Alle Artikel in: Rezensionen

[REZENSION] Erin Jade Lange: »Butter«

Erin Jade Lange Butter Originaltitel: Butter Rowohlt 1. Auflage, 2014 Taschenbuch Seiten: 331 ISBN: 978-3-499-21244-4 Der sechzehnjährige ›Butter‹ ist stark übergewichtig, Diabetiker und meistens allein. In der Mensa braucht er eine eigene Bank, sein Auto parkt auf dem Behindertenparkplatz und das Mädchen seiner Träume ist unerreichbar für ihn. Als er im Internet auf eine Liste stößt, in der ihm als wahrscheinlichste Zukunftsaussicht ein Herzinfarkt vorausgesagt wird, beschließt er zu handeln: Statt die anderen weiter über sich reden zu lassen, will er ihnen selbst etwas zum Reden geben! Auf seiner Homepage butterslastmeal.com kündigt er an, sich in der Silvesternacht vor laufender Kamera live zu Tode zu fressen. Er erwartet Spott oder vielleicht Mitleid. Aber das Gegenteil ist der Fall: Seine Mitschüler sind von Butters Plan begeistert und feiern ihn wie einen Helden. Und zum ersten Mal in seinem Leben hat er das Gefühl, wirklich dazuzugehören. Aber Silvester rückt unaufhaltsam näher – und für Butter gibt es kein Zurück mehr. Selten war ich von einem Jugendbuch so hin- und hergerissen wie von diesem. »Düster, komisch, herzzerreißend und …

[REZENSION] Nadine Erdmann: »Mind Ripper«

Nadine Erdmann Mind Ripper 1. Auflage, 2014 E-Book Seiten: 308 Vielen Dank an die Autorin für das Leseexemplar! Ich gebe ja offen zu, dass ich Selfpublishing-Autoren immer erst mal skeptisch gegenüber stehe: Unter den unzähligen selbstverlegten E-Books habe ich bisher nicht viele gefunden, die mich überzeugen konnten, die meisten scheitern schon an den ersten paar Absätzen der Leseprobe, bevor sie überhaupt auf meinen Reader wandern. Dementsprechend erwartete ich auch nicht allzu viel, als mich Nadine Erdmann anschrieb und fragte, ob ich daran interessiert wäre, ihr frisch veröffentlichtes Buch »Mind Ripper« zu lesen. Aber der Klappentext traf genau meinen Geschmack und auch die Leseprobe klang nicht schlecht. Beides erinnerte mich außerdem an Ursula Poznanskis »Erebos«, das ich sehr gern gelesen habe. Also nahm ich das E-Book an. Und ich bin froh, dass ich es getan habe, denn inzwischen kann ich sagen, dass meine Vorurteile in diesem Fall völlig ungerechtfertigt waren: »Mind Ripper« hat mich begeistert – von der ersten bis zur letzten Seite. Welcher Jugendliche träumt nicht davon: sich im Netz mit Leuten treffen, die im …

[REZENSION] Mara Lang: »Der Puls von Jandur«

Mara Lang Der Puls von Jandur im.press 1. Auflage, 2013 E-Book Seiten: 328 ISBN: 978-3-64660-011-7 Auf »Der Puls von Jandur« bin ich zufällig beim Stöbern nach neuen E-Books gestoßen. Das Cover mit dem Drachen und der wunderschönen Gestaltung zog mich gleich magisch an und dass das Buch bisher ausschließlich gute Rezensionen hatte, sorgte dafür, dass es schnell auf meinem Reader landete. – Nach dem Lesen muss ich aber leider sagen, dass ich ganz anders empfunden habe als die anderen Rezensenten. Die Geschichte an sich ist dabei eigentlich sehr spannend: Der fünfzehnjährige Matteo bemerkt eines Morgens aus heiterem Himmel, dass er unsichtbar zu sein scheint. Niemand nimmt ihn mehr wahr, seine Klassenkameraden unterhalten sich über ihn, als wäre er nicht im Raum. Was Matteo zuerst für einen schlechten Scherz hält, wird bald bittere Gewissheit: Er ist nicht nur unsichtbar, sondern besitzt gleich gar keinen Körper mehr! Das jedenfalls erzählt ihm Lith, ein Mädchen mit grünen Dreadlocks, das wie aus dem nichts auftaucht und die einzige zu sein scheint, die Matteo noch sehen kann. Um sich nicht …

