und hergerissen wie von diesem. »Düster, komisch, herzzerreißend und …