[REZENSION] Julie Sarkissian: »Liebe Lucy«

Julie Sarkissian Liebe Lucy Originaltitel: Dear Lucy Atlantik 1. Auflage, 2014 Hardcover Seiten: 384 ISBN: 978-3-455-60003-2 Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar. Leider verhält sich Lucy nicht immer so, wie andere es von ihr erwarten. Deshalb lebt sie nicht bei ihrer Mutter, sondern auf der Farm von Mister und Missus, einem älteren Ehepaar. Hier lebt auch Samantha, ein schwangeres Mädchen und Lucys einzige Freundin. Als Samanthas Baby nach der Geburt verschwindet, verspricht Lucy, es zu finden – und sie wird ihr Versprechen halten, denn ein Versprechen darf man niemals vergessen. Mit ihrem frisch geschlüpften Hühnerküken Jennifer in der Tasche begibt sich Lucy deshalb auf eine abenteuerliche Suche, bei der sie nicht nur Samathas Baby und ihre eigene Mutter findet, sondern auch das schockierende Geheimnis der Farm. Als mir »Liebe Lucy« ins Haus flatterte, war ich sehr gespannt auf das Buch. Der Klappentext hatte mich neugierig gemacht und auch das Cover fand ich in seiner Schlichtheit sehr ansprechend. Was sich hinter der unschuldig-weißen Eierschale versteckt, hat mich dann aber doch ziemlich überrascht. »Wenn es vorher …

[REZENSION] Susan Kreller: »Elefanten sieht man nicht«

Susan Kreller Elefanten sieht man nicht Carlsen 1. Auflage, 2012 E-Book Seiten: 203 ISBN: 978-3-646-92379-7 Seit ihre Mutter starb, verbringt Mascha die Sommerferien bei ihren Großeltern. Normalerweise passiert in Barenburg nie etwas Aufregendes und Mascha beschäftigt sich meistens allein, weil sie nicht dazugehört. Aber in diesem Sommer ist alles anders, denn Mascha lernt Julia und Max kennen. Julia, die sich an die Musik auf Maschas MP3-Player klammert, und Max, der einen unsichtbaren Freund namens Pablo hat. Die Geschwister verbergen etwas Schlimmes, das weiß Mascha sofort. Als sie dann durchs Fenster einen Blick ins Haus der Brandners erhascht, ist ihr klar, dass sie ihnen helfen muss. Bei den Erwachsenen stößt Mascha allerdings auf taube Ohren. Niemand in der kleinen Siedlung will etwas davon wissen. Also kommt Mascha auf eine verhängnisvolle Idee. »Auf einmal kam mir der Gedanke, dass man Menschen beschützen kann.« »Elefanten sieht man nicht« ist eines dieser Bücher, die mir beim Lesen eine Gänsehaut bereiten, die noch lange über die letzte Seite hinaus anhält. Susan Kreller erzählt eine Geschichte, über die man nur den …

[REZENSION] Friedrich Ani: »Die unterirdische Sonne«

Friedrich Ani Die unterirdische Sonne cbt 1. Auflage, 2014 Hardcover Seiten: 336 ISBN: 978-3-570-16261-3 Fünf Jugendliche, eingesperrt in einem Keller. Sie haben ein eigenes Badezimmer und bekommen täglich zu essen, aber Tageslicht und Freiheit sind ihnen verwehrt. Aus dem Kellerraum kommen sie nur, wenn sie von den Erwachsenen, die sie festhalten, nach oben ins Haus geholt werden. Was dort passiert, wissen sie alle, doch keiner von ihnen spricht darüber. Denn wer redet, stirbt. »Die unterirdische Sonne« war eine Zufallsentdeckung in der Buchhandlung. Das Cover und der Titel machten mich neugierig und der Klappentext klang nach Spannung und tiefen Abgründen. Am Ende habe ich mir tatsächlich einen tiefen Abgrund gewünscht – um das Buch darin verschwinden zu lassen. Die Geschichte spielt sich hauptsächlich in dem Kellerraum ab, in dem die Jugendlichen – oder Kinder, der Jüngste ist gerade mal elf Jahre alt – gefangen gehalten werden. Als Leser kann man nur verfolgen, was die Kinder tun oder nicht tun und bekommt hin und wieder einen Einblick in die Gedankenwelten des einen oder anderen. Man bekommt mit, …

[REZENSION] Mary E. Pearson: »Zweiunddieselbe«

Mary E. Pearson Zweiunddieselbe Originaltitel: The Adoration Of Jenna Fox Fischer 2. Auflage, 2011 Taschenbuch Seiten: 331 ISBN: 978-3-596-80860-1 Die siebzehnjährige Jenna erwacht nach eineinhalb Jahren aus dem Koma und kann sich kaum daran erinnern, wer sie ist oder wie es war, bevor ein Unfall sie aus ihrem gewohnten Leben riss. Doch ihre Eltern haben jedes einzelne Lebensjahr ihrer Tochter dokumentiert und auf DVDs festgehalten. Nach und nach kehren so Jennas Erinnerungen zurück. Nicht nur daran, wie man Gesichtsausdrücke deutet oder was bestimmte Worte heißen, sondern auch an die Jenna von früher, ihr Leben, ihre besten Freunde. Aber warum melden sich ihre Freunde nicht bei ihr? Warum verhalten sich Jennas Eltern so merkwürdig? Und warum will niemand über den Unfall reden? »Zweiunddieselbe« ist ein Buch, das mich sehr zwiegespalten zurücklässt. Es wirft einerseits wichtige ethische Fragen auf, die wir uns in der heutigen Zeit und mit dem Fortschreiten von Wissenschaft und Medizin auch für die Zukunft stellen müssen. Wie weit dürfen Eltern aus Liebe zu ihrem Kind gehen? Wann ist es Zeit, ein Kind gehenzulassen? …

[REZENSION] Jen Minkman: »Die Insel«

Jen Minkman Die Insel Originaltitel: Het Eiland 1. Auflage, 2014 E-Book Seiten: 150 Vielen Dank an die Autorin für das Leseexemplar! Die sechzehnjährige Leia lebt auf der Insel, einer Welt, in der Kinder ihre Eltern mit zehn Jahren verlassen und fortan auf einem Landgut zusammenleben, bis sie einen Partner finden und heiraten. Erst dann ziehen sie zurück nach Newexter, das Dorf der Erwachsenen. So will es die Schrift, ein uraltes Buch, welches das Leben der Inselwohner bestimmt. Doch auf der Insel sind sie nicht allein. Die Mauer trennt sie von den Narren: Menschen, die nicht nach der Schrift leben, sondern an Illusionen glauben. Wie zum Beispiel daran, dass es hinter dem Horizont noch viel mehr gibt als die kleine Insel und dass eines Tages jemand aus dieser Welt zu ihnen kommen wird. Dabei weiß doch jeder, dass es dort draußen weit und breit nichts anderes gibt als Wasser! Leias Glaube gerät jedoch ins Wanken, als sie eines nachts beobachtet, wie Saul – der tyrannische Anführer im Gutshof – und seine Schergen einen verletzten Mann einsperren. Wer …

[REZENSION] Emma Healey: »Elizabeth wird vermisst«

Emma Healey Elizabeth wird vermisst Originaltitel: Elizabeth is missing Lübbe 1. Auflage, 2014 broschiert Seiten: 346 ISBN: 978-3-7857-6110-6 Die 82-jährige Maud sucht ihre beste Freundin. Seit Wochen hat sich Elizabeth nicht mehr gemeldet und auch in ihrem Haus ist sie nicht. Doch immer, wenn Maud mit jemandem über Elizabeths Verschwinden reden will, reagieren die Menschen um sie herum genervt oder ignorieren sie einfach. Niemand glaubt ihr. Und oft ist Maud nicht einmal mehr sicher, ob sie sich selbst noch glauben kann. Denn Maud leidet an Alzheimer. Innerhalb von Minuten hat sie manche Dinge vergessen. Zur Erinnerung schreibt sie sich wichtige Dinge auf kleine Notizzettel. Und immer wieder taucht Elizabeth in ihren Notizen auf. Elizabeth wird vermisst, da ist sich Maud sicher. Aber warum will ihr niemand helfen? Warum hört ihr niemand zu? Gemeinsam mit dem Leser macht sich Maud auf die Suche nach Elizabeth, stellt Nachforschungen an und gibt sogar Vermisstenanzeigen auf. Dabei geraten Gegenwart und Erinnerung immer mehr durcheinander, denn Elizabeth ist nicht die einzige, die Maud vermisst: Als Maud noch ein Kind war, …

[REZENSION] Marie-Sabine Roger: »Das Leben ist ein listiger Kater«

Marie-Sabine Roger Das Leben ist ein listiger Kater Originaltitel: Bon rétablissement Atlantik 1. Auflage, 2014 Hardcover Seiten: 224 ISBN: 978-3-455-60002-5 Jean-Pierre wacht auf und kann sich an nichts erinnern. Er ist in die Seine gefallen, ein junger Mann hat ihm das Leben gerettet. Jetzt liegt er im Krankenhaus, ein Alptraum für den Einzelgänger. Über zu viel Besuch kann sich der verwitwete Rentner ohne Kinder oder Hund zwar nicht beklagen, aber alleine ist er trotzdem nie. Ständig geht ihm jemand auf die Nerven: Die vierzehnjährige Maëva hat es auf seinen Laptop abgesehen. Maxime, ein junger Polizist, versucht herauszufinden, wie Jean-Pierre in der Seine gelandet ist, wobei die beiden ihre gemeinsame Leidenschaft für Schwarzweißfilme entdecken. Der gutherzigen Krankenschwester Myriam wächst der alte Griesgram mit Galgenhumor so ans Herz, dass sie ihn zu ihrem Lieblingspatienten ernennt. Und dann ist da noch Camille, der Student, der Jean-Pierre aus der Seine gefischt hat. Allen zusammen gelingt es nach und nach, Jean-Pierre zurück ins Leben zu holen – denn zum Leben ist es bekanntlich nie zu spät. Nachdem ich von Marie-Sabine …